10. Oktober 2018

Zum Chor, ins Turnen, zu Freunden

Im Elterntaxi unterwegs

Zum Chor, ins Turnen, zu Freunden
© Nuttawut Uttamaharad/Shutterstock.com

Nadine Luck ist ein Elterntaxi: Ihre Kinder sind noch zu jung, um selbstständig unterwegs zu sein. Für die Mama bedeutet das einen Planungsaufwand wie für zwei Businessmanager.

Bis jetzt wusste ich nicht wirklich, was es heißt, Elterntaxi zu sein: Bis zu den Sommerferien brachte ich morgens beide Kinder in den Kindergarten und holte sie am frühen Nachmittag wieder ab. Dienstags hatten sie zeitgleich ihre Chorprobe, mittwochs fuhr ich Antonia außerdem zum Tanzen.
Seit ihrem Schulstart ist alles anders: Ich bringe morgens zwar beide Kinder zeitgleich aus dem Haus, muss sie aber zu unterschiedlichen Zeiten wieder abholen. Auch Chorstunde ist jetzt an verschiedenen Tagen, und Valentin will nun dringend zum Turnen, das natürlich ganz woanders, ganz wannanders ist als Antonias Tanzstunde. Außerdem ist er quasi über Nacht in ein Alter gekommen, in dem er sich ebenfalls seltbstständig verabreden will.

Fahrend den Alltag organisieren

Ich finde es einerseits toll, dass er jetzt auch so gute Freunde hat. Andererseits: Jetzt darf ich ständig irgendein Kind irgendwohin bringen. Dann darf ich Kind 1 wieder abholen, dann, etwas zeitversetzt, Kind 2. Und der Zahnarzttermin? Der will auch noch dazwischen geschoben werden. Und die Einkäufe? Uh, wann bloß? Ehrlich: Ich habe noch nie in meinem Leben mehr Organisationstalent gebraucht als derzeit. Nicht während unseres Umzugs nach Bamberg mit einem Baby, nicht in meinem früheren Job als Eventmanagerin für eine Kunstgalerie und auch nicht während unserer Rucksackreisen durch Thailand und Südafrika.

Gegenbesuche und Übernachtungen

Verbringen wir einen Nachmittag zu Hause, sind wir natürlich dran mit Einladen: Denn wenn meine Kinder anderswo sein dürfen, ist klar, dass die anderen Kinder wenig später auch bei uns aufschlagen. Weil diese komplett freien Tage zwischen Chor, Chor, Tanzen, Turnen und Besuchen tatsächlich rar gesät sind, lade ich die Kinderfreunde schon parallel zu uns ein: eine Freundin für Antonia, einen Freund für Valentin. Macht für mich eine geballte Ladung Schnitten schmieren und Streit schlichten unter „… dann bist nicht mehr mein Freund“-drohenden Kindern. Am Wochenende kommen weitere Dates dazu: Antonia will neuerdings auch bei ihren Freundinnen übernachten. Und das bedeutet? Richtig! Die Freunde wollen im Gegenzug auch bei uns schlafen.
Das Problemchen: Andere Kinder stehen teilweise viel früher auf als wir am Wochenende, sei es, weil sie einen anderen Rhythmus haben, sei es, weil sie so aufgeregt sind bei uns. Schlaf? Wird natürlich überbewertet. Wegen „fremder“ Kinder aufgeweckt zu werden, ist aber dennoch schlechter für die Nerven als wegen der eigenen.

Zeit für Mama?

Es gibt aber auch die organisatorisch wunderbaren Tage: Dann, wenn beide Kinder bei einer anderen Familie zu Gast sind. Wir haben Freunde, deren beide Kinder exakt so alt sind wie unsere, und die Kinder verstehen sich auch jeweils ausgezeichnet. Wenn Antonia und Valentin dort zum Spielen eingeladen sind, habe ich Zeit nur für mich – ein Traum. Das ist der Lohn für die Mühe an den anderen Tagen.
Aber damit mir nicht langweilig wird, hat Antonia eine neue Idee, mit der sie mich beschäftigen könnte: Sie wünscht sich für Ende des Monats zu ihrem Geburtstag eine Übernachtungsparty mit acht Kindern. Was ich dazu sage? Ich bremse sie. Denn das darf ich als Elterntaxi auch tun.

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