5. April 2019

Sitzordnung in der Schulklasse

Wenn beste Freunde nicht nebeneinander sitzen

Ehrenrunde
© Petro Feketa/Fotolia.com

In der Klasse von Nadine Lucks Tochter entscheidet die Lehrerin, wer neben wem sitzt. Ob die Lucks das gut oder schlecht finden, verrät die Mutter der ABC-Schützin im heutigen Blogbeitrag.

Wir hatten uns zu Beginn des Schuljahres so gefreut: Meine Tochter kam mit ihrer besten Freundin in die Klasse. Am ersten Schultag hatten die Mädels es dann auch geschafft, in der U-förmigen Sitzordnung nebeneinander zu sitzen und zur Linken meiner Tochter saß glücklicherweise auch noch ihr bester Freund. Perfekt, so konnte das Abenteuer Schule starten.

Wer sitzt neben wem?

Bereits drei Tage später der Schock: Die Lehrerin setzte die Freunde auseinander, genau wie alle anderen Kinder. Sie ist der Meinung, dass die Kinder durch ständig wechselnde Sitzordnungen besser in der Schule ankommen würden, schneller neue, weitere Freundschaften schließen würden. Außerdem erklärte sie uns im Elternabend etwas verschmitzt: Es sei auch wesentlich leiser in der Klasse, wenn engste Freunde keine Tischnachbarn seien.
Für Antonia brach indes eine Welt zusammen. Die Schule, die etwas bedrohlich auf sie wirkte, kam ihr freundlicher vor mit ihren besten Freunden an der Seite. Nun saß sie neben einem Mädchen, das sie nur flüchtig kannte und das sie zumindest gefühlt dauernd störte, und einem Jungen, der ihr deutlich zu verstehen gab, dass er gern wieder den Freund an seiner Seite hätte, mit dem meine Tochter gezwungenermaßen den Platz tauschen musste.
Wenn Antonia aus der Schule kam, war sie traurig – gedanklich schien sie sich den ganzen Schultag hindurch nur damit zu beschäftigen, nicht neben diesen Kindern sitzen zu wollen.

Gespräch mit der Lehrerin

Auch ich war traurig und als ich die Lehrerin zufällig traf, verdrückte ich – die Glucke – sogar ein Tränchen deswegen (und übertrieb ein bisschen): „Ganz alte Geschichten“ seien verantwortlich dafür, dass meine Tochter nicht neben der neuen Tischnachbarin sein wolle. Die Lehrerin hatte ein Einsehen und setzte meine Tochter zwar nicht zurück zur besten Freundin, aber an einen Platz, an dem sie sich wohler fühlte: neben bekannten Kindern aus dem Kindergarten. Als ich das Mädchen, von dem meine Tochter wegwollte, flüchtig kennenlernte, wunderte ich mich allerdings: Sie machte einen echt netten und lustigen Eindruck auf mich. Dennoch, wenn meine Süße mit ihr nicht klarkommt, ist es halt so.

Neue Freunde

Die Kinder gewöhnten sich langsam daran, dass der Platz getauscht wurde. Irgendwann flatterte eine Geburtstagseinladung von einem Mädchen ins Haus, das ich nicht kannte. „Annette ist jetzt meine Freundin“, sagte meine Tochter, die sei jetzt ihre Platznachbarin und deshalb waren sie auch zusammen in der Pause. „Nicht die Beste, aber ich mag sie.“ Auf dem Kindergeburtstag war es toll. Wenig später gab es eine neue Einladung: von dem Mädchen, neben dem meine Tochter zu Beginn des Schuljahres gezwungenermaßen sitzen musste.
„Mama, da darf ich hin, oder?“, sagte sie strahlend. „Haben wir Zeit?“
„Ich dachte, du magst sie nicht“, sagte ich erstaunt.
„Doch, doch, wir sind jetzt Freundinnen“, sagte Antonia. „In Religion sitzen wir immer nebeneinander.“
Mal kommt sie nun nach Hause und ist euphorisch, weil sie neben tollen Freunden landet – mal ist sie genervt, weil es jemand ist, den sie nicht so mag. Die Lehrerin sagt, es sei wichtig zu lernen, dass man mit allen auskommen kann.
Ich muss ihr teilweise recht geben: Denn, dass sich ihr Freundeskreis und damit ihr Horizont gerade vergrößert, das finde ich toll. Und diese wechselnde Sitzordnung ist dabei eindeutig hilfreich. Ihre beste Freundin ist nach wie vor die, die es auch zu Jahresbeginn und auch die gesamte Kindergartenzeit hindurch war. Damit sie keinen Entzug bekommen, wenn sie sich während der Schule zu selten sehen, sorgen wir dafür, dass sich die Mädels so oft wie möglich nachmittags treffen – sofern keine andere Spielverabredung dazwischenkommt…

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