Gefährliche Blutsauger

Was tun bei einem Zeckenbiss?

Sie lauern im Gras, auf Sträuchern, im Wald und am Wegesrand: Zecken. Wir erklären, welche Krankheiten die Blutsauger übertragen können und was nach einem Zeckenbiss zu tun ist.

Zecken sind für gewöhnlich vom Frühjahr bis zum Herbst aktiv. Allerdings besteht sogar im Winter die Gefahr, sich einen Zeckenstich einzuhandeln. Sobald an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen Temperaturen ab sieben Grad herrschen, werden die kleinen Blutsauger aktiv - also auch in milden Wintern.

Ein Zeckenbiss ist eigentlich ein Zeckenstich

Zecken verstecken sich in feuchten Gegenden und im Unterholz. Meist lauern die kleinen Spinnentiere in Wiesen, hohen Gräsern und Büschen. Wenn man also über eine Wiese läuft oder an einem Busch vorbeigeht, nimmt man die Zecke quasi durch Abstreifen als "blinden Passagier" mit.  Zwar spricht man meistens von einem Zeckenbiss, eigentlich müsste es aber Zeckenstich heißen. Mit ihren Mundwerkzeugen stechen sie in die Haut und saugen bei ihrem Wirt Blut - bei Menschen und Tieren.

So erkennt man einen Zeckenstich

Ein Zeckenstich bleibt oft erst einmal unbemerkt, denn er tut in der Regel nicht weh. Das liegt daran, dass die Zecke die Einstichstelle mit ihrem Speichel betäubt. Umso wichtiger ist es, nach dem Spielen im Freien Kleidung und Körper gründlich nach Zecken abzusuchen. Die kleinen Blutsauger bevorzugen feuchte und warme Körperareale wie Kniekehlen, Schamgegend, Achselhöhlen und Schulterhöhlen. Bei Kindern setzen sie sich auch gerne in den Haaren fest. Die winzigen Spinnentiere sind im hungrigen Zustand nur etwa zwei bis vier Millimeter groß, oft nimmt man sie zunächst nur als schwarzen Punkt wahr. Ist die Zecke mit Blut vollgesaut, kann sie bis zu zehn Millimeter dick sein und fällt dann von der Haut wieder ab. Zurück bleibt ein winziger blutiger Fleck, der manchmal leicht juckt.

So kann man einem Zeckenbiss vorbeugen

Geschlossene Schuhe, Socken, lange Hosen und Shirts sowie eine Kopfbedeckung mit Nackenschutz verhindern zwar nicht, dass eine Zecke zusticht. Aber in diesem Fall muss sie erst mal auf der Kleidung entlangkrabbeln, bis sie eine freie Hautstelle zum Stechen findet. Auf heller Kleidung entdeckt man die schwarzen Tierchen schneller. Zudem gibt es viele Anti-Zeckensprays (sogenannte Repellents), die Wirkung zeigen.

Gegen das FSME-Virus gibt es keine Medikamente, aber eine Impfung, die umgangssprachlich häufig auch Zeckenimpfung oder Zeckenschutzimpfung genannt wird. Das ist jedoch alsch, denn sie schützt nicht vor einem Zeckenbiss, sondern vor einer Infektion mit FSME. Die Ständige Impfkommission empfiehlt diese Impfung für Kinder, die in einem Risikogebiet leben. Oder wenn Familien einen Urlaub in diesen Regionen planen. Für den Impfschutz sind drei Impfungen nötig. Die ersten beiden erfolgen im Abstand von ein bis drei Monaten, die dritte (je nach Impfstoff), nach fünft oder neun bis zwölf Monaten. Nach drei Jahren muss der Impfschutz aufgefrischt werden. In der Regel ist die FSME-Impfung sehr gut verträglich. Eine Zeckenimpfung sollte wegen der hohen Impfbelastung im ersten Jahr erst ab dem zweiten Lebensjahr vorgenommen werden (Ausnahme nur bei hohem Infektionsrisiko). Es gibt spezielle FSME-Impfstoffe für Kinder. Mehr Infos dazu bekommt man beim Kinderarzt.

So entfernt man eine Zecke

Wichtig ist es, die Zecke so schnell wie möglich herauszuziehen, wenn man sie entdeckt. "Das Risiko, dass Borrelien übertragen werden, steigt mit der Zeit an", erklärt Dr. Stefan Renz, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Hamburg. "FSME-Viren werden dagegen sofort übertragen. Allerdings verläuft eine Infektion bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen deutlich leichter und bleibt meist ohne Folgen."

Am einfachsten rücken Sie der Zecke mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte zu Leibe. Das Tier muss möglichst dicht über der Einstichstelle gefasst und langsam herausgezogen werden. Dabei nicht drehen! "Ganz falsch: Öl oder Klebstoff auf die Zecke tropfen", betont der Kinderarzt. "Die Zecke gibt dann möglicherweise mehr erregerhaltigen Speichel ab und das Infektionsrisiko steigt." Bleiben kleine Teile der Zecke in der Haut zurück, ist das kein Grund zur Sorge. Der Stechapparat und die Mundwerkzeuge bergen kein Infektionsrisiko und werden normalerweise nach ein paar Tagen von selbst abgestoßen.

Die Stichstelle kontrollieren

Am besten notiert man sich im Kalender, wann die Zecke gestochen hat und kontrolliert die Einstichstelle mehrmals pro Woche. Was Eltern sich sparen können: Die Zecke ins Labor zu schicken, um sie dort auf Erreger testen zu lassen. "Das ist reine Geldschneiderei", meint Dr. Stefan Renz.

Wann zum Arzt?

Wenn man an der markierten Stelle in den ersten zwei Wochen nach dem Zeckenstich einen wachsenden roten Fleck oder eine ringartige Verfärbung von mehr als zwei Zentimetern Durchmesser bemerkt, sollte man den Arzt aufsuchen. Ein Arztbesuch steht ebenfalls an, falls in dieser Zeit grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen auftreten. Dann besteht der Verdacht, dass die Zecke Borrelien oder FSME übertragen hat.

Was ist Borreliose?

Die meisten Zeckenbisse heilen problemlos wieder ab, sie können aber auch ernstzunehmende Folgen haben. Zecken können Borrelien in sich tragen. Das sind Bakterien, die infolge einer Übertragung durch einen Zeckenstich beim Menschen Borreliose, auch Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit genannt, auslösen können. In der ersten Phase der Erkrankung kann es zu einer sich ausbreitenden Rötung, der sogenannten Wanderröte (Erythema migrans) kommen. Diese ringförmige, etwa fünf Zentimeter große Wanderröte tritt einige Tage oder Wochen nach dem Zeckenstich an der Einstichstelle oder anderen Körperstellen auf und breitet sich mit der Zeit aus. Auch Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen oder Gelenksentzündungen treten häufig auf. Die Hälfte der Infektionen verläuft jedoch symptomfrei. Die zweite Phase, die Wochen und Monate nach dem Stich beginnen kann, zeichnet sich durch Nervenentzündungen bis hin zu Nervenlähmungen, Herzmuskelentzündungen und Schwellungen der Lymphknoten aus. Die dritte Phase kann auch noch nach Jahren auftreten. Es kommt häufig zu Gelenksentzündungen, die von selbst wieder abschwellen. In seltenen Fällen kann es zu Hirnentzündungen mit geistigem Abbau und Störungen der Koordination kommen. Frühzeitig erkannt, lässt sich Borreliose mit Antibiotika erfolgreich behandeln. Einen Impfschutz gibt es jedoch nicht. Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist grundsätzlich das Infektionsrisiko. 

Was ist FSME?

In Bayern und Baden-Württemberg - den FSME-Risikogebieten -, vereinzelt auch in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Sachsen, übertragen Zecken auch Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Eine FSME-Infektion macht sich anfangs durch grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen bemerkbar. Im weiteren Verlauf kann es auch zu Atemwegsbeschwerden, Bauchschmerzen und zu Durchfall kommen. Allerdings verläuft rund ein Viertel der Infektionen ohne typische Symptome, so dass der Erkrankte nichts bemerkt. In der zweiten Krankheitsphase, nach rund einer Woche, kommt es zu einer zweiten Ausbruchswelle, die sich in einer Hirnhautentzündung, sowie in Entzündungen des Hirn- und Rückenmarksgewebes zeigt. Manchmal zeigen sich Symptome auch erst Monate oder Jahre nach dem Zeckenbiss. Bei rund 70 bis 95 Prozent der Betroffenen, die sich mit FSME-Viren infiziert haben, bleiben schwere Krankheitsverläufe jedoch aus. Im Gegensatz zu Borreliose gibt es gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis eine Impfung (FSME-Impfung).

Tropische Riesen-Zecken auf dem Vormarsch

Durch den Anstieg der Temperaturen haben Zeckenforscher in den vergangenen Jahren immer wieder Zeckenarten entdeckt, die hierzulande eigentlich nicht heimisch und fünfmal so groß wie "normale" Zecken sind. Sie gehören zur Gattung der tropischen Hyalomma-Zecke. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Tiere über Vögel eingeschleppt wurden. Was ihnen Sorgen bereitet: Die Tiere sind in der Lage, auch tropische Krankeheiten wie z. B. das Fleckfieber, zu übertragen. Im Sommer 2019 ist in Deutschland erstmalig ein Mensch durch den Biss einer tropischen Hyalomma-Zecke an Fleckfieber erkrankt. Er konnte erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden. Die Zahl der in Deutschland gefundenen Riesenzecken steigt zunehmend an – jede zweite trägt laut Experten den Fleckfieber-Erreger in sich. 

Teile diesen Artikel: