Schutz der Kleinsten

Verstörende Youtube-Videos: "Mama, Peppa Wutz ist tot!"

Mal eben Peppa Wutz oder Eiskönigin Elsa anknipsen? Auf Youtube sollten Eltern jetzt ganz besonders aufpassen, welches Video sie ihren Kindern zeigen. Denn zwischen den vielen harmlosen Angeboten verstecken sich auch oft obszöne Fake-Inhalte.

Beliebt bei den ganz Kleinen: Doch was, wenn Peppa Wutz auf Youtube plötzlich vom Bus überfahren wird?
© Foto: Getty Images/Rob Stothard/Freier Fotograf
Beliebt bei den ganz Kleinen: Doch was, wenn Peppa Wutz auf Youtube plötzlich vom Bus überfahren wird?

Es ist nichts Ungewöhnliches: Erst neulich habe ich im Restaurant wieder einen Papa gesehen, der seinem Kind ganz selbstverständlich ein Youtube-Video gezeigt hat. Auf dem Handy. Aber auch zu Hause dürfen Kids in vielen Familien ab und an ein kleines Video ihrer Lieblings-Kinderhelden gucken. Ob Spiderman, Peppa Wutz oder Eiskönigin Elsa: Ältere Kinder klicken sich vielleicht sogar selbst durch die Inhalte – was das Problem noch komplizierter gestaltet. Denn was am Anfang wie ein ganz normales Video aussieht, kann sich erst beim Anschauen als verstörender, gewaltverherrlichender oder gar perverser Inhalt entpuppen. Verängstigend – für Groß und Klein!

Das gefährliche Übel trägt einen Namen: ELSA-GATE

Das Problem hat sich in den letzten Jahren weiter verschlimmert. Mittlerweile gibt es zahlreiche böse Angebote, die mit Kinderfiguren die Aufmerksamkeit der Kleinsten erhalten. Der Skandal erhielt sogar einen Namen: vom "Elsa-Gate" ist die Rede. Die hübsche Disney-Prinzessin musste hier unfreiwillig ihren Kopf hinhalten und ihren Namen (nicht lizenziert) hergeben. Und ihr Gesicht: Denn in einigen Videos ist dieses fürchterlich gruselig entstellt. Andere Serien-Stars wie Benjamin Blümchen oder Peppa Wutz tun einander schlimme Dinge an, trinken tödliche Chemikalien oder werden plötzlich vom Bus überfahren. Schreckensmoment inklusive.

Fake-Inhalte sind als normale Kinder-Angebote getarnt

Tief graben? Das ist gar nicht nötig. Deshalb ist das Ganze auch so gefährlich. Man kann sich nie sicher sein, ob es sich WIRKLICH um ein "normales" Kinder-Video handelt. Die Krux: Die Produzenten dieser Fake-Inhalte taggen diese mit Schlagworten, die Kids und Eltern tatsächlich eingeben, wenn sie auf der Suche nach einem netten Video sind. Auch Titel und Vorschaubilder sind so gewählt, dass der Algorithmus von Youtube sie genehmigt.

Unglaublich: Was wollen die Macher solcher Videos damit bezwecken?

Was zur Hölle bewegt einen Menschen dazu, Kinderfiguren in Videos solch schlimme Dinge tun zu lassen? Na klar: die liebe Kohle. Denn ab einer gewissen Klickzahl kommt es dazu, dass Youtube Werbung schaltet. Da heißt es dann: ohne Skrupel auf Zuschauer-Fang gehen. Wenn ein Video millionenfach angeschaut wird, ergibt sich für die Macher ein vermeintlich lukratives Geschäftsmodell. Geht man mal davon aus, dass jeder Klick ein oder zwei Euro gibt (oder auch nur ein paar Cents), muss man kein Ass in Mathematik sein, um zu wissen, dass sich das schnell läppert. Vor allem bei Klicks in den Tausender- oder sogar Millionen-Bereichen. Da braucht es nur ein paar solcher Videos und BOOM, man hat erstmal Ruhe.

Verstörende Youtube-Videos: Wie kann ich mein Kind schützen?

  • Nicht ohne Begleitung: Jüngere Kinder lieber Youtube nicht unbegleitet nutzen lassen. Und generell sollten sie auch nicht ohne Aufsicht im Internet surfen.
  • Andere Quellen nutzen: Auch etwa auf Netflix gibt es die meisten beliebten Kinderserien zu finden. Oder lasst eure Kleinen Peppa Wutz und Co. lieber gleich nur auf DVD schauen. Auch wenn das etwas oldschool ist. Sicherer ist es allemal. Zusätzliches Plus: Es gibt keine störende Werbung.
  • In der Nähe bleiben und schnell reagieren: Soll es doch Youtube sein? Dann achtet darauf, dass ihr nicht zu weit weg seid, wenn eure Kleinen ein Video schauen. Dann könnt ihr fix einschreiten, wenn ein Video komisch wirkt.
  • Einstellungen ändern: "Darf ich noch weiterschauen, Mama und Papa?" Ihr könnt in den Einstellungen festlegen, dass am Ende eines Videos automatisch der nächste (von Youtube ausgewählte) Inhalt abgespielt wird. Denn man weiß nie, welches Video als nächstes kommt.
  • Kids-Account einrichten: Es gibt die Möglichkeit, einen kostenlosen "Youtube Kids"-Account einzurichten, über den man spezielle Jugendschutzeinstellungen vornehmen kann. Es lassen sich dann auch Listen mit genehmigten Inhalten zusammenstellen. Aber VORSICHT: Trotz strenger Filter bzw. Algorithmen landen dort manchmal Videos mit verstörenden Inhalten. Verlasst euch also nicht komplett darauf und checkt lieber nochmal, was auf der Watch-List steht.
  • Als Eltern die Qual der Wahl treffen: Besonders bei den ganz Kleinen solltet ihr als Eltern entscheiden, was geschaut wird. Aber auch etwas ältere Kids sollten nicht unbedingt alleine nach Videos suchen. Gründe gibt es ja genug, wie wir sehen …
  • Offline-Modus nutzen: Es gibt Plattformen, auf denen man sich vorher abgesegnete Inhalte herunterladen kann. Praktisch auch, wenn man gerade unterwegs ist. Am Computer, Tablet oder Handy können die Kids die Videos je nach Bedarf stoppen oder erneut abspielen.
  • Auf den Veröffentlicher des Videos achten: Wenn die Kindervideos von den offiziellen Accounts der Sender veröffentlicht wurden, kann man sie bedenkenlos anschauen. Ist der Urheber "hansheinrich124x" lieber nicht.

Alternativen suchen: Weitere Plattformen mit Kinder-Inhalten

Unser Tipp: Besonders bei Kleinkindern ergibt es durchaus Sinn, auf Youtube zu verzichten und Serien lieber auf DVD zu schauen. Oder eben auf einer kinderfreundlichen Plattform, die unter anderem sogar Zeiteinstellungen, Altersempfehlungen und Offline-Schauen (praktisch auf Reisen) möglich machen. Beliebte Beispiele dafür sind:

  • Netflix
  • Disney+
  • Kividoo
  • Amazon Prime Video
  • Mediatheken von ARD, ZDFtivi oder KiKA

Videos anschauen ist keine (ständige) Beschäftigungstherapie für Kinder

Nicht vergessen: Fernsehgucken oder Videos sind kein Babysitter-Ersatz! Bitte begleitet und überwacht als Erwachsene den Medienkonsum eurer Kinder. Und redet mit Ihnen darüber. Erklärt Ihnen, warum ihr es so handhabt. Unsere Sprösslinge haben meist mehr Verständnis für unsere Entscheidungen als wir denken. Solange wir sie einbeziehen und Kommunikation großschreiben.

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