25. Oktober 2018

Halloween und ich - eine späte Liebe

„Süßes oder Saures?“

Halloween und ich - eine späte Liebe
© privat

Halloween – was für ein absurder Brauch! Das dachte Nadine Luck bis vor wenigen Jahren. Jetzt ist sie der größte Fan des Kürbisfratzen-Fests und hofft, dass ihre Kinder mit Erfolg auf „Süßes oder Saures“-Tour sein werden.

Früher, kinderlos, fand ich es ziemlich dämlich, mitanzusehen, wie Halloween auch hier in Deutschland Fuß fasste. Ich kannte die Jagd der Kinder nach Süßigkeiten, verbunden mit der „Süßes oder es gibt Saures“-Drohung, bislang nur aus amerikanischen Serien. Nun sollte es plötzlich auch hier Brauch sein, dass die Kinder sich durch die Nachbarschaft betteln? Nicht mit mir, dachte ich, und hatte auch nie Süßigkeiten da für den Fall, dass an der Tür Gespenster und Geister klingeln würden. Dass das Ganze noch dazu in der Nacht vor Allerheiligen stattfindet, dem Totengedenktag, empfand ich fast als Angriff auf unsere deutschen Traditionen.
Irgendwann fand ich dann die alljährliche Kürbisdeko der Nachbarn ganz lustig, und wagte mich, inzwischen selbst Mama eines Babymädchens, ans Schnitzen. Das Ergebnis war passabel, und dass so ein leuchtender Kürbis auf der Fensterbank die finsteren End-Oktoberabende ein wenig heller macht, gefiel mir auch.

Kürbisse zeigen den Weg

Dann war es soweit: Im vergangenen Jahr forderten die Kinder, selbst auf Halloween-Tour gehen zu dürfen. Mann, war mir das anfangs peinlich: Sie würden tatsächlich in der Nachbarschaft herumziehen, klingeln, und nach Schokolade und Bonbons fragen. Aber ich hatte keine Chance, ihnen das auszureden. Gerade Antonia bestand darauf, denn „alle Kinder“ aus dem Kindergarten würden das tun, und „alle Kinder“ aus dem Fernsehen sowieso. Das Gute war: Die Kinder würden sich verkleiden, als Hexe und Vampir, gut geschminkt. Vielleicht würden die Nachbarn sie gar nicht erkennen. Außerdem gilt wohl, dass nur da geklingelt wird, wo ein Kürbis am Fenster oder vor dem Haus leuchtet. Dann sind die Hausbewohner auf Halloween eingestellt, erklärte mir meine kluge Tochter. Aha, dachte ich. Und dachte an meine Kürbisse aus den vergangenen Jahren, die kein Geheimzeichen für Süßigkeiten sein sollten.

Gruselige Geistershow

Wir machten uns also auf den Weg. Ich folgte den Kindern mit etwas Abstand, denn erledigen wollten sie ihre Deals alleine. Aus den Augen lassen wollte ich sie aber auch nicht, immerhin war es schon dunkel. Und sie kannten längst nicht alle Leute, bei denen sie klingelten. Manchmal hatten sie auf ihrem Streifzug auch Angst: Einmal gelangten sie an ein Haus, in dem eine richtige Geistershow startete, nachdem sie geklingelt hatten. Es ertönte ein monstermäßiges Geräusch, das Licht flackerte, ein gespenstischer, überlebensgroßer Schatten kam die Treppe runter. Da liefen sie weg 🙂
Meistens aber machten sie grandiose Erfahrungen und bekamen viele Gummibärchen, Schokolade, Bonbons… Valentin war so begeistert, dass er den Rest des Jahres nicht fragte, wann wieder Weihnachten sei. Er erkundigte sich nur nach Halloween. Unfreundlich war niemand, mit dem sie persönlich gesprochen hatten; ein paar Leute machten schlicht die Tür nicht auf, was die Kinder nicht schlimm fanden. Und ich? Ich staunte, dass die Leute Halloween so fest eingeplant hatten. Da hatte ich bislang hinterm Mond gelebt.

Ein Spaß für alle Kinder

In diesem Jahr werden wir bei der „Süßes oder Saures“-Tour einen Halloween-Neuling dabei haben. Die Mutter von Antonias muslimischer Freundin fragte, wie das denn funktioniere und ob wir sie mitnehmen würden. Das sei bestimmt ein großer Spaß. Ich musste ihr beipflichten. Und finde es großartig, dass wir im Jahreskalender nun ein Event haben, der nichts mit Religion zu tun hat, bei dem die Kinder unseres gesamten multikulturellen Stadtviertels gemeinsam von Tür zu Tür ziehen, Spaß haben, eine gemeinsame Tradition begründen und Erinnerungen schaffen. Dass dieser Brauch die dunkle Zeit verkürzt und die Kinder die Nachbarschaft aus einer neuen Perspektive erleben lässt – großartig. Liebe Leute: Ich bin zum Halloween-Fan geworden. Wir haben natürlich auch Süßes im Haus. Allerdings kann ich nicht dafür garantieren, dass wir auch daheim sind, wir sind ja unterwegs. Die Mama von Antonias Freundin findet, wir Erwachsene sollten uns auch verkleiden. Ich glaube, ich habe große Lust darauf. Schuhuuuuu!

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