Off-Label-Nutzung

Corona-Vakzin ab fünf: Deutsche Ärzte impfen ohne Zulassung

Österreich macht es vor: In Wien wurde am 15. November die erste Impfstation für Kinder zwischen fünf und elf Jahren eröffnet. Und das, obwohl es in Europa noch keine Zulassung für das Vakzins für kleinere Kinder gibt. Auch in Deutschland bieten immer mehr Ärzte die sogenannte Off-Label-Impfung in Einzelfällen an. Nun gibt es sogar eine Internet-Seite, die Eltern und Ärzte verbindet.

Update 23.11.2021: Am Sonntagabend ging die Webseite "U12Schutz.de" online, auf der Eltern sich registrieren können, wenn sie eine Impfung für ihre unter 12-jährigen Kinder wünschen. Das Portal will Eltern und impfwillige Ärzte miteinander verbingen. Binnen weniger Stunden verzeichnete die Website Tausende Anfragen.

Entscheidung der Ärzte hängt oft vom Einzelfall ab

Auch Kinderarzt Burkhard Lawrenz aus Arnsberg impft bereits off label. Er habe bereits gut zehn Kinder unter zwölf Jahren immunisiert. Alles Einzelfälle mit besonderem Grund, erklärt er im WDR: "Der erste unter Zwölfjährige, den ich gegen Corona geimpft habe, brauchte bei früheren Atemwegsinfekten schon mehrmals Sauerstoff. Die Eltern hatten große Angst, dass es bei einer Corona-Infektion noch schlimmer werden könnte", sagt Lawrenz. Die Eltern hatten den Jungen monatelang nicht zur Schule gelassen und vollständig abgeschirmt. "Nächste Woche impfe ich zwei Geschwister zwischen fünf und elf Jahren, deren Mutter Brustkrebs hat. Die haben natürlich große Angst um ihre Mutter."

Off-Label-Impfungen sind nicht verboten

"Die Entscheidung zur Anwendung eines zugelassenen Arzneimittels außerhalb der zugelassenen Indikation wird im Rahmen der Therapiefreiheit durch die behandelnde Ärztin bzw. den behandelnden Arzt gefällt", schreibt das RKI. Impfungen trotz fehlender Zulassung für kleinere Kinder sind also nicht verboten, allerdings tragen die behandelnden Ärzte in solchen Fällen die Verantwortung.

Es müsse vor der Anwendung deshalb eine besonders sorgfältige Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses erfolgen. 

Inzidenzen bei Kinder besonders hoch

Auch in Berlin gibt es mittlerweile offenbar Kinderärzte, die Patienten ab fünf Jahren auf Wunsch der Eltern gegen Corona impfen. Gegenüber t-online äußert sich der Vater einer achtjährigen Tochter zu seinem Entschluss: "Covid ist nicht ganz so harmlos für Kinder, wie gern behauptet wird. Wenn es eine Chance gibt, Ansteckungsgefahr und die Risiken eines schweren Verlaufs oder von Spätfolgen zu verringern, dann wollten wir sie wahrnehmen. Wir können nicht darauf warten, dass hoffentlich im Dezember eine Entscheidung zu Kinderimpfungen getroffen wird. Die Pandemie ist jetzt. Und eine Covid-Erkrankung ist auch für Kinder riskanter als die Impfung."

Derzeit sind die Inzidenzen bei Minderjährigen besonders hoch. In Berlin liegen sie in der Gruppe der Fünf- bis Neunjährigen bei 877, in Bayern bei den Sechs- bis Elfjährigen sogar bei 1023.
 

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Zulassung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA erwartet

Viele Experten raten jedoch von der Off-Label-Nutzung des Corona-Impfstoffes ab. Gegenüber dem WDR sagt zum Beispiel Christiane Thiele, Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Nordrhein: "Sowohl aus haftungsrechtlichen Gründen als auch aufgrund des fehlenden wissenschaftlichen Nachweis eines positiven Nutzen-Risiko-Verhältnis zugunsten der Impfung so junger Kinder."

Außerdem steht die Zulassung des Vakzins von Biontech/Pfizer für die jüngeren Altersgruppen offenbar kurz bevor. "Wir werden am 24. November die Zulassung für die Kinderimpfungen unter 12 Jahren von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) bekommen", sagte Österreichs Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein während einer Pressekonferenz.

In den USA ist das Vakzin bereits seit gut zwei Wochen für die Altersgruppe zugelassen. Mehrere Hunderttausend Kinder wurden seitdem erstmalig mit Comirnaty geimpft. Laut Herstellerstudien ist die Arznei hochwirksam, eine auffällige Häufung von Nebenwirkungen sei bei Kindern bisher nicht bekannt.

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Unsere Autorin

Andrea Leim

Andrea Leim arbeitet seit mehr als 20 Jahren für verschiedene Redaktionen, hauptsächlich im Bereich Kinder, Kultur und Krachmusik. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten mit ihrem Mann bei Konzerten, zu Hause rockt ein kleiner Lockenkopf ihr Leben als Mama.

Andrea hat mit "Die Geschichte deiner Geburt: Mein Brief für dich" das erste Leben & erziehen-Buch geschrieben. Es ist im April 2021 erschienen.

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