15. Mai 2017

Wie sich die Lucks entschieden haben

Soll Antonia mit 5 in die Schule gehen?

Wie sich die Lucks entschieden haben
© mantinov/iStockphoto.com

Die Entscheidung, ob Antonia als sogenanntes Kann-Kind eingeschult wird, hat Familie Luck lange gequält. Jetzt aber steht fest, ob die Tochter bereits mit fünf Jahren in die Schule gehen wird.

Die meisten Schulranzen werden in Deutschland bereits im Januar gekauft. Das habe ich in der Pressemitteilung eines Schulranzenherstellers gelesen. Wir haben sogar bereits im Dezember 2016 zugeschlagen, weil Antonia dieser rosafarbene Ranzen mit den Sternen darauf furchtbar gut gefallen hat und er zudem günstig zu haben war. Jetzt allerdings steht fest: Er wird bei uns nicht nur bis September eingemottet sein, sondern noch ein Jahr länger. Wir haben nämlich entschieden, dass Antonia doch noch nicht in die Schule kommt; sie wird noch ein weiteres Jahr in den Kindergarten gehen.

Die Kann-Kind-Regel

In ihrem Fall ist es möglich, dass wir Eltern über den Schulstart entscheiden. Antonia ist sogenanntes Kann-Kind. Wer kurz nach dem Stichtag (in Bayern ist das der 30. September) geboren wurde, bis zu dem Kinder schulpflichtig sind, kann eingeschult werden, wenn die Eltern das wollen und nichts dagegen spricht. Wir waren uns eigentlich lange Zeit fast sicher, dass Antonia bereits mit fünf in die Schule kommen würde, haben uns aber kurz vor der Einschulungs-Untersuchung noch umentschieden; auf den letzten Drücker also.

Tatsächlich sind wir sogar im Januar noch davon ausgegangen, dass Antonia im Herbst eingeschult werden würde. Sie ist fit und kommt gut bei den Vorschulkursen im Kindergarten mit. Die anderen Vorschulkinder sind zwar fast alle größer als sie – aber dennoch findet sich Antonia gut in der Gruppe zurecht: Sie ordnet sich unter, wenn es nötig ist, vergisst aber nicht, ihre Bedürfnisse und Meinungen zu formulieren. Für Buchstaben und Zahlen interessiert sie sich ebenfalls. Sie hat sich selbst beigebracht, im Zahlenraum bis 10 zu rechnen und würde gerne lesen können. Wenn wir ihr vorlesen, hört sie indes oft nicht so richtig zu; da hat sie meist Besseres zu tun. Nur auf die Gute-Nacht-Geschichte legt sie großen Wert. Alles normal? Ich denke schon.

Ein Jahr mehr Freiheit für alle?

Dennoch höre ich andere Stimmen. „Gönnen Sie sich und Antonia doch noch dieses Jahr“, sagte die Kindergärtnerin. Aber: Kann es darum gehen, dass wir uns tatsächlich noch ein Jahr gönnen, in dem wir mehr Schlaf abkriegen als wir das während Antonias Schulzeit tun würden? Dass wir noch ein Jahr jenseits der Sommerferien in den Urlaub fahren können? Und ja, Antonia würde die Schule mitsamt ihrer Aufgaben wohl meistern können.
Viele aber sagen: Es wäre dennoch leichter, wenn sie noch ein Jahr älter wäre. Und genau das ist natürlich ein Argument, das für mich zählt. Viele sagen auch, in der Grundschule kämen die früh Eingeschulten gut mit; oft sei es aber im Pausenhof der weiterführenden Schule schwer, neben den früher pubertierenden Mitschülern zu bestehen. Und, um ehrlich zu sein: Antonia spielt lieber als stundenlang über einem pädagogisch wertvolleren Projekt zu brüten, vor allem, wenn sie dabei länger zuhören soll.

Auch die Kita-Freunde bleiben

Als uns das bewusst wurde, kamen wir ins Grübeln: Vielleicht ist es wirklich schöner für sie, erstmal nochmals weiterzuspielen? Und wir können sie auch zu Hause fördern, sollte sie nicht ausgelastet sein: Sie könnte zum Beispiel ein Instrument lernen, wenn sie möchte. Und wir könnten schlicht die Freiheit genießen, die dieses geschenkte Jahr mit sich bringt.
Was ich auch sehe: Privat ist Antonia zwar mit Mädchen und Jungs befreundet, die etwas älter sind als sie. Im Kindergarten aber ist sie in der Clique der Kinder, die erst im Folgejahr eingeschult wird. Wir wollten unsere Entscheidung zwar nicht davon abhängig machen, wann ihre Freunde in die Schule kommen; denn Freunde kommen und gehen in dem Alter noch häufig. Doch wenn Antonia sich eher wohler fühlt unter denen, die höchstens so alt sind wie sie, würde sie sich vielleicht auch in einer Klassengemeinschaft mit der Kindergartenclique wohler fühlen.

So sind wir zum Schluss gekommen, noch ein Jahr zu warten. Ob die Entscheidung richtig war, werden wir nie erfahren, denke ich. Fest steht aber, im Moment fühlt es sich besser an, mit dem Ernst des Lebens ein wenig zu warten, auch nach ein paar Wochen weiterer Überlegungen.

Liebe Leserinnen und Leser, haben Sie auch Kann-Kinder? Und falls ja: Wie haben Sie sich entschieden, kommt Ihr Kind bereits mit fünf in die Schule oder warten Sie noch ein Jahr?

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