Zusätzliche Betreuung

Kindergarten-Ausflug – aber nur mithilfe der Eltern!

Ein Tag im Tierpark ist natürlich super für die Kids. Aber geht das nicht auch Zusatzbetreuung durch die Eltern?

Nadine ärgert sich. Ihr Sohn ist erst vor Kurzem in die Kita gekommen, da fand sie einen Zettel im Körbchen mit dem Hinweis auf einen "Eltern-Kind-Ausflug" in vier Wochen. Neben den üblichen Ausflugsutensilien war auch festgelegt, dass jedes Kind einen erwachsenen Begleiter mitbringen muss. Freinehmen? Das ist in den nächsten Wochen weder für Nadine noch für ihren Mann drin.

"Dann muss Ihr Sohn eben zu Hause bleiben!"

Immer wieder setzen Krippen oder Kindergärten darauf, dass Eltern ihre Kinder im Zweifel auch selbst betreuen können. Da werden Feriengruppen gestrichen, weil Erzieherinnen erkrankt sind, oder die Einrichtung bleibt wegen eines Streiks gleich ganz geschlossen. Besonders ärgerlich ist es, wie in Nadines Fall, wenn die Kita das Einspringen der Eltern von vornherein selbstverständlich einplant. "Ihr müsst Dominik ohne uns mitnehmen", bittet Nadine, doch das Team winkt ab. Im Tierpark würden die Erzieher zu leicht den Überblick verlieren. Außerdem sei Dominik sicher sehr traurig, wenn er das einzige Kind ohne Mutter oder Vater ist – der Tierparkbesuch gehöre seit Jahren zu den Highlights. Auch für berufstätige Eltern müsse es doch drin sein, ihrem Kind "ein solches Event einmal im Jahr zu ermöglichen“. Wenn Nadine das nicht organisieren könne, müsse ihr Sohn eben zu Hause bleiben.

Die anderen Eltern kennen das Problem auch

Dieses Argument macht Nadine wütend: Wie soll das gehen, wenn sie und ihr Mann gar nicht zu Hause sind? In den Tierpark können sie auch selbst am Wochenende gehen, Urlaubstage hingegen sind rar. Der Ärger ist verständlich. Viele Eltern neigen in so einer Situation dazu, sich bei der Leitung oder beim Träger zu beschweren – doch das löst das Problem selten. Nadine spricht erst einmal mit den anderen Eltern und findet heraus, dass die meisten sich tatsächlich lange vorher freinehmen. Eine Mutter gibt ihre Tochter zu den Großeltern, ein anderes Paar hat eine Tagesmutter. Wieder andere gestehen, dass sie im Job dann eben krank sein werden. Zufrieden sind längst nicht alle damit, einige sind von dem Ausflug schon lange genervt, trauen sich mit Rücksicht auf ihr Kind aber nicht, etwas dagegen zu sagen.

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Die Lösung heißt: konstruktiv bleiben

Was also tun? Der beste Weg ist meist, gemeinsam mit der Einrichtung nach einer Lösung zu suchen. Auch Nadine macht dem Team in einem freundlichen Gespräch einige Vorschläge. Tatsächlich erklären sich die Erzieher schließlich bereit, ihren Sohn doch allein mitzunehmen – auch weil zwei andere Mütter anbieten, ihn mit zu beaufsichtigen. Am Ende sagen außerdem die Eltern seiner beiden besten Freunde ebenfalls ab. Er ist also nicht einmal das einzige Kind ohne Eltern.

Lösungen finden

Was tun, wenn eine Kita die Eltern zur Zusatzbetreuung heranzieht?

  1. Grundsätzlich ist die Einrichtung verpflichtet, die bei ihr angemeldeten Kinder zu beaufsichtigen und zu betreuen. Das muss auch bei Ausflügen gewährleistet sein – eigentlich. Denn andererseits hat das einzelne Kind keinen Anspruch darauf, beim Ausflug mitzukommen. Es kann also auch anders betreut werden.
  2. Meist bietet die Kita als Alternative an, dass Kinder ohne Elternbegleitung stattdessen in eine andere Gruppe gehen. Das ist für die Kinder natürlich schade, manchmal aber die einzige Lösung. Wenn mehrere Gruppen weg sind, kann auch eine Auffanggruppe gebildet werden.
  3. Vor allem wenn es um Vorschulkinder geht, nehmen Erzieher oft einzelne Kinder auch ohne Eltern mit – umso eher, je freundlicher Eltern darum bitten.
  4. Kein Problem haben Erzieherinnen meist damit, dass einige Eltern die Aufsicht für mehrere Kinder übernehmen. Das sollte aber handschriftlich geregelt sein.
  5. Tradition hin oder her: Macht eine Veranstaltung immer Probleme, lässt man sie besser weg. Vielleicht gibt es ja eine weniger betreuungsintensive Alternative?

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