15. November 2018

So unterschiedlich sind Geschwister

Aus demselben Stall – und doch so anders

Nadines Blog
© AleksandarNakic/iStockphoto.com

Dass kein Kind wie das andere ist, wird sogar bei Geschwistern deutlich, merkt Mama Nadine Luck – und staunt immer wieder über die komplett unterschiedlichen Vorlieben ihrer Kinder.

Meine Kinder sehen sich sehr ähnlich – aber was ihre Bedürfnisse und Vorlieben betrifft, unterscheiden sie sich gewaltig voneinander. Beim Einschlafen liebt meine Tochter es, am Rücken gestreichelt zu werden, dem Sohn ist es am liebsten, wenn jemand seine Hand hält. Antonia liebte es schon immer, mit Stift und Farben zu hantieren, und fabrizierte schon mit nur zweieinhalb Jahren ihre ersten Kopffüßler. Valentin hingegen hasst es mit fast fünf Jahren immer noch, etwas zeichnen zu müssen – das formuliert er auch genau so. Dafür liebt er Bücher und würde abends, vor dem Handhalten und dem Einschlafen, am liebsten fünf am Stück vorgelesen bekommen, während die Tochter beim Lesen ziemlich schnell gelangweilt ist und lieber etwas mehr Action hätte. Er liebt Joghurt, sie Müsli; er liebt Fisch und Fleisch, sie Tomaten und Salat. Tauschen möchten sie ihre Teller also auf gar keinen Fall.

Was ist Erziehung, was Charakter?

Gravierend finde ich diese Unterschiede. Weil beide dieselbe Erziehung genießen, seit jeher dasselbe Essen aufgetischt bekommen, in den vergangenen zwei Jahren sogar gemeinsam im Kindergarten. Ich bin in Sachen Basteln als auch in Sachen Lesen ein Vorbild – ein Möchtegern-Vorbild, denn beides mache ich gern und würde ich gerne mehr mit den Kindern teilen. Ich merke aber: Es scheint keine Erziehungs-, sondern vielmehr Charaktersache zu sein, wie gerne jemand bastelt und liest und welches Lieblingsessen er hat. Verblüffend.
Und großartig: Ich finde es stark, dass meine Kinder ihre Bedürfnisse gut kennen und artikulieren können. Auch wenn es natürlich dennoch schön wäre, wenn der Sohn etwas mehr Grünzeug essen und die Tochter mehr lesen würde. Aber: So sind sie halt und das ist gut so.

Schoki für Antonia, Gummibärchen für Valentin

Ich freue mich auch darüber, wie sie mit ihrer Andersartigkeit umgehen. Wenn mein Mädchen Gummibärchen geschenkt bekommt, die sie nicht mag (sie isst lieber Schokolade), nimmt sie diese für ihren Bruder mit. Andersrum, bei Schokolade, verhält es sich genauso. „Der ist für meine Schwester“, sagt der Sohn, wenn er, der Gummibärchenliebhaber, einen Schokoriegel von der Nachbarin zugesteckt bekommt. Achtsam ist das dem Geschwisterkind gegenüber, mich rührt das sehr. Manchmal wird es allerdings auch schwierig für mich: dann, wenn der Junge unbedingt ein Brettspiel mit mir spielen will – und das Mädchen einen Rollenspielpartner sucht. Wenn er gerne fernsehen würde und sie auf den Spielplatz. Wenn sie mit mir basteln will und er mich für den Aufbau der Eisenbahn braucht. Wie lösen Eltern von drei oder mehr Kindern solche Situationen?

Jedenfalls: Ich wünsche meinen Kindern, dass sie sich das Pochen auf ihre Bedürfnisse bewahren und dass sie sich immer bewusst darüber sind, was ihnen guttut. Dass sie sich nicht verbiegen – es sei denn, um Kompromisse mit ihren Lieben einzugehen. Ich glaube, so werden und bleiben sie starke und selbstbewusste Persönlichkeiten und das würde mir alles bedeuten.

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