Rundum-Infos für Eltern

Kita-App: Muss ich wirklich wissen, ob Mini-Me heute Kacki gemacht hat?

Viele Kindergärten setzen mittlerweile auf eine Kita-App, die Eltern Infos rund um ihr Kind liefert. In Echtzeit. Auch Fotos können darüber ausgetauscht werden. Aber: Muss das sein?

Alle Infos rund ums eigene Kind landen in der Kita-App: Aber will man als Eltern wirklich immer alles ganz genau wissen?
© Foto: Getty Images/Guido Mieth
Alle Infos rund ums eigene Kind landen in der Kita-App: Aber will man als Eltern wirklich immer alles ganz genau wissen?

Wie sah heute der Inhalt der Windel aus? Hat mein Kind mittags auch genügend Gemüse gegessen? Und wohl auch lange genug geschlummert? Viele deutsche Kindergärten setzen jetzt auf spezielle Kita-Apps, die Eltern in Echtzeit Informationen rund um den Alltag des Kindes in der Einrichtung liefern kann. Hersteller gibt es mitterweile einige, die Funktionen ähneln sich und scheinen auch sinnvoll zu sein – oder etwa nicht? Ist es wirklich nötig, als Mama und Papa über ALLES ganz genau Bescheid zu wissen? 

Kita-App: Gut oder schlecht? Die wichtigsten Funktionen für Eltern und Erzieher

Um diese Frage beantworten zu können, werfen wir zunächst mal einen Blick darauf, was so eine Kita-App eigentlich alles kann. Hier nochmal der Hinweis, dass es mehrere Hersteller von solchen Kita-Apps gibt. Andere App, andere Funktionsweise – doch die folgenden Anwendungen begegnen einem hier und da immer wieder: 

  • Tagesaktuelle News rund ums Kind: Die Eltern sehen beispielsweise, wo sich das Kind gerade befindet ("Die Kinder der blauen Krippen-Gruppe sind gerade auf dem Spielplatz"). Auch liefert die Kita-App Infos zum Ess- und Schlafverhalten des Kindes. Dann heißt es: "So viel hat Ihr Kind heute gegessen – zum Frühstück und Mittagessen" und "So lange hat es geschlafen"! Nun, und auch der Windelinhalt kann Thema werden.
  • Ständig neue Fotos: Dieser Punkt dürfte jede Mama und jeden Papa erfreuen. Denn tendenziell bekommt man nur sehr selten und sehr wenige Bilder von seinem Kind in der Kita zu Gesicht. Durch die Applikation bekommen Eltern einen besseren Einblick in den -Alltag – und wie (mitunter anders) sich das eigene Kind im Kindergarten verhält. 
  • Mit Kita-Leitung und Erziehern chatten: Der Kommunikationsfluss kann mit Sicherheit ziemlich vereinfacht werden durch eine solche App. Das ist Fakt. Eltern sowie Erzieher können per Chat kontaktiert werden – es sind Einzel- oder Gruppennachrichten möglich. Da ist die Hemmschwelle geringer, Dinge (sofort) anzusprechen beziehungsweise sie schnell runterzutippen. Auch Video-Konferenzen sind bei einigen Kita-Apps ein Thema. Ich muss gestehen: Elternabende sind nicht unbedingt mein Ding. Da sind mir meist zu viele übereifrige Besserwisser-Mamas auf einem Haufen. Diese Funktion wäre für mich also nicht schlecht.
  • Aktueller Speiseplan: Ich selbst fotografiere mir meistens den wöchentlichen Speiseplan ab, der wird bei uns in der Kita nämlich jeden Montag neu ausgedruckt und aufgehängt. Ja, ich weiß, ein bisschen oldschool. In einer App können die Pläne jedoch regelmäßig aktualisiert und neu hochgeladen werden. Das spart dann auch Papier.
  • Ab- und Anwesenheitsplanung: Im Juni hat die Kita zwei Wochen geschlossen, im August ist die kleine Ida mit ihrer Familie zwei Wochen im Urlaub – all das können Erzieher und Eltern in der App eintragen.

Fotos in der Kita: Das bekannte Thema mit dem Datenschutz

Ein leidiges Dauerthema, das in vielen Einrichtungen eine Rolle spielt. Auch in der Kita ist der Datenschutz zu beachten. Insbesondere natürlich zum Schutz der Persönlichkeitsrechte unserer Kinder. Das betrifft zum Beispiel Datennutzungen, die nicht gesetzlich erlaubt sind. Diese bedürfen einer Einwilligungserklärung durch die Eltern. Auch Fotoaufnahmen in der Kita zählen dazu, genauso wie deren anschließende Präsentation.

Das simple Fotografieren im Kindergarten tangiert das Thema Datenschutz direkt. Denn es handelt sich bei den Fotos der Kinder um personenbezogene Daten. Weil Schnappschüsse von Max und Emma in der Regel nicht für die Durchführung der Betreuung essenziell sind, gilt: Es muss auf jeden Fall eine Einwilligungserklärung der Eltern eingeholt werden.

Wichtig zu wissen ist dabei aber auch, dass der Datenschutz bei Kita-Bildern nicht nur im Moment der Aufnahme Anwendung findet. Er kann auch auf die öffentliche Präsentation der Einrichtung ausdehnen (z.B. auf der Website). Deshalb bedarf es in der Kita einer Einverständniserklärung für die konkrete Form, in der die Fotos gezeigt werden. 

Immerhin: In einer Kindergarten-App können Bilder vom Kind so eingefügt werden, dass nur Eltern einer bestimmten Gruppe diese betrachten können. Aber manchen Mamas und Papas sorgen sich darum, was in den Sphären des App-Kosmos (und darüber hinaus) mit den Bildern ihrer Kinder passieren könnte …

Fazit: Warum ich nicht IMMER alles wissen muss

Eine Zentralisierung der administrativen Kita-Informationen finde ich nicht schlecht, das muss ich schon zugeben. Die Kita-App kann durch ihre Funktionen schon einige Abläufe erleichtern. Aber: Ich gehöre ganz klar zu der Sorte Mütter, die sich tendenziell immer einen Tick zu viel um ihr Kind sorgen. Es ist zwar in vielen Bereichen und mit steigendem Kindesalter schon besser geworden, doch wenn es um die Kita geht, bin ich etwas sensibel. Das kennen wohl die meisten Eltern da draußen nur zu gut. Die Kita-Eingewöhnung läuft eher holprig bis schlecht, da würde mich eine Informationsflut in Echtzeitübertragung nur zusätzlich kirre im Kopf machen. Zwar sind Fotos und/oder Videos vom eigenen Kind aus der Kita eine schöne Sache, aber reicht es nicht auch aus, die Erzieherin beim Abholen einfach zu fragen, ob das Kind wohl satt geworden ist? Und ob der Stuhlgang normal war? Ganz genau muss ich es ehrlicherweise gar nicht wissen. 

Außerdem ist die Vorstellung doch etwas befremdlich, dass Smartphones oder Tablets einen so großen Stellenwert im Kita-Alltag einnehmen. Ich möchte, dass die Erzieherinnen das Kind an der Hand haben – und nicht ihr Handy. Information hin oder her. Hier geht es doch um Zwischenmenschliches. Und zwar zwischen Kind und Erziehern. Infos kann man sich auch anders einholen. Und welche Farbe der heutige Pups nun hatte? Nun, das geht mir dann doch etwas zu weit. Aber zum Glück kann das jeder für sich selbst entscheiden. 

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