15. Februar 2019

Der neue Trend

Aufräumen wie Marie Kondo

Der neue Trend
© privat

Alle Welt scheint zurzeit aufzuräumen – und anschließend in den sozialen Netzen darüber zu schreiben. Mama Nadine Luck schämt sich, bei diesem Trend nicht so recht mithalten zu können.

Es will nicht so ganz in meinen Kopf, dass eine Frau, die das Aufräumen zur Chefinnensache erklärt hat, plötzlich Millionen mit ihrem Ordnungsfimmel verdient und eine eigene Serie auf Netflix hat. Andere Frauen mit ähnlichem „Themenschwerpunkt“ verdienen als Haushaltshilfen oft nur den Mindestlohn.

Die Japanerin Marie Kondo aber sagt aller Welt an, was überflüssig ist – und die Welt applaudiert und mistet aus. Meine Timelines auf Facebook, Instagram und Twitter sind voll von Müttern, die täglich ihre Erfolge posten. Und damit sind nicht die drei Kilo weniger gemeint, die durch Low Carb oder diese 16/8-Intervallfasten-Methode runtergingen. Nein, ihre Erfolge sind tägliches Ausmisten. Sie zeigen das überflüssige Make-up, die Klamotten und unnötige Bücher, die sie endlich aus der Wohnung geschafft haben. Gefühlt eine Million Likes bekommen sie von Mit-Aufräumerinnen für jede dieser Taten und ich merke, dass Aufräumen offenbar ein neuer Volkssport geworden ist.

Andere Dinge sind wichtiger

Allerdings ist Aufräumen keine Sportart, bei der ich jemals die Nase vorn haben werde. Seit meine Kinder auf der Welt sind, bemühe ich mich zwar – sie sollen schließlich nicht in einer Schmutzbude wohnen und sich später besser zurechtfinden als ich es in meinem Chaos tue. Es ist allerdings ein ziemlicher Kampf, den ich immer wieder verliere. Denn im Zweifel setze ich andere Prioritäten. Wenn mich Leute fragen, wie ich es schaffe, so viele Texte und auch Bücher zu schreiben, obwohl ich die Kinder bereits mittags aus Schule und Kindergarten hole, dann könnte ich sie auf meinen nicht optimal geführten Haushalt verweisen. Das tue ich dann allerdings auch nicht. Wenn nämlich Besuch kommt, versuche ich panisch, alles wegzuräumen, was ich vorher nicht einmal ignoriert habe 😉

Bügeln? Vielleicht!

Aber ihr merkt es: Ich bin infiziert. Vielleicht sollte ich tatsächlich bei der 40-Tage-Instagram-Challenge mitmachen und mit der Beharrlichkeit von Jesus höchstpersönlich zwar nicht durch die Wüste marschieren, aber täglich aufräumen. Oder ich könnte die Bibel von Marie Kondo lesen. Oder zumindest ihre Serie gucken. Und dabei könnte ich ja gleich ein bisschen bügeln, was ich auch nie tue. Akkurat gefaltete Klamotten sähen in meinem dann sichtbar reduzierten Kleiderschrank bestimmt gut aus.

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