Mama-REPORTERIN Silke berichtet

PlayStation 5 im Test: eine Konsole für die ganze Familie?

Papa zockt mit Leidenschaft. Mama, wenn sie ehrlich ist, auch. (Würde sie auf Elternabenden nur nie zugeben.) In der Familie unserer Mama-REPORTERIN Silke gehörten Videospiele also schon immer zum Alltag – bislang allerdings nur für die Eltern. Nun kommt der Sohn in ein Alter, in dem auch er sich für Games interessiert. Aber kann eine Konsole die Ansprüche aller Familienmitglieder erfüllen? Das hat Silke mit ihrer Familie für uns getestet

Es ist eine harte Zeit für unseren Grundschüler: Zu jung für eine eigene Konsole, aber längst zu alt um die Finger vom Controller zu lassen. "Mamaaa, darf ich zocken?", tönt es in den letzten Wochen immer wieder aus seinem Zimmer. "Zocken", das hieß bislang: Auf dem ausrangierten Tablet meiner Schwiegermutter darf er kostenlose Apps spielen. Wirklich glücklich ist damit niemand: Wir Eltern nicht, weil uns die eingeblendete Werbung stört. (Und weil wir wissen, dass die gratis Spiele Schrott sind). Unser Sohn nicht, weil er nach zwei kostenlosen Leveln als Dino-Forscher, Baggerfahrer oder Astronaut ohnehin nicht weiterkommt – denn dann werden die Spiele kostenpflichtig. Und weil seine Eltern ein wenig Ahnung von Games haben, wollen sie diese Abzocke nicht finanziell unterstützen.

Test der PlayStation 5: pädagogisch wertvoll

Unser Sohn wächst in einem Haushalt mit vielen digitalen Medien auf. Umso wichtiger ist es, dass er den Umgang mit diesen lernt – und das richtige Maß. Oder wie mein Mann es formuliert: "Nicht immer nur Verbote aufstellen. Sondern einen Rahmen vorgeben, in dem er sich frei bewegen darf. Und in dem er lernen kann."

Medienkompetenz vermitteln – so früh wie möglich

Genau das also, was Erziehungsexperten auch im analogen Umfeld raten: eine "Ja-Umgebung" schaffen. Wenn das Kind nicht mit Papas Handy spielen darf, räumen wir das im realen Leben ja auch zur Seite. Und wenn es nicht auf dubiose Werbebanner in Spiele-Apps klicken soll, ist es unsere Aufgabe als Eltern, diese außer Reichweite zu schaffen. Unsere aktuelle Tablet-Lösung ist also das genaue Gegenteil von dem, was richtig und uns als Eltern wichtig ist. Also löschen wir die Gratis-Apps auf dem Tablet und fällen eine Entscheidung: Unser Sohn wechselt zu uns zur PlayStation.

"Familienmanagerin" – Jetzt auch an der Playstation

Ich bin die Familienmanagerin unserer Konsole. Das ist kein Titel, den ich mir ausgedacht habe (obwohl ich ihn sehr passend finde). Er stammt von PlayStation selbst: "Familienmanager" können auf der PlayStation 5 verschiedene Konten für Kinder in ihrem Haushalt anlegen. In diese kann sich das Kind dann einloggen und die Konsole selbstständig nutzen, hat dabei aber nur Zugriff auf die vom Familienmanager freigegebenen Inhalte.

Dafür wird nicht nur ein eigener Avatar erstellt (mein Sohn entscheidet sich für ein Profilbild von "Sackboy", dazu später mehr). Ich gebe auch sein Alter an und lege fest, welche USK-Altersfreigabe ein Spiel maximal haben darf, das in seinem Profil spielbar ist. Außerdem kann ich Inhalte gezielt blockieren und (mein Lieblings-Feature!) eine maximale Spielzeit festlegen: Nach einer von mir definierten Minutenanzahl spielt die Konsole entweder einen Hinweis aus, dass die erlaubte Zeit nun abgelaufen ist. Oder (da der Hinweis im aufregenden Spielgeschehen schonmal übersehen werden kann, natürlich vollkommen unabsichtlich, versteht sich …) man gibt an, dass das Profil nach dieser Zeit direkt automatisch ausgeloggt wird.

Ich gebe zu: Letzteres erscheint selbst mir als der mediale "Bad Cop" in dieser Elternschaft etwas hart. Wer weiß, vor welchem Endgegner mein Sohn in diesem Moment gerade steht? Also belasse ich es zunächst bei dem Hinweis und vertraue darauf, dass der Nachwuchs-Gamer in unserem Haushalt diesen ernstnimmt.

"Sackboy: A Big Adventure": unser neues Familien-Abenteuer

Doch erst einmal starten wir ohnehin alle zusammen: "Sackboy: A Big Adventure" ist ein 3D-Jump-and-Run-Abenteuer, auf das wir drei uns gemeinsam begeben können. Es spielt in der kunterbunten "Fantasiesphäre", die aus allen Gedanken und Ideen besteht, die jemals erdacht wurden. "Ja, auch aus deinen!", erklärt die Stimme aus dem Off. "Cooool!", findet unser Sohn. Noch cooler finde ich, dass wir drei nicht nur zeitgleich spielen, sondern uns auch gegenseitig helfen können (und teilweise müssen). "Wirf mich da hoch, Mama!", ruft unser Sohn schon nach wenigen Minuten. Und ich werfe mit meinem kleinen Sackboy seinen Sackboy auf die Anhöhe, auf der eine der "Träumerkugeln" versteckt ist. Die müssen wir einsammeln, um die Welt von Sackboy und seinen Freunden vor der bösen Energie der Alpträume zu schützen – eine simple aber liebevolle Storyline mit viel Raum für kunterbunte, quietschlustige und musikalische (lizenzierte Musik wie "Uptown Funk" von Bruno Mars und "Move your feet" von Junior Senior inklusive!) Level voller Fantasiewesen.

Meine Sorge, dass unser Sohn die 3D-Steuerung mit dem Controller erst mühsam erlernen muss, ist unbegründet. Ich denke an die digitale Mathestunde neulich, bei der ER mir genervt erklären musste, mit welchem Shortcut ich das Mikro anstelle. Auch in der Fantasiesphäre findet er sich schneller zurecht als ich. "Du musst Quadrat gedrückt halten, Mama! Und dann ziehen!", tönt es hektisch auf der Couch neben mir. Ich halte Quadrat gedrückt und ziehe, und mein Mann lacht. Zum einen, weil er gerade entdeckt hat, dass er mit seinem Sackboy meinen Sackboy umhauen kann (und das wird er künftig immer wieder tun). Zum anderen, weil ihn die kindliche Aufgeregtheit unseres Sohnes einfach freut – genau wie mich.

Ich gebe zu: Das Spielen zu dritt macht so viel Spaß, dass es uns Eltern schwerfällt, unser selbstgesetztes Zeitlimit einzuhalten. Aber da wir mit gutem Beispiel vorangehen wollen (und unser Sohn ja auch künftig auf das Limit hören soll, das die Konsole ihm ansagt) reißen wir uns zusammen und verlassen die Fantasiesphäre. "Morgen spielen wir weiter", verspricht mein Mann. "Auf jeden Fall", antworten mein Sohn und ich gleichzeitig.

Gemeinsames Zocken als neues Familienritual

Die Idee, unserem Sohn eine sichere virtuelle Spielumgebung zu bieten, hat dank Sackboys 3D-Abenteuer einen wunderbaren Nebeneffekt: Anstatt dass jeder von uns für sich selbst Zeit an der Konsole verbringt, tun wir das nun häufiger alle gemeinsam. Natürlich nicht täglich. Aber oft genug, um seine Neugierde zu stillen. So wissen wir nicht nur, welches Spiel unser Sohn gerade spielt, sondern erleben ihn auch live dabei – und können ihm mit gezielten Tipps helfen, sich zu verbessern. Das vermeidet Frust und verschafft Erfolgsmomente, die er beim "Zocken" im Alleingang nie hatte.

Spielt er doch mal alleine weiter, habe ich dank der Funktionen des Familienmanagers ein gutes Gefühl. An die Call-of-Duty-Spielstände meines Mannes kommt er mit seinem Profil nicht ran. Auch versehentliche finanzielle Ausgaben (wie sie bei den Werbungen auf dem Tablet schnell mal passieren) können nicht stattfinden: Ich habe das Ausgabenlimit im Familienmanager (noch) auf Null Euro festgelegt. Mir gefällt die Idee, dass ich hier in absehbarer Zeit Taschengeld oder eine kleine Zeugnis-Belohnung von Oma und Opa hinterlegen kann. Doch im Moment ist das noch nicht Thema. Denn aktuell heißt es statt "Mama, darf ich zocken?" immer "Mama, wollen wir zusammen zocken?".

Und allein damit hat die PlayStation 5 mein Mutterherz erobert.

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