Was tun?

Zeckenbiss bei Kindern: Gefährliche Blutsauger

Sie lauern im Gras, auf Sträuchern, im Wald und am Wegesrand: Zecken. Wir erklären, welche Krankheiten die Blutsauger übertragen können und was nach einem Zeckenbiss bei Kindern zu tun ist.

Im Sommer ist Hochsaison für Zecken. Zwar besteht auch im Frühling und Herbst die Gefahr einen Zeckenbiss zu bekommen, denn die kleinen Blutsauger werden aktiv, sobald an an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen Temperaturen ab sieben Grad herrschen. Aber an richtig warmen Tagen, an denen Kinder viel Zeit draußen im Freien verbringen, ist das Risiko am höchsten. 

Zecken verstecken sich in feuchten Gegenden und im Unterholz. Meist lauern die kleinen Spinnentiere in Wiesen, hohen Gräsern und Büschen. Wenn Kinder also über eine Wiese laufen oder an einem Busch vorbeigehen, nehmen sie die Zecke quasi durch Abstreifen als "blinden Passagier" mit. Auch Babys, die im Garten auf einer Decke liegen, sind vor Zeckenbissen nicht geschützt, da die kleinen Tierchen sich auch im Rasen verstecken können.

Zeckenbiss bei Kindern erkennen

Ein Zeckenbiss bleibt oft erst einmal unbemerkt, denn er tut in der Regel nicht weh. Das liegt daran, dass die Zecke die Einstichstelle mit ihrem Speichel betäubt. Schließlich will sie möglichst lange unbemerkt Blut saugen. Die kleinen Blutsauger bevorzugen feuchte und warme Körperstellen wie die Kniekehlen, die Schamgegend oder die Achselhöhlen. Bei Kleinkindern und Babys setzen sie sich auch gerne in den Haaren am Kopf fest.

Häufig erkennt man einen Zeckenbiss erst, wenn sich das Tier bereits festgesogen hat. Das liegt daran, dass Zecken sind im hungrigen Zustand nur etwa zwei bis vier Millimeter groß sind. Sie sehen dann aus wie ein kleiner schwarzer Punkt, der häufig mit Dreck verwechselt wird. Eltern sollten ihre Kinder daher immer  gründlich auf Zecken am Körper untersuchen, wenn sie im Freien gespielt haben. Betrachtet man den Zeckenbiss genauer, kann man den bräunlichen Körper und die Beine, die aus der Haut herausragen, gut erkennen. Eine vollgesaugte Zecke kann bis bis zu zehn Millimeter dick sein und fällt schließlich von der Haut wieder ab. Zurück bleibt häufig eine gerötete Stelle, die auch jucken kann.

Zecke bei Baby und Kind entfernen

Wichtig ist es, die Zecke so schnell wie möglich herauszuziehen, wenn man sie entdeckt – umso weniger hat sie Chance Krankheitserreger abzugeben. "Das Risiko, dass Borrelien übertragen werden, steigt mit der Zeit an", erklärt Dr. Stefan Renz, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Hamburg. "FSME-Viren werden dagegen leider sofort übertragen."

Am einfachsten lässt sich eine Zecke mit einer Zeckenzange*, Zeckenkarte*, Zeckenpinzette* oder Zeckenschlinge* rausziehen. Die Zecke sollte möglichst dicht über der Einstichstelle nah am Kopf gefasst werden. Dann langsam und vor allem senkrecht aus der Haut ziehen. Dabei nicht drehen. Ganz wichtig: Der Körper der Zecke sollte nicht gequetscht werden, da sie dann Krankheitserreger abgeben kann, die direkt ins Blut übergehen. Das gilt auch für andere "Mittelchen", wenn das Tier noch in der Haut steckt: "Ganz falsch: Öl, Klebstoff oder Alkohol auf die Zecke tropfen", betont der Kinderarzt. "Die Zecke gibt dann möglicherweise mehr erregerhaltigen Speichel ab und das Infektionsrisiko steigt." 

Nachdem die Zecke entfernt wurde, sollte die Einstichstelle desinfiziert werden. Hilfreich ist es auch, die Stelle mit einem Kugelschreiber einzukreisen. So kann man die nächsten Tage gut beobachten, ob sich eine Ringröte entwickelt. 

Bleiben beim Entfernen kleine Teile der Zecke in der Haut zurück, ist das kein Grund zur Sorge. Der Stechapparat und die Mundwerkzeuge bergen kein Infektionsrisiko und werden normalerweise nach ein paar Tagen von selbst abgestoßen.

Ist ein Zeckenbiss bei Kindern gefährlich?

Die meisten Zeckenbisse heilen problemlos wieder ab, sie können aber auch ernstzunehmende Folgen haben. Zecken können Borrelien in sich tragen. Das sind Bakterien, die infolge einer Übertragung durch einen Zeckenbiss bei Kindern Borreliose, auch Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit genannt, auslösen können. In der ersten Phase der Erkrankung kann es zu einer sich ausbreitenden Rötung, der sogenannten Wanderröte oder Ringröte (Erythema migrans) kommen. Diese ringförmige, etwa fünf Zentimeter große Wanderröte tritt einige Tage oder Wochen nach dem Zeckenstich an der Einstichstelle oder anderen Körperstellen auf und breitet sich mit der Zeit aus. Auch Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen oder Gelenksentzündungen treten häufig auf. Die Hälfte der Infektionen verläuft jedoch symptomfrei. Die zweite Phase, die Wochen und Monate nach dem Stich beginnen kann, zeichnet sich durch Nervenentzündungen bis hin zu Nervenlähmungen, Herzmuskelentzündungen und Schwellungen der Lymphknoten aus. Die dritte Phase kann auch noch nach Jahren auftreten. Es kommt häufig zu Gelenksentzündungen, die von selbst wieder abschwellen. In seltenen Fällen kann es zu Hirnentzündungen mit geistigem Abbau und Störungen der Koordination kommen. Frühzeitig erkannt, lässt sich Borreliose mit Antibiotika behandeln. Einen Impfschutz gibt es jedoch nicht. Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist grundsätzlich das Infektionsrisiko. 

In bestimmten Risikogebieten übertragen Zecken auch Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Eine FSME-Infektion macht sich anfangs durch grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen bemerkbar. Im weiteren Verlauf kann es auch zu Atemwegsbeschwerden, Bauchschmerzen und zu Durchfall kommen. Allerdings verläuft rund ein Viertel der Infektionen ohne typische Symptome, sodass erkrankte Kinder und ihre Eltern nichts bemerken. In der zweiten Krankheitsphase, nach rund einer Woche, kommt es zu einer zweiten Ausbruchswelle, die sich in einer Hirnhautentzündung, sowie in Entzündungen des Hirn- und Rückenmarksgewebes zeigt. Manchmal zeigen sich Symptome auch erst Monate oder Jahre nach einem Zeckenbiss. Bei rund 70 bis 95 Prozent der Betroffenen, die sich mit FSME-Viren infiziert haben, bleiben schwere Krankheitsverläufe jedoch aus.

Im Gegensatz zu Borreliose gibt es gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis eine Impfung, die umgangssprachlich häufig auch Zeckenimpfung oder Zeckenschutzimpfung genannt wird. Das ist jedoch falsch, denn sie schützt nicht vor einem Zeckenbiss, sondern vor einer Infektion mit FSME. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt diese Impfung für Kinder, die in einem Risikogebiet leben. Oder wenn Familien einen Urlaub in diesen Regionen planen. Für den Impfschutz sind als Immunisierung drei Impfungen innerhalb weniger Monate nötig. Nach drei Jahren sollte der Impfschutz aufgefrischt werden. In der Regel ist die FSME-Impfung sehr gut verträglich. Eine Zeckenimpfung sollte wegen der hohen Impfbelastung im ersten Jahr erst ab dem zweiten Lebensjahr vorgenommen werden (Ausnahme nur bei hohem Infektionsrisiko). Es gibt spezielle FSME-Impfstoffe für Kinder, die ab einem Alter von einem Jahr zugelassen sind. Braucht man einen schnellen Schutz, gibt es ein sogenanntes "Schnellschema", bei dem die Grundimmunisierung schon nach drei Wochen erfolgt. Aufgefrischt wird dann nach zwölf bis 18 Monaten. 

Zeckenbiss beim Kleinkind: Wann zum Arzt?

Wenn Eltern an der markierten Stelle in den ersten zwei Wochen nach dem Zeckenbiss einen wachsenden roten Fleck oder eine ringartige Verfärbung von mehr als zwei Zentimetern Durchmesser bemerken, sollten Kinder einem Arzt vorgestellt werden. Ein Arztbesuch steht ebenfalls an, falls in dieser Zeit grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen auftreten. Dann besteht der Verdacht, dass die Zecke Borrelien oder FSME übertragen hat. Gerade bei ungeimpften Kindern, die in FSME-Risikogebieten leben oder dort im Urlaub waren, sollten Eltern nach einem Zeckenbiss besonders wachsam bei möglichen Symptomen sein. 

Am besten notieren Eltern sich im Kalender, wann die Zecke gestochen hat und kontrollieren die Einstichstelle mehrmals pro Woche. Was Eltern sich sparen können: Die Zecke ins Labor zu schicken, um sie dort auf Erreger testen zu lassen. "Das ist reine Geldschneiderei", so Dr. Stefan Renz. Tatsächlich wird im Labor nur gemessen, ob die Zecke Erreger in sich trägt, die Borreliose auslösen kann. Ob wirklich eine Übertragung aufs Kind oder Baby stattgefunden hat, lässt sich dadurch nicht beweisen. Auch Tests aus der Apotheke zum Selbertesten sind daher aussagekräftig genug. 

So kann man Kinder und Babys vor Zecken schützen

Geschlossene Schuhe, Socken, lange Hosen und Shirts sowie eine Kopfbedeckung mit Nackenschutz können zwar keinen Zeckenbiss verhindern. Aber in diesem Fall muss die Zecke erst mal auf der Kleidung entlangkrabbeln, bis sie eine freie Hautstelle zum Stechen findet. Auf heller Kleidung entdeckt man die schwarzen Tierchen zudem schneller. Auch gut: Anti-Zeckensprays (sogenannte Repellents), die auf die Haut oder die Kleidung gesprüht werden können. Aber Achtung: Nicht alle Mittel sind bereits für Babys zugelassen. Der Wirkstoff Icaridin kann bei Kindern ab zwei Jahren verwendet werden darf (z.B. in Autan oder Anti-Brumm-Produkten). Am besten verträglich ist der Wirkstoff IR 3535 (EBAPP = Ethyl-Butylacetylaminopropional), der laut Hersteller bei Babys ab zwei Monaten benutzt werden darf und ab einem Jahr empfohlen wird. Er schützt zwar nicht so lange wie Icaridin, ist aber dafür auch weniger schädlich.

Ein Zeckenbiss ist eigentlich ein Zeckenstich

Schon gewusst? Zwar spricht man meistens von einem Zeckenbiss, eigentlich müsste es aber Zeckenstich heißen. Denn Zecken stechen mit ihren Mundwerkzeugen in die Haut und fangen dann an, Blut zu saugen.

Autorin: Jana Kalla

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