Tipps für müde Eltern

Horizontal Parenting: Spielen und Ausruhen in einem

Viele Eltern sind müde. Ich auch. Von zu wenig Schlaf, zu wenig Sonne, zu viel "Mama"-Gerufe. Und dabei hopst die ganze Zeit mindestens ein Knirps um mich herum, will Aufmerksamkeit, will spielen, will fast immer irgendetwas von mir. Kommt dir bekannt vor? Dann probier's doch mal mit "Horizontal Parenting".

Ich habe eine Lösung gefunden, um im Alltagstrubel eine Pause einzulegen. Zumindest körperlich, zumindest für einen Moment. Das Zauberwort heißt "Horizontal Parenting" und bedeutet so viel wie "Erziehung in der Waagerechten". Praktisch heißt das, du beschäftigst dein Kind, während du selbst liegst. Klingt gut, oder?

Bedeutung von Horizontal Parenting

Viele, die dem Begriff "Horizontal Parenting" zum ersten Mal begegnen, denken vermutlich "Was ist das?". Um dann schnell einen Aha-Effekt zu erleben. Denn die Idee von Horizontal Parenting ist nicht neu. Aber sie ist dennoch gut: mit den Kindern spielen und dabei gemütlich rumliegen. Je nach Alter sind verschiedene Spielideen möglich, um sich als Eltern eine kleine Auszeit zu verschaffen.

Horizontal Parenting für 1- 3-Jährige

  • Auf leisen Sohlen: Du liegst auf der Erde und dein Mini-Mensch schleicht, so leise er kann, an dir vorbei. Hörst du ein Geräusch, schnappst du dir deinen Schatz und der Punkt geht an dich. Er darf es aber anschließend natürlich noch mal versuchen. Wenn du nichts bemerkst, hat das Kind gewonnen.
  • Der Körper als Straße: Das Kind darf mit seinen Autos auf deinem Rücken herumfahren, die Beine entlang, dann bis hoch zum Kopf ... Funktioniert alternativ auch mit Tieren. Die Parkgarage beziehungsweise der Stall kann zum Beispiel unter deinem Pullover sein.
  • Holen und wegbringen: Das Kind bekommt den Auftrag, etwas zu suchen, das zum Beispiel blau und rund ist. Oder glitzert. Oder aussieht wie eine A-a-Wurst. Die Ergebnisse sind manchmal echt überraschend. Um das Spiel zu verlängern, muss der kleine Schatz das Gebrachte natürlich auch wieder wegbringen. Achtung: Das sollte vorher angekündigt werden, um schlechter Stimmung vorzubeugen.
  • Wer kann am längsten leise sein? Klappt je nach Laune und Alter mal besser, mal schlechter. Ist aber immer einen Versuch wert, um den Lärmpegel runter zu drehen.

Horizontal Parenting für 3- bis 5-Jährige

  • Das Sessel-Monster: Du machst es dir in deinem Sessel oder auf einem Sofa gemütlich. Voraussetzung ist, dass das Möbelstück frei steht, denn deine Kinder dürfen jetzt – so schnell sie können – drum herum rennen. Und du greifst – ab und zu – nach ihnen. Aber vermutlich entkommen sie dem Monster fast immer.
  • Was liegt auf meinem Po? Du liegst auf dem Teppich und schließt die Augen. Dein Kind darf einen Gegenstand seiner Wahl auf deinem Po platzieren und du musst erraten, was es ist. Finden vor allem Kinder in der "Pippi-Kacka-Phase" witzig.
  • Baby, Arzt oder Friseur spielen: Die Rollenspiel-Klassiker, wobei der Elternteil natürlich die Rolle des Säuglings oder des Patienten bzw. Kunden einnimmt. Das Baby schläft viel und möchte dabei vorgesungen bekommen, der Kranke hat sich am besten ein Bein gebrochen und muss laaange liegen. → Verlängerung des Spiels: Anschließend ein Buch zum Thema lesen.
  • Ich sehe was, was du nicht siehst – und das ist ... rot! Der Klassiker aus unserer eigenen Kindheit.

Horizontal Parenting für 5- bis 6-Jährige

  • Buchstaben oder Bilder raten: Dein Kind malt mit den Fingern eine Form auf deinen Rücken, die du erraten musst. Je nach Alter kann es auch ein Buchstabe, eine Zahl oder sogar ein Wort sein.
  • Ich packe meinen Koffer, und nehme mit: Mein Lieblingskuscheltier! Und die Buntstifte. Und eine Tüte Nachzeug ...
  • Teekesselchen: Wenn Kinder anfangen, sich für Wörter und Buchstaben zu interessieren, ist es spannend, mit ihnen zu erkunden, welche Wörter mehrere Bedeutungen haben, sogenannte Teekesselchen. Das Kind muss raten und bekommt entsprechende Hinweise: "Mein Teekesselchen ist rund. Man kann es schießen. Man kann aber auch hingehen, Aschenputtel wollte das zum Beispiel tun ..." Die Antwort: Ball.
  • Märchen neu erfinden: Ihr lest ein euch gut bekanntes Buch und du hörst kurz vor dem Ende auf. Falls dein Kind Überraschungen nicht mag, kündige das vorher an – es soll ja keine ungemütliche Stimmung aufkommen. Dann denkt ihr euch zusammen ein alternatives Ende aus. Was wäre wohl passiert, wenn die Prinzessin den Froschkönig nicht freigeküsst hätte? Hätte sie dann den Frosch geheiratet und wäre mit ihm in eine Seerose gezogen? Zugegeben: Dieses Spiel erfordert Konzentration und bringt daher nur körperliche Entspannung. Aber das tut ja manchmal auch schon ganz gut.

Was natürlich in diesen Aufzählungen nicht fehlen darf: Gemeinsam ein Hörspiel hören, ein Picknick machen, im (selbst gebauten) Zelt oder der selbst gebauten Höhle "schlafen", sich im Bällebad* eingraben lassen, den ganz Kleinen was zum Sortieren geben ... Es gibt sicher noch viele, viele Ideen mehr.

Die Definition von Horizontal Parenting

Die Idee von Horizontal Parenting ist wie bereits gesagt nicht neu. Der Begriff allerdings schon. Bei uns hat wohl die Veröffentlichung des gleichnamigen Buchs "Horizontal Parenting: How to Entertain Your Kid While Lying Down"* (übersetzt: Wie du deine Kinder bespaßt, während du liegst) auf dem deutschen Buchmarkt im Herbst 2021 dafür gesorgt, dass die waagerechte Bespielungsmethode nun einen eigenen Namen bekommen hat.

Wer den Ausdruck erfunden hat, ist allerdings unklar. Auf dem US-Portal Lifehacker.com gab es schon vor einigen Jahren einen Beitrag zu Horizontal Parenting.

Nicht mitspielen ist auch mal okay

Wer selbst für Horizontal Parenting zu müde ist: Kinder dürfen sich auch mal langweilen. Und wenn Mama oder Papa sagen, dass sie sich nun eine viertel Stunde ausruhen und so lange nicht mitspielen, klappt das oft überraschend gut. Als zeitliche Orientierung: Kinder unter einem Jahr können sich ungefähr zehn Minuten allein beschäftigen. Kinder zwischen ein und drei Jahren etwa 15 bis 30 Minuten.

Dipl. Pädagogin Margit Franz sagte im Interview mit "Leben & erziehen": "Es ist eine wichtige Kompetenz, dass Kinder mit sich selbst zufrieden sind und allein spielen können. Das Alleinspiel lernen sie, wenn ihre Eltern es ihnen ermöglichen. Sie auch einfach mal in Ruhe lassen und nicht ständig bespielen, bespaßen und beschäftigen." Andernfalls würden Kinder vor allem eines verinnerlichen: 'Der Erwachsene macht ständig was mit mir', so die Expertin für elementares Spielverhalten.

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