Kinderärztin empfiehlt

Kein Mundschutz für Kinder unter zwei Jahren!

Die Gesichtsmasken, die gegen das Coronavirus eingesetzt werden, bedecken Mund und Nase gleichzeitig. Kann das gefährlich werden für Säuglinge und Kleinkinder? Wir haben nachgefragt bei Kinderärztin Dr. Claudia Dominicus.

Wenn unsere Hebamme uns eins beigebracht hat, dann das: Niemals Mund und Nase des Kindes gleichzeitig bedecken! Schon im Tragetuch sollen wir stets auf genug frische Atemluft achten. Und die ersten Lebensjahre stecken wir unsere Kinder extra in sichere Schlafsäcke – aus Angst, sie könnten sich die Bettdecke nachts über den Kopf ziehen. Nun aber sollen wir unseren Kindern einen Mundschutz anziehen, der genau das tut. Kann das gefährlich werden?

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Unsere Expertin

Dr. Claudia Dominicus ist selbst Mutter von drei Söhnen und seit mehr als 20 Jahren praktizierende Kinderärztin. Zusammen mit ihrem Bruder Jochen veröffentlicht sie regelmäßig den Podcast "Die Kinderärztin", der jungen Eltern Antworten auf Gesundheitsfragen zu ihrem Nachwuchs gibt. Die aktuellen Episoden beschäftigen sich mit dem Thema Coronavirus bei Kindern.

"Das Kind muss sich problemlos verständigen können."

Ob wir unserem Kind einen Mundschutz aufziehen sollten oder nicht, hängt laut Dr. Claudia Dominicus stark vom Alter ab: "Je kleiner das Kind ist, desto kritischer sehe ich die Verwendung eines Mundschutzes", so die Kinderärztin. "Natürlich atmet man schwerer, wenn Mund und Nase bedeckt sind – das merke ja auch ich als Erwachsene", so die Ärztin, die selbst täglich Mundschutz tragen muss. "Das Kind sollte sich deshalb auf jeden Fall schon problemlos verständigen können", empfiehlt die Medizinerin. Denn dann kann es Bescheid geben, falls ihm tatsächlich durch das Tragen der Maske unwohl oder schwindelig wird.

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Mundschutz nicht für Kinder unter zwei Jahre

Die klare Empfehlung von der Kinderärztin lautet daher: "Einem Säugling würde ich auf keinen Fall einen Mundschutz aufziehen! Und eigentlich auch keinem Kind, das unter zwei Jahre alt ist."

Gleichzeitig empfiehlt Dr. Claudia Dominicus, das Kind gar nicht erst Situationen auszusetzen, in denen das dauerhafte Tragen einer Maske notwendig wäre: "Kinder sollen sich aktuellen Empfehlungen nach derzeit ohnehin nicht zum Spielen mit anderen treffen – daher erschließt sich mir nicht, wann das lange, über mehrere Stunden anhaltende Tragen eines Mundschutzes erforderlich wäre", so die dreifache Mutter.

Aber wenn die Maskenpflicht kommt und auch Kinder im Supermarkt oder Bus einen Mundschutz tragen müssen? In diesem Fall gibt Dr. Claudia Dominicus Entwarnung: "Für die kurzen Einsätze im Supermarkt oder Bus ist das Tragen einer Maske auch für Kinder unbedenklich", so die Kinderärztin. Dass die Maskenpflicht uneingeschränkt für jedes Alter gelten wird, kann sie sich aus oben genannten Gründen jedoch nicht vorstellen.

Unterschiedliche Regelungen

Einige Bundesländer haben zusammen mit der Mundschutzpflicht bereits eine Altergrenze mitgeteilt. In Bayern und Thüringen gilt die Maskenpflicht für Kinder ab dem sechsten Geburtstag, in Hamburg gilt sie für alle, die äter als drei Jahre alt sind. Im Zweifelsfall lohnt sich also ein Blick auf die jeweilige Homepage des Bundeslandes.

Maskenpflicht in den einzelnen Bundesländern

 
Bundesland Altersgrenze
Baden-Württemberg

ab 6 Jahren

Bayern

ab 6 Jahren

Berlin

keine Angabe

Brandenburg

keine Angabe

Bremen 

keine Angabe

Hamburg

ab 3 Jahren

Hessen

ab 6 Jahren

Mecklenburg-Vorpommern

ab 6 Jahren

Niedersachsen

ab 6 Jahren

Nordrhein-Westfalen

keine Angabe

Rheinland-Pfalz

keine Angabe

Saarland

ab 11 Jahren

Sachsen keine Angabe
Sachsen-Anhalt

ab 2 Jahren

Schleswig-Holstein

ab 6 Jahren

Thüringen

ab 6 Jahren

 

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Unsere Autorin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei leben-und-erziehen.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an.

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