Studien zeigen dramatische Entwicklung

Kurzsichtigkeit bei Kindern: Worauf Eltern achten sollten

Bereits 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Studie zur Kurzsichtigkeit bei Kindern veröffentlicht. Das dramatische Ergebnis: Die Myopie, so der Fachausdruck, nimmt weiter zu. Denn gerade mit Beginn der Einschulung schauen Kinder zu viel im Nahbereich und zu wenig in die Ferne.

Kurzsichtigkeit zählt zu den häufigsten Sehfehlern auf der Welt, Tendenz steigend. Bis 2050 werden fast 50 Prozent der Weltbevölkerung von Myopie betroffen sein, so eine Vorhersage auf der Grundlage klinischer Studien des Brien Holden Instituts in Zusammenarbeit mit der WHO. Bei Kindern kann Kurzsichtigkeit angeboren sein, häufig beginnt sie aber erst nach der Einschulung. Zu wenig Tageslicht bzw. schlechte Lichtverhältnisse, vermehrte Tätigkeiten im Nahbereich, wie Lesen oder die Nutzung von digitalen Geräten und zu wenig Zeit draußen können eine Ursache dafür sein, dass die Häufigkeit von Kurzsichtigkeit in der Zukunft zunehmen wird. Aber allein das Smartphone dafür verantwortlich zu machen, hält Augenarzt Dr. Hakan Kaymak für falsch: Das Handy hat ein schlechtes Image. Die Häufung von Kurzsichtigkeit bei Kindern hat aber nicht nur mit der verstärkten Smartphone-Nutzung zu tun. Niemand findet es furchtbar, wenn Kinder Bücher lesen. Dem Auge ist es aber egal, wo es hinguckt. Beides ist in der Nähe, für das Auge sind beide Sachen quasi gleich schlecht.“

Kann man Myopie verbessern?

Laut Dr. Kaymak spielen nur zehn Prozent genetische Vorbelastung eine Rolle bei der Kurzsichtigkeit von Kindern, zu 90 Prozent sind es Umweltfaktoren. Und genau dort lässt sich ansetzen. Kinder sollten möglichst zwei bis drei Stunden täglich draußen verbringen – dabei hat das Auge die Möglichkeit, in die Ferne zu schauen. Beim Hausaufaufgaben machen oder Spielen sind vor allem richtige Lichtbedingungen und regelmäßige Pausen wichtig. Auch ein Abstand von 30 bis 40 Zentimetern hilft, dass die Augen nicht überanstrengt werden. Kurzsichtigkeit bei Kindern lässt sich zwar nicht stoppen, aber verlangsamen.

Wie kann man Kurzsichtigkeit bei Kindern erkennen?

"Myopie bedeutet übersetzt, ‚zukneifen", erklärt der Augenspezialist. Und genau dieses Symptom ist auch das signifikanteste. "Kurzsichtige versuchen durch diese kleine Lücke, die beim Zusammenkneifen entsteht, Randstrahlen auszublenden, um noch ein bisschen was scharf sehen zu können." Wenn Kinder schon ein wenig älter sind, kann auch ein gezieltes Nachfragen helfen. In welcher Entfernung erkennen sie kleinere Dinge? Können sie Sätze in einem Buch auch etwas weiter weg noch lesen? Oder Buchstaben benennen? Wenn Eltern das Gefühl haben, das Kind könnte unter einer Sehschwäche leiden, sollte ein Termin beim Augenarzt vereinbart werden.

Kann Myopie wieder verschwinden?

Nein – deshalb sollten Eltern auch nicht abwarten, sondern beim ersten Verdacht einen Arzt aufsuchen. "Unbehandelte Kurzsichtigkeit geht nicht wieder weg. Das Auge erholt sich nicht einfach davon, sondern die Kurzsichtigkeit schreitet immer weiter voran. Das kann, im schlimmsten Fall, zur Erblindung führen", warnt Dr. Kaymak. Das Problem: Bei einer Kurzsichtigkeit ist das Auge zu lang. Mit jedem Millimeter, den es wächst, verstärkt sich auch die Kurzsichtigkeit.

Ab wann brauchen Kinder eine Brille?

Schon ab -1 Dioptrien ist man laut Dr. Kaymak nicht mehr verkehrstauglich. Und ab diesem Punkt sollte man auch bei Kindern schon gegensteuern und ihnen eine Brille aufsetzen.

Wie wird Kurzsichtigkeit bei Kindern behandelt?

Es gibt drei Möglichkeiten, Myopie bei Kindern zu behandeln:  Kontaktlinsen, Augentropfen und Brillengläser, die mit der Zeit immer stärker werden. Kontaktlinsen sind für unter Achtjährige oft keine Option, Brillengläser schon: Der Augenarzt erklärt, wie sie wirken: "Vereinfacht gesagt, fällt das Licht, was außerhalb vom Zentrum ist, hinter die Netzhaut. Das geht physikalisch nicht anders. Und das ist ein Anreiz fürs Auge, in diesen Fokus hineinzuwachsen." Allerdings treibt man das Kind mit diesen Gläsern immer weiter in die Kurzsichtigkeit. Auch Atropin-Augentropfen sieht der Arzt mit Bedenken: „Sie sind für diesen Zweck eigentlich nicht zugelassen. Die richtige Formulierung ist wichtig und die Konzentration der Tropfen.

Autorin: Andrea Zschocher 

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