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Gefährlicher Glimmstängel

Tabakrauch schadet Kindern

Rauchen ist schädlich – das hat sich längst herumgesprochen. Aber wie sehr Kinder unter dem Laster der Eltern und Verwandten leiden, ist vielen noch nicht bewusst.

„Puh, das stinkt“, melden Kinder oft, wenn sich jemand in ihrer Nähe eine Zigarette anzündet. Kinder können sich ihre Luft nicht aussuchen. Sie sind darauf angewiesen, dass die Erwachsenen sie vor dem blauen Dunst schützen. Denn Tabakrauch ist der gefährlichste Schadstoff ihrer Atemluft.

Wölkchen für Wölkchen reichert der Glutkegel einer Zigarettenspitze die Raumluft mit etwa 4.000 giftigen Stoffen an. Viele davon sind im Passivrauch deutlich höher konzentriert, als in einem Zug an der Zigarette. Einige der Substanzen, wie Formaldehyd und Ammoniak, reizen besonders die Atemwege. 40 andere wirken sogar krebserregend. Zwar ist der Tabakrauch auch für Erwachsene schädlich. Kinder allerdings nehmen viel mehr Schadstoffe über die Atemluft auf: Sie atmen pro Minute zwei- bis dreimal so viel Luft ein und aus wie Erwachsenen und nehmen deshalb mehr Umweltgifte auf. Außerdem ist bei den Kleinen das Verhältnis von Hautfläche zum Körpervolumen größer, so dass sie auch über diesen Weg mehr Umweltgifte aufnehmen.

 

Hauptquelle für die kindliche Tabakrauchbelastung ist der elterliche Raucherhaushalt. In Deutschland leben etwa 8,5 Millionen Jungen und Mädchen in Haushalten, in denen mindestens eine Person raucht. Hinzu kommt, dass sich Babys und Kleinkinder in der Regel zu über 90 Prozent in Innenräumen aufhalten. Und: Sie haben naturgemäß keine Möglichkeit, dem Passivrauchen zu entgehen, wenn die Familie ungehemmt ihrem Laster frönt.

Wenn einen Schwangere zur Zigarette greift, kann sie ihrem Baby damit  sehr schaden. Denn die Schadstoffe im Blut der Mutter gelangen über die Plazenta auch in den Körper des ungeborenen Kindes und können beim Fötus die Durchblutung, die Lungenreifung und die Gehirnentwicklung beeinträchtigen.
Damit steigt das Risiko für ein niedriges Geburtsgewicht, für eine Frühgeburt oder sogar Totgeburt um ein Mehrfaches. Mitrauchende Neugeborene sind dreimal häufiger vom plötzlichen Säuglingstod betroffen, als Baby, die in einer rauchfreien Umgebung aufwachsen.

Bei Schulkindern verursacht der Qualm oft Kopfschmerzen und Übelkeit. Gefährlicher sind aber noch die langfristigen Folgen des Passivrauchens bei Kindern: Sie leiden häufiger an Bronchitis, Lungenentzündung, Asthma, Mittelohrergüssen und allergischen Hautkrankheiten. Und es begünstigt spätere Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Viele Argumente also, die dafür sprechen, die Zigarette zukünftig links liegen zu lassen.


Rolf-Rüdiger Horn
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Suchtbeauftragter des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

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