Auch die Seele muss wachsen

Innere Wachstumsschübe Teil 3: Jugend

In der Jugend geht es zunehmend um Selbstfindung. Bindungstherapeutin und Fünffach-Mama Katharina Pommer erläutert in drei zusammenhängenden Gastbeiträgen die seelische Entwicklung in der frühen Kindheit, in der mittleren und späten Kindheit und in der Jugend.

Plötzlich legt der Nachwuchs mehr Wert aufs Aussehen – ganz normal.
© Foto: Getty Images
Plötzlich legt der Nachwuchs mehr Wert aufs Aussehen – ganz normal.

Das seelische Wachstum in der Jugend (zwölf bis 19 Jahre)

In der Zeitspanne der Jugend geht es vor allem um Selbstfindung. Den Jugendlichen prägen drei Fragen:

  • Wie bin ich?
  • Wie möchte ich sein?
  • Für wen hält man mich?

Es ist wichtig, dass Eltern nun von der Erzieherrolle mehr und mehr Abstand nehmen und zum Mentor für den Jugendlichen werden. Denn der Einfluss der Eltern durch Erziehung nimmt immer mehr ab, der der Freunde zu. Dafür kann, sofern die Eltern diesen entscheidenden Übergang verstehen, die Rolle des elterlichen Mentors eine wertvolle für den Jugendlichen werden.

Die Optik wird nun wichtiger

Die äußere Erscheinung wird kritisch betrachtet und bereitet vielen Jugendlichen Sorgen, wie sie bei den anderen wohl ankommt. Das Selbstwertgefühl ist in dieser Phase besonders labil, was sich oft in einem starken Geltungsbedürfnis niederschlägt. Meist jedoch umso ausgeprägter, je weniger sicher das Kind aus der frühen Kindheitszeit gebunden ist.

Je größer die Diskrepanz zwischen dem Ist- und dem Soll-Zustand ist, umso größer ist die seelische Spannung. Die elterliche Kontrolle kann zu Rebellion führen, vermittelt aber gleichzeitig auch Halt und Geborgenheit.

Die Bedeutung der Freunde nimmt zu

Man hat festgestellt, dass die sogenannte autoritative Erziehung jene ist, die am geeignetsten ist. Man gibt Halt und Sicherheit, spricht jedoch über Werte und Vorstellungen, Wünsche und Strukturen. Das gemeinsame Abendessen sollte ein Ritual sein, an dem der Jugendliche gern beiwohnt. Das funktioniert, wenn das Erleben als positiv und wertgeschätzt empfunden wird. Erlebt der Jugendliche Ablehnung durch die Eltern oder zu starke Autorität, wird er sich eher abgrenzen und seinen eigenen Weg gehen. Die Bedeutung der Rolle der Eltern wird oftmals relativiert, und die der Freunde nimmt zu.

Seelische Wachstumsschübe bemerken

In der Begleitung von Kindern ist es wichtig, im Austausch miteinander zu bleiben. Auch unsere Partnerschaften geben uns ein gutes Gefühl, wenn wir qualitativ hochwertige Zeit miteinander verbringen – und hinterlassen eher negative oder unsichere Gefühle, wenn wir einander wenig Zeit, Liebe und Aufmerksamkeit schenken.

Dasselbe gilt für die Eltern-Kind-Beziehung: Wir brauchen einen guten Austausch. Wenn dieser existiert und wir das Kind auch mal fragen "Wie fühlst du dich?", erkennen wir relativ schnell, wie es unserem Kind geht, wann wir handeln müssen und wann wir es "mal machen lassen" können.

Es braucht aber auch viel Zeit und Feingefühl, diese dünne Grenze zu erforschen.

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