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Eingewöhnung nach Corona: Hallo, Kita-Kumpels!

Nach den Sommerferien beginnt für viele die Kita-Eingewöhnung. Das ist für die kleinen "Corona-Natives", die die erste Zeit ihres Lebens mit Abstand und ohne andere Kinder verbrachten, ein großer Schritt – und auch für die "großen" Kita-Kinder eine große Umstellung nach so viel Zeit zu Hause. Unsere Autorin hat zusammengefasst, wie es mit wenig Stress gelingt.

Meine Kleine (3) ist ein offenes Kind, das fröhlich und neugierig in die Welt blickt. Sie freut sich darauf, bald auch in den Kindergarten ihres großen Bruders (6) gehen zu dürfen. Ich freue mich mit ihr – und mache mir gleichzeitig Gedanken, wie sie wohl in dem neuen Alltag ankommen wird. Die Eingewöhnung kann auch ohne Pandemie für Eltern und Kinder emotional sehr anstrengend sein. Nun kommen die "Corona-Natives" in die Kita, deren Leben bisher unter dem Motto "viel Abstand – wenig Kontakt" verlief. Große Gruppen sind meiner Tochter zum Beispiel total fremd, sie war noch nie beim Kinderturnen oder bei der musikalischen Früherziehung. Wird sie deshalb einen schwierigen Start haben?

Kita-Eingewöhnung: Kein Problem für Corona-Natives

Dr. med. Burkhard Rodeck war Chefarzt am Christlichen Kinderhospital Osnabrück und ist jetzt unter anderem Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (GDKJ). Er sagt: "Was die Kinder sonst in der Krippe kennengelernt haben, lernen sie jetzt etwas später. Das hat es in der Vergangenheit, als die Betreuung oft erst mit drei Jahren begann, auch gegeben und ist für die Kinder kein genereller Nachteil." Morgenkreis und Gruppenspiele, das gemeinsame Frühstück und zusammen Lieder singen: Für kleinen Kinder sind das aufregende neue Erlebnisse. Rodeck: "Es gibt Kinder, die gehen offen auf Neues zu und es gibt Kinder, die sind zurückhaltend. Das war vor Corona so und wird auch nun so sein. Im Einzelfall kann das auch mal schwierig werden, aber ein generelles Problem, bezogen auf die Pandemie, gibt es für die neuen Kita-Kinder nicht."

Abnabelung nach intensiver Zeit

Die Eingewöhnung in die Kita ist für beide Seiten ein Prozess der Abnabelung. Umso mehr, wenn Eltern und Kinder die vergangenen eineinhalb Jahre coronabedingt primär zu Hause verbracht haben. "Durch diese Zeit hat sich in vielen Familien eine besonders intensive Eltern-Kind-Bindung entwickelt", erklärt der Mediziner. "Dadurch kann es auch für die Eltern schwieriger sein, loszulassen und ihren Kindern mehr Eigenständigkeit zuzutrauen. Viele Mütter und Väter sehen es aber sicher auch als Entlastung, wenn das 'Grenzen austesten' mal wieder woanders als zu Hause stattfindet", so Burkhard Rodeck.

Oh ja, wie wahr! Wenn meine Wirbelwinde das Wohnzimmer zu einem Piratenschiff inklusive Schlachtfeld umgewandelt haben und zum Angriff stürmen, obwohl ich sie doch schon drei Mal gebeten habe aufzuräumen – dann sehne ich mich nach Kita-Alltag, wo sie einen Teil ihrer Energie im Spiel mit Gleichaltrigen freilassen können. Und auf der anderen Seite finde ich die Vorstellung, deutlich weniger Zeit mit meinen Kindern zu verbringen auch traurig. Da blutet das Herz der Glucke in mir. Und zwar für beide Kinder. Denn auch der Große war dieses Jahr besonders viel zu Hause. Auch für ihn wird die voraussichtliche Normalbetreuung eine Umstellung sein.

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Positive Botschaften für einen guten Start

"Kinder mit positiven Erfahrungen werden wieder gern in die Kita gehen", sagt Kinderarzt Rodeck dazu. Wichtig sei, sie frühzeitig darauf vorzubereiten. "Positive Botschaften sind entscheidend. Eltern sollten ihrem Kind vermitteln, dass es etwas schönes ist, dass die Kita-Freunde wieder regelmäßig getroffen werden können." Schüchternen Kindern kann es helfen, sich vor dem Ende der Ferien schon mit ein, zwei Freunden zu treffen. Das gibt den Kindern die Möglichkeit, im kleinen Rahmen wieder miteinander vertraut zu werden. Das werde ich auf jeden Fall tun. Mit der Kleinen auch, die so schon ein paar ihrer neuen Weggefährten kennenlernen kann. Und wir uns dann – alle drei – hoffentlich ohne Tränen voneinander trennen können.

Tipps für die Eingewöhnung

  1. Reden
    Das Kind in Gesprächen auf den Kita-Start vorbereiten. "Eltern können ihren Kindern den Beginn des neuen Lebensabschnittes in undramatischer Weise schmackhaft machen. Sie können zum Beispiel von dem tollen Spielplatz und den netten Erwachsenen dort berichten", so unser Experte. 
  2. Schweigen
    Sorgen und offene Fragen sollten die Erwachsenen nicht vor dem Kind diskutieren, sondern lieber allein. "Die Kleinen bekommen mehr mit, als viele Eltern denken", sagt Kinderarzt Rodeck. Bemerken die Kleinen, dass ihre Eltern unsicher sind, kann das auf die Stimmung des Kind abfärben. "Kinder sollten der Kita vertrauen, bevor sie dort starten."
  3. Fragen
    Klärt vorab, ob sich der Tagesablauf eurer Kita verändert hat, zum Beispiel wegen Corona-Maßnahmen, die uns wohl noch länger begleiten werden. Rodeck: "Hygieneregeln müssen eingehalten werden, allerdings funktioniert das in der Kinderbetreuung nicht 100-prozentig konsequent. Kinder brauchen Nähe. Die Impfung des Personals schützt die Mitarbeiter weitestgehend. So können die Erzieher situativ entscheiden, wie sie mit den Kindern agieren."
  4. Vertrauen
    Ein Hauptgrund, warum es vielen Eltern schwer fällt, ihre Kinder in die Betreuung zu geben, ist die Sorge, in dieser Zeit nicht zu wissen, wie es ihnen geht. Natürlich ist es (bestenfalls) nirgendwo so sicher und schön wie zu Hause, aber für die Ausprägung von Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit können Kita, Kindergarten und Co. eine große Chance sein. Oft können und schaffen selbst die Kleinen mehr, als Mamas und Papas ihnen zutrauen.
Experten-Bild

Unser Experte

Dr. med. Burkhard Rodeck

... ist Privatdozent und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (GDKJ). Vor seinem Ruhestand war er Chefarzt am Christlichen Kinderhospital Osnabrück, wo er immer noch medizinisch tätig ist.

Autorin: Merle von Kuczkowski

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