17. Oktober 2018

Müssen "Gegeneinladungen" sein?

Kindergeburtstag: Darf Antonia einladen, wen sie will?

© privat

Mit Einladungen zum Kindergeburtstag ist das so eine Sache: Wie viel Freunde darf das Kind einladen? Noch schwieriger: Was, wenn es jemanden nicht einladen will, obwohl die Eltern das gerne hätten? Mama Nadine Luck verhandelt mit Tochter Antonia.

Im vergangenen Jahr hatten wir zur selben Zeit ein anderes Problem: Antonia plante ihren Geburtstag und wollte quasi alle Menschen einladen, die sie im Laufe des Jahres kurz mal nett fand. Und die Erzieherinnen aus dem Kindergarten, sogar die Kinderbetreuerinnen aus dem Urlaub. Das alles konnten wir nur durch das Argument verhindern, Erwachsene würden nur nerven, wenn die Kinder auf Geburtstags-Schatzsuche sind. Da stimmte Antonia letztlich zu. Was blieb, waren zwölf weitere Gäste, gegen die ich kein einleuchtendes Argument vorbringen konnte. „Es sind zu viele“ wollte Antonia nicht gelten lassen. Weil sie an ihrem Geburtstag die Chefin sein soll und wir uns wiederum für sie freuen, wenn sie viele Gegeneinladungen bekommt, versuchten wir es mit den insgesamt 13 Kindern: Wir bekochten und bespaßten sie, Harry zauberte, wir suchten einen Schatz im Park. Es war der helle Wahnsinn und purer Stress für uns Eltern. Ich glaube, den Kindern hat es gefallen.

Zu Hause ist es am schönsten!

Hinterher schwor ich mir, in Zukunft nur noch das Rundum-Sorglos-Paket im Indoor-Spielplatz zu buchen. Die Kinder sind dann auch ohne usner Zutun bestens versorgt. Bereits ein paar Wochen später sah ich es anders: Ein bisschen seelenlos sind diese Partys im Indoor-Spielplatz ja schon, es ist definitiv schöner, wenn einen die Freunde zu Hause besuchen, wir originelle Spiele in origineller Deko spielen. Und eigentlich sind es im Leben nicht wirklich viele Motto-Kindergeburtstage, die wir Eltern den Kindern ausrichten (dürfen). Also, sei’s drum: Wir machen es wieder.

Wie viele Gegeneinladungen müssen sein?

Jetzt ist es so weit und Antonia will dieses Mal nicht so viele Freunde einladen wie im Vorjahr. Im Gegenteil: Sie will ihre Liste rigoros verkleinern. Wer jetzt denkt, wir Eltern veranstalten deswegen einen Freudentanz, irrt. Denn sind wir manchen von denen, die sie gestrichen hat, nicht eine Gegeneinladung schuldig? „Aber ich mag sie nicht mehr“, sagt Antonia auf meinen Einwand hin. Ich erwidere: „Aber auf der Party hat es dir doch so gut gefallen – wäre es nicht schade, wenn du dann auch nicht mehr eingeladen wirst?“ „Es ist mir egal“, sagt sie.
Okaaaaay, es ist ihr Geburtstag – und klar ist es gut, wenn dieses Jahr ein paar Kinder weniger kommen, die 13 vom Vorjahr waren einfach zu viel. Aber was, wenn die Eltern der nicht eingeladenen Kinder merken, dass ihr Nachwuchs dieses Mal nicht dabei ist? Wenn sie deshalb beleidigt sind? Herrje. Für die Kinder unserer besten Freunde haben wir eine andere Lösung gefunden, Antonia will auf ihrer Party nämlich nur Kinder aus ihrer Schulklasse haben. Wenn die Freunde der Familie am nächsten Tag zum Weißwurstfrühstück kommen, wäre sie einverstanden. Der Rest vom Fest? Hat Pech gehabt. Vielleicht droht uns auch gar keine gesellschaftliche Ächtung, wie ich sie befürchte – vielleicht wird alles gar nicht so schlimm.

Antonia darf bestimmen

Ein Bekannter sagte über Antonias Liste, dass ich es ja auch nicht wollen würde, wenn mein Mann zu meinem Geburtstag Menschen einlädt, die ich nicht dabeihaben mag – unabhängig davon, ob wir irgendwann mal bei denen zu Gast waren. Dasselbe muss ich Antonia zugesehen. Das stimmt wohl. Und, ganz ehrlich: Dass es dieses Mal in Summe „nur“ zehn Kinder werden und auch der Frühstückstisch am kommenden Tag noch überschaubar wird – das ist herrlich. Ich hoffe ja ein bisschen, dass ich nach der Party-Orga dann erstmal nicht vom Rundumsorglos-Paket des Indoor-Spielplatzes träume, sondern dass ich hinterher sagen kann: „Ich freu mich aufs nächste Jahr!“

Kommentar schreiben

Mit Absenden deines Kommentars erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner hier angegebenen Daten einverstanden (Datenschutzerklärung). Diese werden nur zur Verwaltung der Kommentare verwendet und keinem anderen Zweck zugefügt. Du kannst jederzeit per E-Mail an datenschutz@bayard-media.de der Speicherung deiner Daten widersprechen.

* Notwendige Angaben

Menü
nach oben
X
Cover
Leben & erziehen – das Elternmagazin. ❯ Jetzt reinblättern