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Häusliche Kinderkrankenpflege

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – entsprechend ihrer Bedürfnisse ist dies auch in der Pflege zu berücksichtigen.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – entsprechend ihrer Bedürfnisse ist dies auch in der Pflege zu berücksichtigen. Je nach Alter verstehen Kinder nicht immer, warum zum Beispiel eine Magensonde gelegt, der Verband gewechselt, eine Spritze gegeben, Blut abgenommen werden muss oder, oder… Wird über Pflegeversicherung oder Pflegebedarf diskutiert, so steht, auch aufgrund der demografischen Entwicklung, die ältere Generation im Mittelpunkt. Der Anteil der Kinder mit umfassendem täglichem häuslichem Pflegebedarf ist vergleichsweise gering. Die pflegenden Angehörigen brauchen jedoch Entlastung und Unterstützung. Obwohl allgemein anerkannt, fehlt es an bedarfsorientierten Angeboten, besonders bei Familien mit schwer herzkranken Kindern.

In der Regel werden die Eltern bereits zu Beginn des Aufenthalts des Kindes von mir darauf hingewiesen, dass es bei Bedarf die Möglichkeit gibt, im Anschluss an den Klinikaufenthalt häusliche Kinderkrankenpflege in Anspruch zu nehmen. Die Erfahrung ist, dass die Eltern mit diesem Wissen viel entspannter sind. Die Angst der Eltern, es zu Hause nicht zu schaffen, kann somit reduziert werden. Schaffe ich es, mein Kind ohne Monitor, ohne Beaufsichtigung und Anleitung, ohne Krankenpflege richtig zu pflegen? Was ist, wenn ich etwas übersehe und mein Kind stirbt, weil ich etwas nicht bemerkt habe? Ich teile den Eltern zudem mit, dass wir gegen Ende des Klinikaufenthaltes im Sinne des Entlassmanagements gemeinsam schauen werden, ob häusliche Kinderkrankenpflege notwendig ist. Gehen Kinder mit Monitor, Sauerstoff und/oder Magensonde nach Hause, ist häusliche Kinderkrankenpflege in der ersten Zeit eine wichtige Unterstützung für die Eltern.

Dipl. Soz. Päd. Petra Bintz, Kinderkardiologie Tübingen:
"Viele Eltern übernehmen die Pflege ihres chronisch kranken und pflegebedürftigen Kindes und fühlen sich damit häufig überfordert. Ein Elternteil, meistens die Mutter gibt oft die  Berufstätigkeit auf. Dies geht auch aus einer Umfrage zur Situation der Familien mit chronisch kranken und pflegebedürftigen Kindern hervor, die durch die Selbsthilfe durchgeführt wurde (AK PP im Kindernetzwerk 2006, Auszüge unter www.bvhk.de). Während die Krankenpfleger/in (neu Gesundheitspfleger/in) eine dreijährige fundierte Ausbildung macht, wird bei den Eltern oft vorausgesetzt, dass sie den pflegerischen Aufgaben in kurzer Zeit gewachsen sind."

Der BVHK hat sich mit anderen Patientenvertretern beim gemeinsamen Bundesausschuss (G-Ba) dafür eingesetzt, dass Kinder in den Richtlinien zur Verordnung häuslicher Krankenpflege der GKV (gesetzlichen Krankenversicherung) besser abgebildet werden. Diese Richtlinien regeln u.a. die Dauer und Genehmigung der Verordnung durch die Krankenkasse, aber auch die Zusammenarbeit der Vertragsärzte mit den durchführenden ambulanten Pflegediensten und Krankenhäusern. Für die (Kinder) Krankenpflege bestehen nun z.B. bessere Voraussetzungen, den pflegenden Angehörigen für Anleitung und Schulung mehr Zeit einzuräumen.

Die Verordnung erfolgt durch die Vertragsärzte – Voraussetzung ist die medizinische Notwendigkeit. Der Versicherte hat nur dann Anspruch darauf, wenn er sich nicht selbst oder eine ihn betreuende Person nicht oder nicht in dem erforderlichen Umfang pflegen und versorgen kann. Die Verordnung wird zunächst maximal über einen Zeitraum bis zu 14 Tagen ausgestellt. Im Verzeichnis verordnungsfähiger Maßnahmen der häuslichen Krankenpflege werden soweit möglich Aussagen zur Dauer und Häufigkeit der Verrichtungen angegeben. Von diesen Empfehlungen kann in begründeten Einzelfällen abgewichen werden. Aufgrund einer Öffnungsklausel kann der Arzt nun auch weitergehende Pflegeleistungen verordnen, wenn sie medizinisch erforderlich, wirtschaftlich und Bestandteil des ärztlichen Behandlungsplans sind.
 

Häusliche Kinderkrankenpflege hilft:

  • Die Ängste der Eltern bei der Versorgung ihres Kindes erheblich zu reduzieren
  • Den Eltern Pflegeleistungen wie z. B. Magensondenwechsel abzunehmen (Entlastung)
  • Die Eltern durch fachliche Anleitung sicher zu machen (Rückzugspflege)
  • Bei intensivmedizinischer Pflege (z. B. dauerbeatmete Kinder) die Versorgung des Kindes unter Einbeziehung der Eltern dauerhaft sicherzustellen


Je sorgfältiger und qualifizierter Eltern in der Pflege angeleitet, eingearbeitet und begleitet werden, umso sicherer können sie die Pflege und Versorgung ihres schwerkranken Kindes dauerhaft übernehmen, ohne dass die Eltern- Kindbeziehung gefährdet wird. Familiäre Veränderungen, Änderungen innerhalb des Krankheitsverlaufes und damit einhergehender Hilfebedarf erfordern weitere Entlastungsangebote.
 

Quelle: Bundesverband Herzkranke Kinder e.V.

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