Streitthema unter Eltern

Sollte man Kindern jeden Spielzeugwunsch erfüllen?

Mit den Spielzeugwünschen der Kinder werden bereits früh wichtige Weichen gestellt. Wir haben eine Expertin gefragt, was wir tun können, wenn wir bestimmte Wünsche partout nicht erfüllen wollen oder können – und wie wir Enttäuschungen vermeiden.

Als ich klein war, war es die Barbiepuppe, die ich unbedingt haben wollte. Genau so eine, wie meine Freundin sie hatte. Mein größter Wunsch. Immer wieder habe ich meine Eltern bearbeitet, immer wieder blieben sie hart. "So etwas kommt uns nicht ins Haus!" Sie blieben bei ihrer Entscheidung, eine Barbiepuppe besitze ich bis heute nicht. Meine Tochter auch nicht. Aber als sie vor der Eiskönigin-Krone im Spielzeugladen stand und so sehnsüchtig darauf starrte, wurde ich schwach. Auch wenn ich sie selbst furchtbar kitschig fand und mir eigentlich geschworen hatte, nicht noch mehr Plastikkram ins Haus zu holen: Diese Wunscherfüllung konnte ich vertreten. Im Gegensatz zu Spielzeugpistolen, bei denen ich aus Prinzip Nein sagte. Aber ist das überhaupt sinnvoll, nach eigenen Prinzipien zu entscheiden? 

Kluge, nachhaltige Konsumentscheidungen vorleben

"Eltern sollten nicht alle Wünsche der Kinder erfüllen", sagt Ingetraud Palm-Walter vom Verein spiel gut, der Eltern zu Spielzeug berät und ein Siegel für gutes Spielzeug vergibt. Zum einen sei dies rein finanziell in den meisten Familien gar nicht möglich. Und: "Eltern übernehmen in allen Bereichen die Verantwortung für ihre Kinder, also auch im Bereich Entwicklung des kindlichen Spiels und Umgang mit Konsum", so die Erzieherin. Viele Eltern machen sich nicht bewusst, dass mit den Spielzeugwünschen der Kinder schon wichtige Weichen gestellt werden. "Alle Regeln, die in der Familie für Nachhaltigkeit, Konsum, Einkauf, Zeit für Freizeit, Respekt für Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder aufgestellt sind, gelten auch für die Wunscherfüllung."

Experten-Bild

Unsere Expertin

Ingetraud Palm-Walter

ist Erzieherin und Vorstandsmitglied beim Verein spiel gut e. V.

Hilft das Spielzeug dem Kind bei der Entwicklung?

Grundsätzlich sollten sich Eltern fragen, ob das gewünschte Spielzeug gut für die Entwicklung des Kindes ist, rät Ingetraud Palm-Walter. Folgende weitere Fragen helfen bei der Entscheidung, ob der Wunsch erfüllt werden sollte oder nicht: 

  • Lässt sich das Weltbild, das durch das Spielzeug transportiert wird, mit den eigenen Grundsätzen und dem eigenen Gewissen vereinbaren? 
  • Ist der Wunsch des Kindes ein "Prestigewunsch", also, möchte das Kind das Produkt nur, weil es alle anderen haben?
  • Vertieft oder erweitert sich das kindliche Spiel durch das neue Spielzeug?
  • Fühle ich mich wohl, wenn ich dem Kind den Wunsch erfülle?

Doch was, wenn alles mit Ja beantwortet werden kann – die Wunscherfüllung aber schlicht das Budget sprengt? Wenn das Kind sich zum Beispiel ein riesiges Hochbett mit Rutsche wünscht, und das am besten in Glitzerpink? Wichtig sei es, dem Kind zu zeigen, dass man sich mit der Traumvorstellung des Kindes auseinandersetzt, rät Ingetraud Palm-Walter – selbst wenn die Farbwahl aus Elternsicht wehtut oder es von vornherein klar ist, dass es komplett unrealistisch ist: "Nicht den Wunsch einfach abtun oder sich gar darüber lustig machen. Eltern sollten ihr Kind fragen, wieso ihnen dieser Wunsch so wichtig ist."

Ein "Nein" begründen

Spüre das Kind, dass es ernst genommen wird, könne es ein Nein leichter akzeptieren, so die Spielzeugexpertin. "Kinder fühlen sich oft sogar mehr geliebt, wenn Eltern nach ausgiebiger Begründung einen Wunsch ablehnen, als wenn sie ihn unreflektiert erfüllen." Eltern sollten auch nach Alternativen schauen und überlegen, was ihr Kind gebrauchen könnte und was es auf dem Markt gibt, das sie anstatt des unerfüllten Wunsches schenken könnten. "Kinder können ja immer nur aus dem auswählen, das sie kennen, und wollen oft etwas, was durch Werbung zufällig ihre Aufmerksamkeit erregt hat", so die Expertin. Wenn dann aber das Kind die Großeltern "bearbeitet", weil es unbedingt die Barbiepuppe haben möchte, die die Eltern ihm verweigern? Oder sich den Superhelden aus Plastik von einem Kindergartenfreund schenken lässt? So hart es für uns Eltern sein mag: Wenn der martialische Superman-Albtraum im Kinderzimmer einzieht, müssen wir es respektieren. "Das Geschenk ist schließlich Eigentum des Kindes und kann ihm nicht einfach weggenommen werden", stellt Ingetraud Palm-Walter klar. Um so einen Gewissenskonflikt zu vermeiden, ist es ratsam, vorher mit den Großeltern oder den Eltern der Kindergartenfreunde zu sprechen. 

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