13. April 2018

Kleiner Bruder sein ist manchmal blöd

„Doof, dass Antonia bald in die Schule kommt“

Kleiner Bruder sein ist manchmal blöd
© privat

Antonia kommt im Herbst in die Schule. Sie und ihre Eltern freuen sich schon sehr auf den neuen Lebensabschnitt. Bruder Valentin aber findet das Ganze weniger gut…

Antonia ist aufgeregt, im September geht’s in die Schule. Bereits jetzt hat sie viele Termine, die mit dem Schulstart zu tun haben: die Schul-Eingangsuntersuchung etwa, die Einschreibung, den Ranzenkauf. Sogar eine Schultüte durfte sie sich schon aussuchen, denn besonders wichtig ist ihr, dass sie keine selbst gebastelte bekommt. Dabei fand ich bis jetzt, dass ich eine ganz passable Bastelmutti bin – pah! Auch wir Eltern denken, dass es Zeit wird für unsere Tochter, endlich Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen – zu neugierig ist sie schon auf all das. Einer aber findet das ganze Theater um die Schule gar nicht gut: Valentin, Antonias kleiner Bruder. „Doof, dass Antonia bald in die Schule kommt“, das sagt er derzeit nicht nur ständig zu mir, sondern praktisch zu jedem.

Schule vs. Kindergarten

Mir tut das furchtbar leid für ihn. Ich weiß zwar, dass er im Grunde schon klarkommen wird ohne Antonia im Kindergarten. Er hat dort eigene Freunde und eigene Interessen. Er und seine Schwester stecken so gut wie nie zusammen, wenn ich sie nach dem Mittagessen abhole. Was er aber meiner Meinung nach doof findet: dass alles, was sich um das Thema Schule dreht, so wichtig klingt und nur mit Antonia, nicht aber mit ihm zu tun hat. Im Kindergarten wird munter thematisiert, dass bald Vorschulausflug sei – und dass die Vorschulkinder im Juli sogar im Kindergarten übernachten dürfen. Wie aufregend! Jeden Freitag verdrücken sich die künftigen ABC-Schützen in den Keller der Einrichtung, um dort schon ein wenig Schule zu üben. Klar wird auch darüber verhandelt, wer sich in der Schule neben wen setzen wird. Und Valentin? Der bleibt da, wo er jetzt ist, auch wenn er derzeit häufig behauptet, schon zehn Jahre alt zu sein. Klar ist das doof.

Valentin wird der Kleine bleiben

Es ist natürlich noch viel mehr doof im Leben eines jüngeren Bruders. Dass Antonia ständig Verabredungen hat und er noch nicht. Dass sie im Schwimmbad keine Schwimmflügel mehr braucht und er schon. Dass sie in der Regel länger aufbleibt – ganz einfach, weil sie deutlich weniger Schlaf braucht als er. Und dass sie mit Papa zur Show der Ehrlich Brothers durfte.

Ich würde ihm den Schmerz darüber gerne abnehmen, aber ich kann es nicht ändern. Ich kann natürlich versuchen, engagierter als bisher auch Valentins Freunde zu uns einzuladen (und darauf spekulieren, dass er dann auch zu den Freunden darf, was er sich so sehnlich wünscht). Er kann, wenn Antonia ab Herbst die Schulbank drücken muss, einfach mal blau machen und wir unternehmen gemeinsam etwas. Und klar kriegt er zu Antonias Schulstart eine kleine Geschwister-Schultüte.
Dennoch ahne ich, dass vieles doof bleiben wird. Ich kann ihn nicht älter und damit privilegierter machen. Wir, er und ich, müssen wohl akzeptieren, dass diese kleinen Ungerechtigkeiten zum Leben dazugehören. Ach ja.

Eure Tipps sind gefragt!

Wie erleichtert ihr den kleinen Geschwistern den Kita-Abschied der Großen? Ich bin gespannt auf eure Ideen.

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