Niemals ohne Gurt

Kind nicht angeschnallt? GEHT GAR NICHT!

30 Euro Bußgeld zahlen Eltern, wenn das Kind im Auto nicht angeschnallt ist. Viel schlimmer: Bei einem Unfall drohen lebensgefährliche oder sogar tödliche Verletzungen.

Es gibt Kinder, die fahren gerne Auto. Und es gibt Kinder, die Autofahren hassen. Meistens schon als Babys. Und die Eltern dieser Babys kennen sicher diese Momente, in denen während der Autofahrt einfach gar nichts mehr geht. Man will sich auf den Verkehr konzentrieren und das Kind brüllt wie am Spieß, will sich durch nichts und niemanden ablenken oder beruhigen lassen. Wie groß ist die Versuchung dann, das Kleine mal schnell aus der Babyschale oder dem Kindersitz zu nehmen. Es fest an sich zu drücken, es zu trösten oder es vielleicht zu stillen, weil es gerade Hunger hat.

Ein Foto mit Folgen

So erging es wohl auch Janni Hönscheid. Die ehemalige Deutsche Meisterin im Wellenreiten und Freundin von Moderator Peer Kusmagk postete Anfang des Jahres bei Instagram ein Foto, das für ordentlich Aufruhr sorgte. Darauf ist sie im Urlaub auf der Rückbank eines Autos zu sehen – auf dem Schoß ihre acht Monate alte Tochter Yoko. Dazu schreibt sie: "WICHTIG: Ich befürworte hiermit NICHT das unangeschnallte Autofahren von Kindern (oder Erwachsenen). Es ging hier um eine kurze Strecke und wir hatten in dem Moment keine andere Option (außer in der Hitze zu warten). Ich zeige euch hier das echte Leben, und dazu gehören auch Momente wie diese. Es war eine Ausnahmesituation."

Hitze hin oder her ... Janni Hönscheid kassierte für dieses Bild einen Shitstorm. Denn so groß die Verzweiflung in solch einem Moment auch sein mag – bei Kind und Eltern – bei einem Unfall drohen dem ungesicherten Kind lebensgefährliche oder gar tödliche Verletzungen. Oder wie eine Followerin treffend schreibt: "Da würde ich doch lieber ein schreiendes Baby in Kauf nehmen, als später wohlmöglich ein Leben lang mit den Konsequenzen leben zu müssen ..." 

Eltern sind die Risiken oft nicht bewusst

Die Gründe, warum Eltern ihr Kind im Auto nicht anschnallen, sind vielfältig. Manchmal aus Zeitdruck, manchmal aus reiner Bequemlichkeit, manchmal, weil es vielleicht der einfachste Weg ist – viele Kinder haben ab einem gewissen Alter schlichtweg keine Lust mehr angeschnallt zu werden und diskutieren das gerne lautstark mit ihren Eltern aus. 

Häufig sind sich Eltern auch einfach nicht darüber im Klaren, welch schwerwiegende Folgen eine unzureichende Sicherung des Kindes haben kann. Nach dem Motto: Was soll meinem Kind bei der kurzen Strecke oder dieser niedrigen Geschwindigkeit schon groß passieren ...?

Verdammt viel, wie ein Dekra-Crashtest aus Jahr 2019 mit der innerorts üblichen, vergleichsweise geringen Geschwindigkeit von 50 km/h verdeutlicht. "Ein Kinderdummy war dabei ordnungsgemäß in einem Kindersitz gesichert, ein zweiter Kinderdummy saß nicht angeschnallt auf dem Rücksitz", so Peter Rücker vom Crashtest-Center. "Mit einer Größe von 1,13 Metern und einem Gewicht von 23 Kilogramm wurde jeweils ein sechsjähriges Kind nachempfunden." Während der ordnungsgemäß gesicherte Kinderdummy vom Gurt zurückgehalten und durch den Kindersitz zusätzlich geschützt wird, fliegt der ungesicherte Dummy unkontrolliert durch das Fahrzeug und prallt mehrmals an. "Wäre das kein Crashtest, sondern ein realer Unfall, hätte dieses Kind praktisch keine Überlebenschance gehabt", erklärt Rücker.

300 Kinder sterben weltweit jeden Tag bei Verkehrsunfällen

Im Schnitt kommen 300 Kinder unter 15 Jahren weltweit jeden Tag bei Verkehrsunfällen ums Leben. Am häufigsten verunglücken sie als Fahrzeuginsassen. 1990 waren es zwar noch rund doppelt so viele, dennoch ist jedes einzelne Kind, das stirbt, ein Kind zu viel! Eltern sollten daher immer auf einen passenden Kindersitz und ordnungsgemäßes Anschnallen achten und auch bestehen. "Das ist ein absolutes Muss, auch wenn es nur um kurze Strecken geht oder man in Eile ist",  so Dekra-Unfallforscher Schäuble.

Teile diesen Artikel: