Kita-Knigge

Warum mir das Siezen unserer Erzieherinnen manchmal unangenehm ist ...

Die Erzieher und Erzieherinnen in der Kita duzen oder siezen? Wie seht ihr das? Aus diesen Gründen plädiert unsere Autorin für das "Du" in der Kita.

Ich: "Hallo Christina!"

Christina: "Hallo Frau Gege!"

Ich bin 35, Christina auf jeden Fall ein paar Jahre älter als ich. Ich sieze die sympathische Krippen-Erzieherin meiner zweijährigen Zwillingsjungs zwar, aber spreche sie gleichzeitig mit ihrem Vornamen an. Das sogenannte Hamburger Sie. Sie spricht mich allerdings mit dem Nachnamen an. Und genau da ist der Moment: Ich fühle mich unwohl bei diesem sprachlichen Ungleichgewicht.

Hinzu kommt: Meine Kinder duzen sie. "Christina, duuuuuhu ...?" Das macht das Ganze nicht gerade unkomplizierter. 

Anderer Fall. Selbe Kita.

Ich: "Hallo Kristin, hab ich dir gestern eigentlich die Matschhose von Vincent mitgegeben?" Ups, da war es wieder. Das "Du" ist versehentlich aus mir herausgepurzelt. Kristin – Anfang 20, ein Alter, in dem ich mich noch absolut siezfrei gefühlt habe – scheint es mir nicht krumm zu nehmen. Angesprochen habe ich es aber bisher noch nicht, das Ding mit dem Siezen und Duzen bei uns in der Kita.

Denn eigentlich ist die offizielle Vereinbarung klar: Die Eltern werden in unserer Kita gesiezt inklusive Nachnamen. Und die Erzieherinnen werden mit Sie und dem Vornamen angesprochen. Außer die Kita-Leitung. Die siezen wir alle, inklusive Nachnamen.

Kommt ihr noch mit? 

Der Trend geht zum "Du"

Höre ich mich in meiner Mami-Bubble um, erfahre ich, dass es ziiiiiemlich viele unterschiedliche Regelungen gibt. Selbst in ein- und derselben Kita werden teilweise die buntesten Anrede-Formeln gefunden. Aber alle meine Mama-Freundinnen sind sich einig: Wir möchten am liebsten duzen.

Ich spreche mit Udo Beckmann, Bundesvorsitzender vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) und lasse mir erklären, dass es keine einheitlichen Ansprache-Regelungen für Kitas gibt: "Aber in der Tat ist ein Trend zum Duzen in der Gesellschaft zu erkennen, der nicht zuletzt auch durch die sozialen Medien bestärkt wird." Kleine und große Unternehmen kultivieren das "Du" längst – von der Chefetage bis ins Großraumbüro. Und tatsächlich ist auch meine Welt weitesgehend durch Du-iziert. Selbst an der Kasse rutscht es mir heraus. Und das meine ich niemals unhöflich, despektierlich, sondern immer mit höchstem Anstandsgefühl. Ich empfinde es schlicht und einfach als freundlicher.

Fans vom "Sie" im Kindergarten wünschen sich eine gesunde Distanz zu den Eltern

Auf Instagram finde ich diesen Post einer Erzieherin aus Berlin. Laura plädiert für das "Sie" in ihrer Kita. Sie und ihre Kolleg*innen erhoffen sich dadurch ein gutes Verhältnis zwischen Nähe und Distanz zu der Elternschaft. Unter dem Post wird fleißig diskutiert, in jede Richtung: 

Mein Kompromiss zwischen "Du" und "Sie" ...

Für mich persönlich schafft das "Sie" eher Distanz. Und dennoch respektiere ich die einheitliche Regelung. Unsere Erzieher und Erzieherinnen leisten jeden Tag ein großes Stück Arbeit. Und können ganz sicher in der ein oder anderen Situation einen gewissen Abstand zu den Eltern auch gebrauchen. 

Nichtsdestotrotz bleibe ich überzeugter Du-Fan. Für mich gibt es aber einen guten Kompromiss: den Ihr-Kompromiss! "Habt ihr die Matschhose von Vincent gefunden?" ... "Wie toll!" Freundlich, ohne frech zu duzen. Oder wie seht ihr das? 

 

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Unsere Autorin

Astrid Christians-Gege

Astrid Christians-Gege wird oft gefragt, wie man das als Mama von zweijährigen Zwillingsjungs und einem Vierjährigen so wuppt. Ihre Antwort: Mit starkem Kaffee, einem sehr langen Geduldsfaden und einer gesunden Work-Life-Balance.

Als Redakteurin bei Leben & erziehen lässt sie auch mal den ein oder anderen Tipp einer Dreifach-Jungsmama in ihre Artikel einfließen, aber bitte immer ohne erhobenen Zeigefinger. Denn nichts ist cooler als Mütter, die sich gegenseitig unterstützen. 

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