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Montessori-Spielzeug: Besser als "normale" Spielsachen?

Ihr habt bestimmt schon einmal von Montessori-Spielzeug gehört. Aber was genau ist damit gemeint und für welche Altersstufe eignet sich welches Spielzeug? Wir erklären es euch und geben hübsche Anregungen.

"Hilf mir, es selbst zu tun!" Dieser berühmte Satz stammt von der italienischen Reformpädagogin Maria Montessori. Und auch wenn ihr pädagogisches Konzept mehr als 100 Jahre alt ist, ist es heute aktueller denn je. Montessori war überzeugt davon, dass Kinder am besten wissen, was sie brauchen, um sich zu selbstständigen, glücklichen Individuen zu entwickeln. Wir Eltern sind dafür da, ihnen ein liebevolles, kindgerechtes Umfeld und Freiraum zu bieten, um sich auszuprobieren. Und wenn gewünscht Hilfe anzubieten. Das passende Spielzeug unterstützt Kinder dabei, sich bestmöglich zu entfalten.

Was ist Montessori-Spielzeug?

Es piepst und blinkt nicht und besteht aus natürlichen Materialien wie Holz oder Stoff anstelle von Plastik. Pädagogisch wertvolles Lernspielzeug à la Montessori überzeugt durch Einfachheit und klare Formen, ist bunt, langlebig und nachhaltig. Die Idee dahinter: Statt Kinder einfach nur zu "bedudeln" und viele Reize auszusenden, soll es ihnen die Möglichkeit geben, sich auszuprobieren und selbst etwas zu schaffen. Und somit spielerisch zu Erfolgserlebnissen verhelfen: Denn nur durch Aha-Effekte und das gute Gefühl, etwas alleine geschafft zu haben, lernen Kinder laut Montessori fürs Leben und eignen sich neue Fertigkeiten an. Aus eigener Motivation heraus – nicht, weil die Erwachsenen es vorgeben. Das Kind bestimmt in seinem Tempo, welches Spielzeug zu ihm, seinem Alter und seinen Bedürfnissen passt und sucht sich dann aktiv das Entsprechende aus. Eigenständigkeit, Selbstbestimmung und die Ansprache aller Sinne stehen im Fokus. Das Spielzeug sollte also für das Kind weitestgehend selbsterklärend sein. Durch die integrierte Fehlerkontrolle (etwa bei Steckspielen oder Puzzles) kann es sich stetig verbessern. Kindliches Lernen und Denken funktionierte für Montessori eben nur im Zusammenspiel von Greifen und Begreifen – ein Konzept, das auch die Montessori-Schulen (oder -Kindergärten) verfolgen.   

Die Montessori-Materialien

Da Montessori kein geschützter Begriff ist, gibt es nicht das Montessori-Spielzeug. Viele Hersteller haben aber Spielzeug entwickelt, das zu Montessoris Pädagogik passt – etwa Grimm’s Spiel und Holz Design oder Lovevery. Montessori selbst nannte es übrigens nicht Spielzeug, sondern Material. Der Hintergrund: Kinder interessieren sich schon für einfachste Naturmaterialien wie Gras, Sand oder Steine. Die vielen Arbeitsmaterialien, mit denen Montessori ihre pädagogischen Leitlinien in die Tat umsetzte, teilte sie in verschiedene Gruppen auf:

  1. Sinnesmaterial: spricht den Tast-, Hör,- Seh-, Geruchs- und Geschmackssinn der Kinder an und umfasst Naturmaterialien mit interessanter Haptik wie Holz, Sand oder Stoff.
  2. Mathematikmaterial: fördert Feinmotorik, räumliches Vorstellungsvermögen, logisches Denken und Zahlenverständnis.
  3. Übungen des praktischen Lebens: z. B. Falten, Schneiden, Reißverschlüsse schließen
  4. Sprachmaterial: Buchstabenformen oder Wortkarten
  5. Material zur kosmischen Erziehung: kleine naturwissenschaftliche Experimente

Welches Montessori-Material eignet sich für welches Alter?

Eigentlich sollte es laut Montessori gar keine Altersabstufungen für Kinder-Spielzeug geben: Jedes Individuum bestimmt selbst, was es entdecken und bespielen möchte. In diesem Artikel möchten wir euch aber trotzdem einige hilfreiche Tipps geben, was euren Kleinen ungefähr in welchem Alter interessieren könnten. Natürlich immer mit einer gewissen Karenz eingeplant.

Montessori-Spielzeug für Babys

Obwohl Maria Montessori vorwiegend Kinder ab drei Jahren beobachtete, eignet sich Montessori-Spielzeug schon für die Allerkleinsten. Denn die Entwicklung von Babys macht im ersten Jahr riesige Sprünge. Von Montessori inspirierte Spielideen regen auf natürliche Weise die Sinne und motorischen Fähigkeiten der Babys an und überfordern sie nicht. Etwa Mobiles* oder Kontrast-Rollen, die mit Farbkontrasten spielen und so die Farbwahrnehmung fördern. Ebenfalls beliebt: Knistertücher, Beißringe oder Rasseln mit verschiedenen Haptiken – natürlich alles aus schadstoff- und splitterfreien Materialien. 

Montessori-Spielzeug ab 1 Jahr

In diesem Alter feiern Kleinkinder erste Erfolgserlebnisse mit einfachen Holz-Puzzles*, Stapelbechern, Scheibentürmen*, Sortier- und Steckspielen, die Feinmotorik und Konzentration fördern. Wichtig auch hier: die Kinder einfach machen lassen, sie nicht trainieren oder die richtige Lösung vorwegnehmen. Gerade für kleine Kinder lassen sich viele Beschäftigungsideen auch selbst machen: Zipper-Boards mit alten Reißverschlüßen, ganze Motorik-Wände mit lauter Haushaltsdingen (s. nächster Instagram-Post) oder, ganz simpel, Wäscheklammern, die in Tupperdosen sortiert werden. 

Montessori-Spielzeug ab 2 Jahren

Kinder ab zwei Jahren sind langsam geschickter und bereit für neue Herausforderungen. Fädelspiele* helfen ihnen, hochkonzentriert an etwas zu arbeiten und ihre Feinmotorik weiter zu verbessern. Wichtig: Auch kleinere Teile sollten nach wie vor so groß sein, dass das Kind sie nicht verschlucken kann. 

Ab zwei Jahren können auch Trotz- und Wutanfälle auftreten. Da sind die Eltern froh über jedes noch so kleine Hilfsmittel. Das "Montessori-Glitzerglas" soll dann beruhigen können. Es lässt sich ganz leicht selbst herstellen: Es handelt sich nämlich einfach um einen Plastikbehälter gefüllt mit Wasser, Leim und Glitter. Wenn ein Kind mal traurig oder aufgebracht ist, kann es die Glitzerflasche schütteln und beruhigt sich. Die Flaschen dienen laut Montessori-Experten der Beruhigung von Kindern zwischen zwei und fünf Jahren. Damit lässt sich ihr zentrales Nervensystem durch diesen bestimmten Reiz (um)organisieren. Die Kids werden von der Schönheit abgelenkt – und die kann mithilfe des Glases verschiedene Formen annehmen. Das Ganze funktioniert ein wenig wie Yoga oder Meditation.

Montessori Spielzeug ab 3 Jahren

Ab diesem Alter werden das Mathematik- und Sprachmaterial wichtiger. Sie bringen die Kinder spielerisch dazu, ihr Interesse für Zahlen und Buchstaben zu erweitern und logisches Denken selbstbestimmt zu trainieren. Das gelingt mit Stufenzählstäben, Geometriebrettern*, Buchstaben* oder Lernspielzeug, das verschiedene Eigenschaften miteinander vereint. Kinder lieben es, so lange daran zu tüfteln, bis sie das Problem gelöst haben. Und wenn sie mal verzweifelen? Dann begleiten wir Eltern unsere Kinder liebevoll. Weitere Klassiker, um Feinmotorik, Hand-Augen-Koordination, logisches Denken und Geschicklichkeit zu verbessern sind der Rosa Turm* und die Braune Treppe*.

Autorin: Laura Drühe

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