1. März 2018

Geschwisterzoff bei Antonia und Valentin

„Du bist doof wie eine Ente“

Geschwisterzoff bei Antonia und Valentin
© Sonja Krebs

Valentin und Antonia waren mal Geschwister wie aus dem Bilderbuch: liebevoll miteinander, hilfsbereit und aufmerksam. Das war trügerisch, merkt Nadine Luck jetzt.

„Schau mal, wie süß der Valentin ist!“ Das sagt eine über ihren kleinen Bruder, die in der Regel selbst ziemlich süß ist: Antonia, sechs Jahre jung. Leider aber sagt sie es inzwischen nur noch, wenn der 4-jährige Valentin schläft. Ansonsten findet sie ihn oft „doof wie eine Ente“, was ich zuletzt gestern Nachmittag gehört habe. „Traurig wie eine Herbstdepression“ fühle ich, Mama, mich dann. Es ist nämlich noch gar nicht so lange her, da waren meine beiden Kinder ein Vorzeige-Geschwisterpärchen in Sachen gegenseitiger Zuneigung, Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft. Viele andere Eltern haben mich darauf angesprochen, wie rührend die beiden füreinander da seien. Doch leider scheint jetzt damit Schluss zu sein.

Händchenhalten in der Kita

Ich weiß noch, wie innig die beiden vor gut einem Jahr waren, als Valentin in den Kindergarten gekommen ist. Auch für Antonia war das der Beginn einer neuen Zeitrechnung, endlich war ihr heiß geliebter Bruder in ihrer Gruppe, dem sie alles zeigte, der immer neben ihr sitzen sollte – händchenhaltend, wohlgemerkt -, den sie vermisste, wenn er mal krank war. Sie fand ihn unendlich niedlich, und wenn ihn jemand beleidigte, stellte sie sich schützend vor ihn.
Jetzt hat sie keine Lust mehr auf ihn. Sie weigert sich, mit Playmobil oder Barbie zu spielen, wenn Valentin im Raum ist, denn er könnte dann potenziell mitspielen wollen – und das geht gar nicht. Sie provoziert ihn, wo es geht. Sie hat auch schon diverse Male gedroht, dass er nicht zu ihrem Geburtstag kommen dürfe – und zu seinem ist sie gnädigerweise auch nur gegangen, weil sie das Dino-Thema so spannend fand und eine Mitgebsel-Tüte einsacken wollte. Und Valentin? Er bringt Antonias Aufbauten absichtlich zum Einstürzen, klaut ihr mit Fleiß ihre Lieblingsmädchensachen und im Kindergarten macht er sehr deutlich, dass er „nur mit Jungs, nicht mit Antonia“ spielen möchte. Während die beiden es früher etwa vor dem Fernseher super fanden, gemeinsam „irgendwie“ auf Mamas Schoß Platz zu nehmen, schubsen und drängeln sie sich jetzt gegenseitig vom Sofa, damit keiner neben dem anderen sitzt. Uff.

„Habe ich etwas falsch gemacht?“

Ich bin sehr traurig darüber. Mir lief immer das Herz über, wenn sie händchenhaltend unterwegs waren. Jetzt muss ich eher aufpassen, dass sie sich nicht irgendwohin schubsen, wo es weh tut… Ich habe oft gelesen, dass es Eltern selbst in der Hand haben, wenn Kinder später konkurrieren oder gar zu Feinden werden. Aber, hm: Was könnte ich übersehen haben? Kann ich etwas unternehmen, damit es wieder besser läuft zwischen den beiden?
Leider weiß ich es nicht. Ich achte darauf, dass die Große mehr Freiräume kriegt und der Kleine derweil gut beschäftigt ist, dass ich beide lobe und fair behandle. Dass ich sie nicht vergleiche. Das Geschwisterpaar aus dem Bilderbuch? Das sind sie dennoch derzeit nicht, keinen einzigen Tag.
Süß – das sind sie, jeder für sich, wenn der andere nicht in der Nähe ist. Oder wenn sie schlafen. Bleibt die Hoffnung, dass es wieder anders wird.

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