Infektionsgefahr

Wegen Corona: Dürfen wir unterwegs noch snacken?

Durch die Pandemie hat sich einiges verändert – auch das Essen außer Haus. Denn viele Eltern wollen ihre Kinder nicht mehr snacken lassen, wenn die Hände vorher nicht gewaschen werden können. Ist das übertrieben? Helfen Desinfektionsmittel? Das wollten wir von einem Kinderarzt wissen.

Bis vor ein paar Monaten war es das normalste der Welt – die Kinder unterwegs etwas snacken zu lassen. Jetzt hinterfragen wir plötzlich, ob das eine gute Idee ist, wenn die Kids sich vorher die Hände nicht waschen können. Viele packen alternativ Desinfektionsmittel ein. Das ist doch besser als nichts. Oder?

Der Kinder- und Jugendarzt Dr. Klaus Rodens sagt: "Desinfektionsmittel sind sinnvoll, wenn es zu einer Verschmutzung mit potenziell krankmachenden Keimen gekommen ist, zum Beispiel beim Popo-Säubern oder Spielen mit Gegenständen, die beispielsweise mit Hunde- oder Katzenausscheidungen verunreinigt sind, und ein Waschbecken nicht zur Verfügung steht." Wichtig: Zuvor muss sichtbarer Schmutz weggewischt werden. Doch um Viren wie auch das Coronavirus SARS-CoV-2 zu entfernen, muss das Desinfektionsmittel den Hinweis "begrenzt viruzid“ enthalten. Antibakterielle Desinfektionsmittel, die die meisten von uns in der Tasche haben, wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren – und damit eben auch nicht gegen das Coronavirus.

Und was taugen Desinfektionstücher? Laut Dr. Rodens sind diese eher Keimschleudern, wenn sie nicht fachgerecht, also wirklich nur einmalig und zum Säubern nicht sichtbarer Verunreinigungen, verwendet werden. Und: Ständige Nutzung von Desinfektionsmitteln schädige die schützende Barrierefunktion der Haut.

"Händewaschen mit Seife ist, wo immer möglich, zu bevorzugen“, fasst Dr. Rodens zusammen. Alternativ könne man einfach Besteck und Papiertücher einpacken. Kinder lassen sich aber mit Spielchen wie "Ich sehe was, was du nicht siehst“ oft auch noch eine Weile vertrösten, bis das Händewaschen wieder möglich ist.

"Liebe Eltern, Keime gehören im Alltag dazu, damit sich das Immunsystem der Kinder entwickeln kann. Die Hygiene sollte also in einem gesunden Maß stattfinden“, so der Arzt.

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Unser Experte

Dr. Klaus Rodens: Kinder- und Jugendarzt aus Langenau. Vorstand im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sowie bei der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

Autorin: Irlana Nörtemann

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