Neuer Kita-Alltag in Coronazeiten

Kein Kita-Besuch mit laufender Nase?

In Kitas gelten wegen Corona gerade besondere Hygieneauflagen. Das ist gut und richtig – führt aber auch dazu, dass Kinder mit einem leichten Schnupfen zu Hause bleiben müssen. Unsere Autorin fragt sich, wie das im Herbst zur Erkältungszeit werden soll?

Am Wochenende habe ich beim Spiegel einen Artikel gelesen: "Wenn das Kind nicht in die Kita darf, weil die Nase läuft". In dem Text geht es darum, dass Eltern gerade erleben, wie absurd die neuen Hygieneregeln in Kindergärten sein können. Berichtet wird von einem Jungen, der einmal gehustet hat und zusammen mit seiner Schwester eine ganze Woche zu Hause bleiben musste. Oder von einem Mädchen, das wegen seiner bei der Kita bereits bekannten Neurodermitis abgeholt werden musste, weil der "Ausschlag ansteckend aussehe".

Einmal Kita, schon erkältet ...

Bei diesen Zeilen muss ich schlucken. Mein Sohn durfte diese Woche das erste Mal wieder in die Kita – ein Schnuppertermin für knapp zwei Stunden, da wir im August in eine neue Einrichtung wechseln. Und nun, vier Tage später, hat er Schnupfen. Wie sollte es auch anders sein? Wo viele Kinder sind, sind für gewöhnlich auch viele Viren. Und Bakterien. Genau deshalb haben die meisten Kita-Kinder ja auch eine ständig laufende Nase. Oder Husten. Oder gerne auch mal einen Magen- und Darminfekt, Hand-Mund-Fuß oder andere ansteckende Krankheiten, an die ich gerade gar nicht denken will ... und die ich während des Lockdowns auch nicht vermisst habe. 

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Wie soll das denn erst im Herbst werden?

Als ich meinen Sohn am Abend ins Bett bringe und ihm seit gefühlter Ewigkeit mal wieder Nasenspray gebe, beginnt mein Gedankenkarussell zu rasen. Was, wenn er wegen eines Schnupfens nicht in die Kita darf? Wie um alles in der Welt sollen wir dann die Erkältungszeit im Herbst und Winter überstehen? Seit Mitte März betreuen mein Mann und ich den Kleinen, neben unseren Jobs, bei uns zu Hause. Ich wünsche mir, endlich mal wieder in Ruhe am Rechner sitzen zu können. Und noch mehr wünsche ich mir, dass ich ihn in die neue Kita eingewöhnen kann, ohne ihn alle paar Wochen wieder rausreißen zu müssen. Ich überlege, welche Wehwehchen sich uns noch in den Weg stellen könnten und muss an die Dellwarze an seinem Knie denken. Laut Kinderärztin unbedenklich, auch nicht meldepflichtig, aber hochansteckend, sollte sie sich öffnen. Eigentlich wollten wir abwarten, bis sie von alleine weggeht, nun aber werden wir ihr vor der Eingewöhnung den Garaus machen und sie wegätzen.

Sind die Hygienemaßnahmen sinnvoll oder übertrieben?

In Zeiten von Corona müssen Kinder komplett symptomfrei sein, wenn sie eine Kita besuchen wollen. Ich kann verstehen, dass Träger und Erzieher gerade besonders vorsichtig sind und die Hygieneauflagen extrem ernst nehmen. Wer von uns hat schon Lust auf einen weiteren Lockdown? Oder noch schlimmer, an Covid-19 zu erkranken? Dennoch stellen die jetzigen Vorkehrungen viele Familien vor praktische Probleme. Eine laufende Nase darf nicht zum Ausschlusskriterium für den Besuch einer Kita werden. Zumal Viren und Bakterien wichtig für die Ausbildung des Immunsystems sind. Ich wünsche mir, dass solche Entscheidungen nach und nach wieder gelockert werden und Eltern und Erzieher mit gesundem Menschenverstand darüber entscheiden dürfen, wann ein Kind zu krank ist, um die Kita besuchen zu können.

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Unsere Autorin

Jana Kalla

Jana Kalla ist Chefredakteurin bei Leben & erziehen. Vorher war sie viele Jahre lang hauptsächlich im Beauty-Kosmos unterwegs.

Seit sie einen eigenen kleinen Sohn hat, ist ihr Leben nicht nur um einiges turbulenter geworden, es hat auch dazu geführt, dass sie ihr Themenspektrum erweitert hat. Und was könnte es Schöneres geben, als über Windeln und Wimperntusche zu schreiben?

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