Eingeschränkter Regelbetrieb

Warum ich mein Kind noch nicht wieder in die Kita gebe

Mitte Juni öffnen die Kitas in Hamburg für alle Kinder. Unsere Autorin ist darüber zwar sehr erfreut – ihren Sohn wird sie dennoch erst einmal zu Hause behalten.

9. Juni 2020
Da ist sie also, die lang herbei gesehnte Nachricht: "Weil die niedrigen Infektionszahlen in Hamburg es erlauben, können ab dem 18. Juni alle Kinder in die Kita zurück", heißt es auf der Webseite der Stadt Hamburg. Mein Hirn rattert ... Wie sehr wünsche ich mir ein wenig Normalität im Alltag zurück: morgens aufstehen, zusammen frühstücken, das Kind in die Kita bringen und dann in Ruhe am Rechner sitzen. Endich mal wieder konzentriert arbeiten, ohne nebenbei die fünfte Folge "Peppa Wutz" auf dem iPad anmachen zu müssen. Endlich mal wieder was schaffen. Vielleicht sogar endlich mal wieder ein wenig Me-Time. In elf Tagen könnte das tatsächlich möglich sein!

Doch trotz dieser verlockenden Vorstellung steht die Entscheidung meines Mannes und mir fest: Unser Sohn wird noch nicht wieder in die Kita gehen. 

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Der Grund dafür ist relativ simpel: Wir wechseln im August ohnehin die Kita, wenn unser Sohn in den Elementarbereich kommt. Ich könnte ihn also maximal ein paar Male in die alte Kita geben, ehe ich ihn dann aus dem gerade wieder gewohnten Umfeld herausreißen müsste. Doch auch ohne den Kitawechsel würde ich noch warten, ehe ich ihn wieder dorthin bringen würde. Die Gruppen sind gerade nicht so aufgeteilt wie vor der Schließung, unser Sohn würde vermutlich in eine Gruppe ohne seine Bezugsperson und besten Freunde kommen. Und Ende Juni stehen dann auch schon die Sommerferien und die Schließzeit der Kita bevor ... Dieses ganze Hin und Her würde ich ihm auf jeden Fall ersparen wollen. 

Hinzu kommt, dass mein Sohn seit seiner Eingewöhnung mit eineinhalb Jahren nie zu den Kindern gehört hat, die gerne in die Kita gehen. Oft gab es Tränen oder herzzerreißende Umarmungen zum Abschied. Als mein Mann und ich uns kürzlich über den Kindergarten unterhielten, sagte er: "Ich will nicht in die Kita – lieber mit euch im Garten spielen."

Coronazeit = Kuschelzeit

Ich kann es ihm nicht verdenken: Seit Ausbruch des Coronavirus hat er immer Mama oder Papa an seiner Seite. Und – zumindest meistens – unsere volle Aufmerksamkeit. Wir machen Ausflüge, wir essen Eis und grillen im Garten, treffen – seit es wieder erlaubt ist – seine Kita-Freunde auf dem Spielplatz oder Oma und Opa zum Kuchenessen. Insgesamt verbringen wir einfach sehr, sehr viel Zeit miteinander.

Auch, wenn die Zeit gerade unglaublich anstrengend ist (zumindest für uns Erwachsene), ist sie irgendwie auch unglaublich schön (für den Kleinen offensichtlich ganz besonders). 

In der Kita war er zuletzt in einer Gruppe mit insgesamt 18 Krippenkindern und vier Erziehern (von denen aber so gut wie nie alle anwesend sind). Aufmerksamkeit muss man sich hier hart erkämpfen, fürs Kuscheln bleibt wenig Raum und Zeit. Seine Freunde kann er auch auf dem Spieli oder bei uns im Garten treffen. Kein Wunder also, dass er die Kita gerade nicht vermisst ...

Trotz alledem hoffe ich, dass die Eingewöhnung in der neuen Kita im August wie geplant stattfinden kann. Denn ich bin nicht per se eine Kita-Gegnerin. Ganz im Gegenteil: Ich glaube, dass die Kinder dort viele Dinge lernen und erleben, die wir als Eltern nicht bieten können. Das Kuscheln behalten wir natürlich trotzdem bei – von mir aus auch gerne den ganzen Nachmittag und Abend lang. 

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Unsere Autorin

Jana Kalla

Jana Kalla ist freie Autorin bei Leben & erziehen. Vorher war sie viele Jahre lang hauptsächlich im Beauty-Kosmos unterwegs.

Seit sie einen eigenen kleinen Sohn hat, ist ihr Leben nicht nur um einiges turbulenter geworden, es hat auch dazu geführt, dass sie ihr Themenspektrum erweitert hat. Und was könnte es Schöneres geben, als über Windeln und Wimperntusche zu schreiben?

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