Liebevolle Hilfe bei kleinen Blessuren

Omas Hausmittel auf dem Prüfstand

Von Quarkwickel bis Wegerich: Welche Tricks aus Omas Apotheke helfen wirklich? Wir haben bei Kinderärztin Dr. Claudia Dominicus nachgefragt.

Ein kleiner Ratscher an der Hand, wunde Knie vom Krabbeln auf rauem Boden oder ein Splitter in Babys Fingerchen: Oma ist immer schnell zur Stelle, wenn das Enkelchen getröstet werden muss. Und das nicht nur mit tröstenden Worten, sondern natürlich auch mit Ideen zur Wundpflege. Wir haben auf Facebook bei Großeltern nachgefragt, wie sie den Nachwuchs bei kleinen Blessuren versorgen. Und prüfen im Interview mit Kinderärztin Claudia Dominicus, ob die Methoden der erfahrenen Generation altbewährt und empfehlenswert sind – oder doch ein wenig in die Jahre gekommen.

Quarkwickel: der Vorgänger des Kühlpads

Ein Hilfsmittel, das immer wieder genannt wurde, ist der Quarkwickel. Dafür wird Quark auf ein Tuch gestrichen und das Ganze auf die schmerzende Stelle gelegt. Hilft das wirklich?
 "Quarkwickel sind in der Tat ein weit verbreitetes Hausmittel. Und das aus gutem Grund: Quark steht ja in der Regel im Kühlschrank. Also kühlt so ein Wickel in erster Linie die betroffene Stelle – und das ist immer hilfreich."

Ist es dann letztlich nicht egal, womit man kühlt? Oder hat Quark eine entzündungshemmende Wirkung, die andere gekühlte Lebensmittel nicht haben?
"Nicht, dass ich wüsste. Aber Quark hat viele andere Vorteile: Er pappt schön und hält gut auf dem Wickel. Dann ist er, wie gesagt, in der Regel eh gekühlt. Und nicht zuletzt: Er ist billig. Vermutlich ist er aus genau diesen Gründen der Vorgänger des Kühlpads, das heute jeder im Kühlschrank hat. So etwas gab es ja früher einfach nicht."

Und das Erstaunen beim Kind, wenn heute statt eines Kühlpads plötzlich Quark auf die schmerzende Stelle kommt, ist sicher groß.
"Na klar – und Ablenkung ist immer gut."

Experten-Bild

Unsere Expertin

Dr. Claudia Dominicus ist Kinderärztin und Mitgründerin des Podcast "Die Kinderärztin". In jeder Episode widmet sie sich gemeinsam mit ihrem Bruder Jochen, Vater einer vierjährigen Tochter, einem konkreten medizinischen Thema, das junge Eltern bewegt. In rund zehn Minuten erfahren die Hörer und Hörerinnen alle wichtigen Infos und Handlungsempfehlungen zu einer bestimmten Kinderkrankheit – und das auch mitten in der Nacht, wenn die Praxis des eigenen Kinderarztes gerade nicht zu erreichen ist. "Die Kinderärztin" gibt es bei Spotify, bei Apple Itunes, bei Podigee und unter dem Namen "Ärzte-Podcast" auch auf Youtube.

"Butter kommt bei mir nur aufs Brot"

Wie sieht es mit Butter als Kühlmittel aus? Der Tipp wurde auch genannt
"Also bei mir kommt die Butter aufs Brot. Aber ernsthaft: Butter wird einfach zu schnell warm, um einen kühlenden Effekt zu bieten. Da ist Quark wirklich die bessere Alternative."

Und Wegerichblätter?
"Als Wickel?"

Zur Wunderversorgung. Eine Nutzerin schrieb, dass sie auf offene Wunden ein Blatt vom Spitzwegerich lege.
"Da muss ich passen – davon habe ich noch nie gehört."

"Arnika-Globuli haben keine nachgewiesene Wirkung."

Außerdem wurde immer wieder Arnika genannt, in verschiedenen Formen: als Salbe, als Gel, als Kügelchen …
"Arnika in Form von Globuli haben keine nachgewiesene Wirkung, da ja in den Kügelchen kein Wirkstoff enthalten ist. In einer Salbe oder Gel sind die entzündungshemmenden Wirkstoffe der Pflanze enthalten."

Für die Wunderversorgung wurden auch drei Cremes immer wieder genannt: Gänseblümchencreme, Bepanthen und Zinksalbe. Welche ist Ihr Favorit bei kleinen Schürfwunden?
"Zinksalbe hat einen austrocknenden und entzündungshemmenden Effekt. Die empfehle ich eher beim wunden Babypopo und anderen, leicht nässenden Stellen. Zum Beispiel für die Pflege der Halsfalte bei Säuglingen. Bepanthen hingegen hilft super bei oberflächlichen Wunden, aber nicht bei nässenden oder gar eitrigen Stellen. Wobei Bepanthen nur ein Markenname ist: Der Wirkstoff ist Panthenol. Es kann also auch Panthenolsalbe einer anderen Marke genutzt werden. Haut heilt von unten nach oben, und da bietet Panthenolsalbe zusätzlich eine gute Pflege, gute Regenation und nicht zuletzt guten Schutz von oben."

Lieber Luft als bunte Pflaster

A propos Schutz: Gehört auf eine Schürfwunde ein Pflaster? Oder heilt die Haut besser an der Luft?
"Grundsätzlich gilt: Frische Luft ist immer besser. Allerdings kommt das bei so jungen Patienten natürlich auch ein wenig aufs Alter an: Habe ich ein Krabbelkind mit aufgeschürften Knien, das garantiert gleich weiter die Welt erkunden möchte? Dann klebe ich natürlich lieber ein Pflaster auf die Stelle, um das Kind vor weiteren Schmerzen zu schützen."

Und zu guter Letzt noch unser Lieblings-Tipp von den Großeltern: Erst einmal "Heile, heile, Gänschen" singen.
"Das hilft natürlich immer – damals wie heute."

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Unsere Autorin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei leben-und-erziehen.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an.

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