Bellender Husten mit Atemnot

Erste Hilfe bei einem Pseudokrupp-Anfall

Jedes Kind hat mal Husten. Aber manchmal kann sich aus einer normalen Erkältung ein Pseudokrupp-Anfall mit starkem Husten und Erstickungsangst entwickeln. Was Eltern dann tun können.

Unser Experte

Professor Dr. Harald Morr ist ehemaliger Leiter der Pneumologischen Klinik Waldhof Elgershausen in Greifenstein und Ehrenvorsitzender der Deutschen Lungenstiftung. 

Die Symptome sind eindeutig: Am späten Abend oder in der Nacht hat das Kind plötzlich einen Anfall von trockenem, bellendem Husten, der wie ein Seehund klingt. Möglicherweise macht es auch pfeifende Geräusche beim Einatmen und leidet unter Atemnot. In manchen Fällen kommt auch Fieber hinzu. Das Kind kann panisch oder verängstigt wirken, weil es schlecht Luft bekommt. Pseudokrupp tritt vor allem in den Herbst- und Wintermonaten auf, denn oft ist er die Folge einer Erkältung. Und gerade nachts ist der Körper anfällig für einen Anfall, da er weniger entzündungshemmendes Cortisol produziert.

"Zu einem Pseudokrupp-Husten kommt es, wenn solch eine Infektion zu Schwellungen der Schleimhaut im Bereich des Kehlkopfes unterhalb der Stimmbänder führt", erklärt Professor Dr. Harald Morr, ehemaliger Leiter der Pneumologischen Klinik Waldhof Elgershausen. "Die angeschwollene Schleimhaut verengt dabei teilweise auch die Luftröhre, was die ausgeprägten Atembeschwerden hervorruft." Häufig sind auch die Stimmbänder entzündet, sodass die kleinen Patienten eine heisere, "kehlige" Stimme“ haben.

Vom Krupphusten betroffen sind hauptsächlich Säuglinge und Kleinkinder im Alter zwischen drei Monaten und fünf Jahren. Bis zu einem Drittel aller Kinder vom neunten Lebensmonat bis zu etwa viereinhalb Jahren erkrankt mindestens einmal an Pseudokrupp. Jungen sind laut Statistik häufiger betroffen als Mädchen, dicke Kinder öfter als schlanke. Bei zehn bis 20 Prozent von ihnen wiederholt sich der Anfall. 

Pseudokrupp-Anfall – was tun?

Auch wenn so ein Pseudokrupp-Anfall Eltern Angst macht, lautet die erste Regel: Ruhe bewahren! Reagieren Mama oder Papa panisch, bekommt auch das Kind Angst. Dadurch atmet es schneller und bekommt noch schlechter Luft.

  • Das Kind am besten in den Arm nehmen oder auf den Schoß setzen. So spürt es nicht nur die beruhigende Nähe – in aufrechter Position fällt das Atmen zudem leichter.
  • Kalte, feuchte Luft mindert die Schwellung der Atemwege. Im Winter kann man sich mit dem Kind ans offene Fenster oder auf den Balkon setzen – dick eingekuschelt natürlich. Ist es draußen nicht kalt genug, tut es auch der geöffnete Kühlschrank. Wasserdampf im Badezimmer hilft übrigens nicht – die Luft ist zu warm, um die Schleimhäute abschwellen zu lassen.  
  • Auch ein mit kaltem Wasser angefeuchtetes Tuch auf dem Hals lässt die Engstelle im Hals abklingen. Nasentropfen können ebenfalls helfen.
  • Wenn das Kind dazu in der Lage ist, sollte es etwas Kühles trinken.
  • Unter Umständen kann auch Ablenkung dazu beitragen, dass das Kind sich entspannt und dadurch besser atmen kann.  

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Wann müssen Eltern bei einem Anfall den Notarzt rufen?

Durch das hektische Ringen nach Atem während eines Pseudokrupp-Anfalls in Zusammenhang mit dem starken, ungewohnt klingenden Husten wirkt das Krankheitsbild häufig sehr bedrohlich und veranlasst viele Eltern, den Notarzt zu rufen. "Allerdings ist diese Atmungsstörung nur in Ausnahmefällen so stark ausgeprägt, dass eine lebensbedrohliche Situation entsteht", erläutert der Experte. "In erster Linie sollte die Beruhigung des Kindes im Vordergrund stehen, insbesondere sollte das Kind vom Schreien abgehalten werden, da dies zu einer zusätzlichen Schwellung der Schleimhäute führt. Durch Trösten und Streicheln lässt sich gleichzeitig auch die Atemfrequenz und das Atemminutenvolumen des Kindes senken, was die wegen der Atemwegsverengung auftretenden Turbulenzen im Schlund verringert und damit die Atemarbeit des Kindes reduziert."

Wenn die Atemnot jedoch nicht nachlässt, das Kind zudem hoch fiebert, die Lippen blau werden oder sich die Haut zwischen den Rippen beim Einatmen stark nach innen zieht, sollten Eltern auf jeden Fall einen Notarzt rufen. Hilfreich ist es auch, das Kind am nächsten Tag einmal dem Kinderarzt vorzustellen. Er kann Kortison-Zäpfchen verschreiben, sollte sich der Anfall wiederholen. Sie wirken entzündungshemmend und lassen Schleimhäute besonders schnell abschwellen. 

Normaler Husten oder Pseudokrupp?

Ein normaler Erkältungshusten verläuft in zwei Phasen: Zuerst ist er trocken, einige Tage später wird er lockerer, der Schleim löst sich. Pseudokrupp-Husten ist trocken, rau und bellend und tritt vor allem spätabends und nachts auf. Neben Pseudokrupp gibt es auch noch "echten" Krupp. Dabei handelt es sich um eine durch Bakterien ausgelöste, sehr gefährliche Kehlkopfentzündung, die während einer Diphterie-Erkrankung auftritt. Sind Kinder aber nach STIKO geimpft, sind sie vor Diphterie und somit auch vor "echtem" Krupp geschützt. 

Ist Krupp-Husten ansteckend?

Pseudokrupp wird durch Virusinfektionen, allen voran Masern, Influenza oder RS (Respiratorische Synzytial-Viren) hervorgerufen. Durch eine Tröpfcheninfektion – also z.B. Niesen, Husten, Sprechen oder dem Berühren von Gegenständen – kann das Virus übertragen werden. Es muss aber nicht zwangsläufig zu einem Pseudokrupp-Husten kommen. Letztlich ist dieser nur ein Symptom der Viruserkrankung. Meistens geht dem Pseudokrupp-Anfall eine Erkältung mit Halsschmerzen und Schnupfen voraus. Häufig sind Kinder auch heiser, da sich die angrenzenden Stimmbänder entzünden. Erkältete Babys und Kleinkinder trifft ein Pseudokrupp-Anfall besonders häufig, weil der Kehlkopf und die Luftröhre bei ihnen noch sehr eng sind. Sammelt sich hier der Schleim, kann es zum Krupp-Husten kommen. Deshalb erkranken Erwachsene auch nur sehr selten an Pseudokrupp. 

Wie lange dauert Pseudokrupp?

Ein Pseudokrupp-Anfall tritt meistens sehr plötzlich auf und kann mitunter sehr heftig sein. Genauso schnell kann sich zumindest das Hauptsymptom, der bellende Husten, wieder bessern. Meistens hört der Spuk nach wenigen Minuten auf und das Kind beruhigt sich. Der Pseudokrupp-Husten wird in der Regel durch Erkältungsviren ausgelöst. Er heilt meist von selbst innerhalb einer Woche aus. In dieser Zeit kann es jedoch sein, dass es in mehreren Nächten hintereinander zu einem Pseudokrupp-Anfall kommt. Nach und nach verringert sich aber die Schleimbildung und auch die Intensität der Hustenanfälle nimmt ab. 

Kann man einem Pseudokrupp-Anfall vorbeugen?

Trockene Luft kann das Auftreten von Pseudokrupp begünstigen. Wenn Kinder erkältet sind, sollte daher immer auf ausreichende Luftfeuchtigkeit geachtet werden. Feuchte Waschlappen auf der Heizung oder ein Luftbefeuchter können dabei helfen. Wissenschaftlich bewiesen ist mittlerweile auch, dass viele Schadstoffe in der Luft, wie z.B. Feinstaub oder Nikotin, Pseudokrupp begünstigen. Kinder, die in Raucherwohnungen aufwachsen und "passiv rauchen", sind daher häufiger betroffen. "Um Anfällen vorzubeugen, sollte man auf keinen Fall in Gegenwart der Kinder rauchen, zumal die empfindliche Schleimhaut von Säuglingen und Kleinkindern durch den Tabakrauch besonders gereizt wird", so Prof. Dr. Morr. In seltenen Fällen kann Pseudokrupp auch allergisch bedingt sein, beispielweise durch eine Allergie gegen Katzenhaare oder Hausstaubmilben.

Unsere Autorin

Jana Kalla ist Chefredakteurin bei Leben & erziehen. Vorher war sie viele Jahre lang hauptsächlich im Beauty-Kosmos unterwegs.

Seit sie einen eigenen kleinen Sohn hat, ist ihr Leben nicht nur um einiges turbulenter geworden, es hat auch dazu geführt, dass sie ihr Themenspektrum erweitert hat. Und was könnte es Schöneres geben, als über Windeln und Wimperntusche zu schreiben?

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