Keine Langeweile im Winter

"Was machen wir heute?" – 3 coole Ideen für kalte Wintertage

"Mama! Papa! Was machen wir heute?" – Gibt es eine Frage, die Eltern häufiger hören? Birk Grüling liefert 100 kreative Antworten: für jede Jahreszeit, alle Altersklassen, viele kostenlos oder für Mini-Budget. Drei coole Aktivitäten für den Winter mit euren Kids verraten wir hier.

© iStock / RyanJLane
Langeweile an grauen Wintertagen? Hier kommen Ideen, was ihr dann unternehmen könnt!

Maßlosigkeitstag

  • Alter: ab 4 Jahre
  • Wo: zu Hause
  • Kosten: ein Besuch im Supermarkt

Könnt ihr euch noch an kinderlose Wochenenden erinnern? An diese Tage ohne richtige Hose mit Unmengen von Fast Food und Süßigkeiten und Fernsehexzessen? Mit den Kindern schwanden bei vielen von uns diese wunderbaren Momente der Maßlosigkeit. Nun verbringt man seine freien Tage auf Kinderspielplätzen, am Rande von Sportplätzen oder in Tierparks. Das ist schön und gut, aber ein bisschen vermisst man die "alten" Zeiten doch.

Das brachte uns auf die Idee eines Maßlosigkeitstags. Der beginnt am Abend vorher im Supermarkt nebenan. Hier wird alles einkauft, was lecker ist und bei den Eltern auf dem Spielplatz für Schnappatmung sorgt – Chips, Unmengen Schokolade, Pudding, Kuchen. Am Morgen des Maßlosigkeitstages gibt es zum Frühstück Schokobrötchen und Kakao, danach geht es direkt auf das Sofa für die ersten beiden Folgen der Lieblingskinderserie. Danach wird gelesen, mit Klemmbausteinen gebaut, oder es werden Hörspiele gehört. Mittags liefert der Lieblingsbringdienst Burger, Pommes, dazu eine Kinderbox mit Schoko-Ei und Spielzeug. Noch etwas Ausruhen und danach kommt das Highlight des Tages: der Filmnachmittag mit Popcorn, Chips, Schokolade und Keksen. Für Abendbrot ist der Bauch danach zu voll, die letzten Stunden des Tages verbringen wir zur Abwechslung mit Hörspielen und Spielen.

Digitaler Museumsbesuch

  • Alter: ab 6 Jahre
  • Wo: auf dem Sofa
  • Kosten: keine

Nicht jede Stadt kann mit großen Naturkundemuseen mit Dino-Skeletten oder historischen Museen mit Ritterrüstungen und Prunksälen punkten. Wem das örtliche Heimatmuseum bald zu langweilig wird, für den ist ein virtueller Rundgang bestimmt eine willkommene Alternative.

Wir haben diese Möglichkeit im ersten Corona-Lockdown für uns entdeckt. Das Neanderthal Museum in Mettmann bot damals einen digitalen Rundgang durch seine Playmobil-Ausstellung "Archäologische Weltreise". Begeistert von der Idee, vom Sofa aus durch Museen zu "gehen", brachen wir bald zu weiteren großen Reisen auf. Sehr zu empfehlen sind die virtuellen Führungen des Deutschen Museums in München. Die gibt es zu Themen wie "Raumfahrt", "Meeresforschung" oder "Technik des Alltags". Toll ist auch das Museum of the World. Auf der dazugehörigen Internetseite kann man sich durch die Epochen der Weltgeschichte und dazu passende Ausstellungsstücke des British Museums in London klicken. Entstanden ist das aufwendige Projekt in Kooperation mit Google. Der Internetkonzern bietet im Rahmen seines "Google Art & Culture"-Projektes übrigens Rundgänge durch mehr als 2.000 Museen und Galerien auf der Welt an.

Mein Favorit unter allen digitalen Museumsbesuchen ist das National Museum of Natural History in Washington. Die virtuellen Rundgänge sind zwar auf Englisch, deshalb müsst ihr für eure Kinder simultan übersetzen. Als Entschädigung für den Aufwand gibt es aber viele wirklich beeindruckende Dinosaurier zu bestaunen.

Stop-Motion-Clips drehen

(Gastbeitrag von Silke Schröckert)

  • Alter: ab 4 Jahre
  • Wo: zu Hause
  • Kosten: keine

"Mama, wie machen die das, dass die Figuren sich bewegen?" Mein Sohn starrt fasziniert auf den Bildschirm: Auf YouTube haben wir Stop-Motion-Clips mit Lego-Figuren entdeckt. "Die machen ganz viele Fotos und verändern bei jedem neuen Bild eine Kleinigkeit", starte ich meinen Erklärungsversuch, "zum Beispiel bewegen sie den Arm immer weiter ein Stück nach oben. Und dann spielen sie die Fotos schnell hintereinander ab, und es sieht aus, als würde der Arm sich tatsächlich bewegen." Im Kopf meines Sohnes arbeitet es. "Aber Mama, das ist ja mega-einfach!", strahlt er schließlich. "Dann kann man so was selbst machen!" Noch bevor ich dem "mega-einfach" widersprechen kann, flitzt mein Sohn in sein Zimmer. Der Protagonist seiner ersten Story ist schnell ausgewählt: ein Lego-Männchen in einem selbst gebauten Auto. Mit dem ausrangierten Tablet, das er sonst zum Hörspielhören nutzt, legt er los: Auto auf Startposition – erstes Foto. Das Auto fährt ein Stück vorwärts – zweites Foto. Das Auto fährt weiter – drittes Foto. Nach zwölf Fotos ist die Neugier auf das Ergebnis gewaltig: "Mama, kannst du da jetzt einen Film draus machen?" Äh, nein, das kann ich nicht. Ist aber auch nicht nötig, denn allein durch das Wischen in der Fotoansicht erreichen wir den gewünschten Effekt: Das kleine Auto ruckelt (recht sprunghaft, aber immerhin) von der linken in die rechte Bildhälfte, wenn wir mit dem Finger die Vorschauzeile am unteren Bildschirmrand verschieben. Schon klar, dramaturgisch und inszenatorisch sind da noch Tonnen an Luft nach oben. Und trotzdem: Das schnelle Erfolgserlebnis begeistert nicht nur den kleinen Lego-Fan, sondern auch mich.

In den nächsten Tagen verwandelt sich sein Kinderzimmer in ein Filmstudio. Schnell erkennen wir, dass die Kamera einen festen Standort braucht. Wie gut, dass man so etwas aus Lego selbst bauen kann: Mit großen, bunten Steinen kreiert mein Sohn ein Stativ. Auch für das Setting kommen uns neue Ideen: Pappkartons als Häuser, Daunende- cken als Schneelandschaft, blaue Luftballonfolie als Meer – die Hinter- gründe variieren und werden von Filmchen zu Filmchen ausgefeilter. Zwischenzeitlich hilft sogar die kleine Schwester: Aus Duplo-Steinen baut sie "Hochhäuser".

Zu Weihnachten gab es ein Buch mit Tipps von professionellen Lego-Filmemachern. Nun wissen wir zum Beispiel, dass man mit einer Taschenlampe durch durchsichtige blaue Legosteine leuchten muss, um eine gruselige Szene "bei Nacht" richtig zu beleuchten. Oder dass man die Flammen eines Lego-Feuers bei jedem Foto ein wenig drehen muss, damit sie im Film auch schön flackern. Die technische Umsetzung ist so einfach, dass unser Sohn oft allein weitertüftelt – und uns mit neuen Filmen überrascht. Manchmal feiern Stofftiere und andere Spielsachen aus seinem Zimmer kleine Gastauftritte. Denn auch, wenn es sich in diesem Text viel um die Bausteine der Marke Lego dreht: Die Idee, aus Spielsachen Stop-Motion-Videos zu drehen, funktioniert natürlich mit fast allem. Die kleine Schwester zum Beispiel bereitet gerade ihr eigenes Filmprojekt vor. Und wenn ich den Kulissenaufbau richtig deute, wird das ein aufregendes Crossover von Schleich-Figuren, einem großen Plüsch-Panda und den Hunden der Paw Patrol. Mann, was bin ich gespannt auf die Filmpremiere. 

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