Abschiedsschmerz

Hilfe, erster Schultag! Mama ist nicht schulreif

Nie wieder Kindergarten – beginnt jetzt der Ernst des Lebens? Das fragt sich unsere Autorin, als ihr Sohn eingeschult wird, und erzählt von ihren eigenen Erfahrungen. Denn bereit für diesen neuen Abschnitt Schule fühlt sie sich nicht wirklich ...

Am ersten Schultag ihres Sohnes fühlt sich unsere Autorin überhaupt noch nicht schulreif ...
© Foto: Getty Images/Robert D. Barnes
Am ersten Schultag ihres Sohnes fühlt sich unsere Autorin überhaupt noch nicht schulreif ...

Mein Sohn freut sich. Vor allem auf seine Schultüte. Natürlich mit Ninjago-Bildern drauf. Ansonsten ist er auch etwas aufgeregt. Aber nicht so sehr wie ich. Sein erster Schultag soll uns gut in Erinnerung bleiben, na klar. Wird er auch. Schließlich haben wir jetzt kein KLEINES Kind mehr, sondern ein Schulkind. Und damit muss ich erst mal klarkommen.

Die Vorschule ist eine andere Kiste

Mein Sohn scheint damit kein Problem zu haben. Schließlich hat er das letzte Jahr in der Vorschule verbracht und zählt an der Schule jetzt schon zu den "alten Hasen". Für mich war die Vorschule aber noch so halb wie Kindergarten. Man hat die Kids jeden Morgen in die Klasse begleitet und sie mittags oder nachmittags dort wieder abgeholt. Wir standen im regen Austausch mit der Vorschullehrerin und wussten meistens zumindest grob, was unser Sohn tagsüber so macht. Es wurde viel gespielt, gesungen, getobt. Ob das jetzt vorbei ist?

Ernüchterung auf dem Elternabend

Eine Mutter mit größeren Kindern hat mich schon darauf vorbereitet: "Die Lehrer werden keine Zeit haben, dir jeden Tag zu erzählen, wie es deinem Kind ergangen ist." Und: "Das ist alles viel anonymer und unpersönlicher als in der Kita." Na toll. Ich gebe mein Kind also ab und kann nur darauf hoffen, dass es mir selbst erzählt, was in der Schule so los ist?! Woher weiß ich, ob es ihm wirklich gut geht? Mein Sohn verbringt jetzt also jeden Tag mehrere Stunden mit diversen Kindern und Erwachsenen, die mir alle fremd sind?!

Auf dem ersten Elternabend erfahren wir erst mal, was die Kinder jetzt alles alleine machen müssen – und das in einer Schule mit mehr als 500 Kindern: Pausen und Mittagsfreizeit verbringen sie eigenständig und können dabei zwischen mehreren Räumen wie der Holzwerkstatt, der Bücherei, dem Kunstraum, der Turnhalle oder dem Schulhof wählen. Ich frage mich: Brauchen die Kleinen wirklich so viele Angebote? Überfordert sie das nicht? Und zum Mittagessen sollen sie auch alleine gehen. Das findet in der Kantine statt. Okay. Und was, wenn meinem Sohn das Essen nicht schmeckt?

Fragen über Fragen, Zweifel über Zweifel.

Dürfen die Kinder jetzt überhaupt noch toben?

Die Kids verbringen an manchen Tagen rund acht Stunden in der Schule – in der GRUNDschule! Früher war ich immer um 12 Uhr zum Mittagessen zu Hause. Ich frage mich, ob die Kinder überhaupt noch genug rauskommen und sich bewegen. Oder von jetzt an den ganzen Tag nur noch auf ihrem Stuhl sitzen müssen. Das würde doch komplett den natürlichen Bewegungsdrang unserer – eigentlich immer noch kleinen – Kinder übergehen. Und dann müssen sie täglich diesen schweren Ranzen hin- und herschleppen. Kann doch gar nicht gut sein.

Erster Schultag: überstanden

Am ersten Schultag verbringen die Kinder nur eine knappe Stunde in ihrer Klasse, dann dürfen sie mit den Eltern nach Hause gehen. Während der Aufführung einer vierten Klasse schaue ich mir die Kinder und Eltern um mich herum etwas genauer an. Ein paar kenne ich aus der Vorschule. Die meisten nicht. Einige sind mir auf Anhieb sympathisch. Es wird viel gelächelt und auch das ein oder andere Tränchen verdrückt (von Kindern UND Eltern). Wer weiß, mein Sohn findet sicher in den nächsten Jahren ein paar neue Freunde, mit denen er spielen kann. Dann können sie nachmittags zusammen toben.

Und jetzt?

Rückblickend – mein Sohn ist jetzt in der dritten Klasse – kann ich sagen, dass sich meine Befürchtungen alles andere als bestätigt haben. In der ersten Klasse fühlte sich mein Sohn wesentlich wohler als noch in der Vorschule. Er war richtig in der Schule angekommen. Die Lehrer schreiben regelmäßig E-Mails (oder ins Mitteilungsheft) und berichten auch auf den Elternabenden von den schulischen Entwicklungen der Kinder.

Alle sind ganz harmonisch zusammengewachsen und zum Glück erzählt mein Sohn mir auch, wenn es mal Stress auf dem Schulhof gab oder mit welchem Kind er sich gestritten hat.

Ja, aus meiner Sicht dürften die Kinder tatsächlich gerne mehr draußen sein, aber die Angebote wie Holzwerkstatt und Kunstraum (die lange wegen der Pandemie geschlossen waren) sind einfach zu verlockend. Und es ist doch auch toll, wenn die Kinder zumindest in der Mittagsfreizeit ihren eigenen Interessen nachgehen können, statt nur Zahlen und Buchstaben zu pauken.

Das Essen schmeckt den meisten Kindern, und es gibt sogar zwei Gerichte zur Auswahl. Mein Sohn ist zwar jetzt schon länger ein Schulkind, aber dennoch kuschelt er immer wieder mit uns Eltern und schläft sogar noch manchmal bei uns im Bett. So groß ist der Kleine also doch noch nicht. Und das darf auch gerne noch eine Weile so bleiben.

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