6. Dezember 2018

Hoher Besuch des heiligen Bischofs

Der Nikolaus war wirklich da!

Hoher Besuch des heiligen Bischofs
© privat

In den vergangenen Jahren hatte es der Nikolaus immer eilig, da steckte er bei den Lucks nur im Vorbeilaufen kleine Geschenke in die Stiefel, ohne sich blicken zu lassen. In diesem Jahr aber klopfte er persönlich an die Haustür …

Ich habe keine guten Erinnerungen an die Nikolausbesuche in meiner Kindheit. Zwei Mal, so erinnere ich mich, hat er mich persönlich besucht. Einmal im Haus meiner Eltern, einmal bei meinen Großeltern. Bei den Großeltern war der Krampus, sein Knecht, mit dabei, der immer bedrohlich mit Ketten geklirrt hatte. Vor dem hatte ich Angst. Ins Haus meiner Eltern kam der Nikolaus zwar allein, aber er hatte eine Strumpfhose im Sack, die ich zerrissen haben musste. Das hat er mir vorgehalten. Mehr weiß ich nicht mehr – aber als gut empfunden hatte ich das alles nicht.

Wie reagieren die Kinder?

Als ich vor ein paar Wochen mitbekommen hatte, dass wir gegen Spenden für einen guten Zweck einen Nikolaus buchen könnten, habe ich erstmals darüber nachgedacht, ob wir es wagen sollten. Wäre es nicht doch ein tolles Erlebnis für die Kinder, wenn der heilige Bischof zu uns nach Hause kommen würde? Oder würden sie nach seinem Besuch ähnlich traumatisiert sein wie ich es war?
Wir kennen den Herrn, der in die Bischofskluft steigen würde, ein bisschen. Ein netter Mensch ist das. Er würde doch nicht mit zerrissenen Strumpfhosen oder kettenrasselnd zu uns kommen, oder? Er würde doch als kinderlieber und gütiger Bischof daherkommen?
Wir versuchten es. Und sagten den Kindern erst mal nicht, dass der Nikolaus in diesem Jahr tatsächlich bei uns klingeln würde. Als es nun vor der Tür stand, am Vorabend zum Nikolaustag, taten auch Harry und ich ganz überrascht. Übrigens: Ich weiß, dass in vielen Gegenden Deutschlands erst am 6. Dezember der Nikolaus vor der Tür steht. Bei uns ist es nicht unüblich, dass er bereits am Vorabend kommt.

Eine beeindruckende Erscheinung

Die Kinder, die in der Hoffnung auf ein paar Süßigkeiten bereits ihre geputzten Stiefel vor der Tür platziert hatten, konnten es nicht glauben: Da kommt der Nikolaus durch die Tür? Echt? Beeindruckend war das, wie der Heilige mit Bischofsmütze, Stab und dickem Buch in unser Wohnzimmer schritt – und fast ein wenig surreal. Beide Kinder durften zusammen seinen Stab halten und dann begann er, aus dem goldenen Buch zu lesen.
Was der alles wusste! Dass Antonia viel Gesundes isst, ihre Hausaufgaben immer gut macht, aber abends nur schwer ins Bett, dafür morgens nur schwer raus zu kriegen ist. Dass Valentin neuerdings ein toller Fußballer ist, gerne singt – aber viel zu viel Süßes nascht. Weil die Kinder plötzlich alle Nikolauslieder, die sie gestern noch vor sich hingeträllert hatten, vergessen haben, spielte Antonia unserem besonderen Gast stattdessen den Flohwalzer auf ihrem Kinderkeyboard vor. Das ließ der weise Mann auch gelten. Er holte Geschenke aus seinem Sack – sogar für mich und Harry war eine Kleinigkeit dabei!

„Der war lieb!“

„Das war cool“, sagte Antonia, als der Bischof wieder gegangen war, „das war ein toller Abend – wie an meinem Geburtstag.“ In der Aufregung hatten wir ganz vergessen, dem Bischof nachzublicken: Denn nun hätten wir schon gern gewusst, ob er mit einem Rentierschlitten oder doch nur mit einem normalen Auto unterwegs war. Dass der Nikolaus echt war, das bezweifelt hier allerdings niemand. „Ich hab gesehen, dass sein Bart echt war“, sagte Antonia. „Der war lieb“, ergänzte Valentin, und spielte freudig mit seiner neuen Lego-Figur. Ein Glück, finde ich, denn ich glaube: Meine beiden Kinder werden den heiligen Nikolaus in guter Erinnerung behalten.

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