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Vegetarische Kitas und Grundschulen: Freiburg macht es vor

Sind vegetarische Kitas auf dem Vormarsch? Freiburg setzt das jetzt um, und auch in NRW gibt es Ansätze. Was es damit auf sich hat, lest ihr hier.

Vegetarisches Essen in Kitas und Grundschulen – Eltern sind sich uneins, ob sie das gut finden ...
© Foto: iStock/Andrey_Kuzmin
Vegetarisches Essen in Kitas und Grundschulen – Eltern sind sich uneins, ob sie das gut finden ...

Oktober 2022: Kartoffeln mit Möhren und Erbsen, Nudeln mit fleischloser Soße, Reis mit Gemüse und Gurkensalat, Suppen – vegetarische Ernährung kann lecker und vollwertig sein. Doch nicht alle Eltern begrüßen es, dass ihre Sprösslinge in Freiburger Kitas und Grundschulen künftig kein Fleisch mehr serviert bekommen.

Massentierhaltung ist nicht mehr zeitgemäß

Das Tierwohl ist – ENDLICH – in (fast) aller Munde. Dass es mit der Massentierhaltung nicht wie bisher weitergehen kann, leuchtet wohl den meisten ein. Billige Ernährung aus Monokulturen, Medikamenten- und Hormongaben, schlechte Haltung und ein stressiges Leben der Tiere schaden letztendlich auch uns Menschen. Die Fleischproduktion erzeugt im Vergleich einen wesentlich höheren CO2-Ausstoß als dieselbe Menge Gemüse. Dennoch sorgen sich einige Eltern noch immer, dass ihre Kinder durch vegetarische Ernährung möglicherweise Mangelerscheinungen entwickeln könnten. Sind sie denn noch genügend mit Eisen, B12 etc. versorgt, wenn sie ausschließlich vegetarisch essen? Doch bei dem Freiburger Vorstoß geht es ja lediglich um die Versorgung beim Mittagessen. Zu Hause bekommen wohl nach wie vor viele (wenn nicht die meisten) Kinder Fleisch- und Wurstwaren zu essen. Außerdem – und das ist noch entscheidender – ist es auch mit vegetarischer Ernährung möglich, sich ausgewogen zu ernähren. Um besorgte Eltern zu beruhigen, könnten Einrichtungen vor der Umstellung auf vegetarisches Essen einen Elternabend anbieten, auf dem Eltern über eine vollwertige, vegetarische Ernährung aufgeklärt werden.

Steigende Preise machen auch das Kita-Essen teurer

Der Gemeinderat der Stadt Freiburg im Breisgau hat aus Kostengründen beschlossen, dass es ab dem kommenden Schuljahr kein Fleisch und Fisch mehr in städtischen Kitas und Grundschulen geben soll. Gründe seien vor allem die steigenden Lebensmittelpreise – auch für hochwertiges Fleisch. Der Beschluss wird nicht von allen gut geheißen. Man beraube damit den Kindern ihrer Wahlmöglichkeit, wenn es künftig nur noch EIN vegetarisches Gericht zum Mittagessen gebe. Der Elternbeirat wünscht sich dann zumindest zwei vegetarische Gerichte zur Auswahl.

Vegetarische Kitas sind kein neues Phänomen

Auch in Nordrhein-Westfalen (NRW) beispielsweise gibt es schon länger diverse Einrichtungen mit rein vegetarischem Essen. Das habe weniger mit einem Verzicht auf Fleisch zu tun, als vielmehr mit dem Wunsch nach gesundem, hochwertigem Essen, so eine Sprecherin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in NRW, der für mehr als 1.000 Kitas zuständig ist. Eine gesunde, qualitativ hochwertige Ernährung ist offenbar mehr und mehr Eltern auch in der Kita wichtig. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt ohnehin vegetarisches Essen in Kitas. Und auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät Kitas, wöchentlich maximal ein Fleisch- und ein Fischgericht anzubieten. Dennoch stellt sich das baden-württembergische Agrarministerium gegen den Freiburger Vorstoß und behauptet, zu einer ausgewogenen Ernährung gehöre auch Fleisch. Diese Behauptung ist wissenschaftlich jedoch nicht haltbar.

Neben einer Preiserhöhung des Kita-Essens soll der Bio-Anteil in Freiburg jetzt immerhin von 20 auf 30 Prozent steigen, was die Qualität des Essens ein Stück weit anheben dürfte. Ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch lange nicht genug. Hier ist also durchaus noch Luft nach oben.

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