6. April 2018

90-mal hoch

Wenn der Ur-Opa Geburtstag hat…

© privat

… dann sind die Urenkel zur Stelle. Selbst, wenn es ein paar Kommunikationsprobleme gibt. Familie Luck hat den Uropa Bertl hochleben lassen – gleich 90 Mal.

Es heißt ja, man dürfe zu seinem Geburtstag einen Gast pro Lebensjahr einladen. Bei den Kindern schaffen wir es nie, diese Regel einzuhalten – ein paar mehr Gäste werden es immer. Der Uropa indes hatte nur 60 Gäste, obwohl er vergangenes Wochenende 90 hätte haben dürfen. Was mit den 30 Gästen passiert ist, die die 90 voll gemacht hätten, das wollen wir uns gar nicht ausmalen…

Urgroßeltern sind etwas Besonderes

Für mich ist es schön, dass Antonia und Valentin noch meine Großeltern kennenlernen können: meine Oma, die mit ihren Pfannkuchen für die schönsten Kindheitserinnerungen gesorgt hat. Den Opa, der mich immer auf dem Traktor mitgenommen hat. Ich merke allerdings auch, dass die Kinder sie mit anderen Augen sehen als ich: Für die sind die Urgroßeltern tatsächlich steinalt, und anfangen können sie mit ihnen auch nicht mehr so viel wie ich früher. Antonia beteuert zwar, sie möge den Uropa gern, weil er so lustig aussehe. Aber ich fürchte, das war es dann schon. Die Urgroßeltern sind schlicht zu alt für lustige Aktionen mit den Enkeln; die Uroma ist nicht mehr fit genug, um alle zu bekochen; das Hörgerät des Uropas sorgt dafür, dass er kaum mehr etwas versteht. Dazu kommt, dass die Urgroßeltern so starken niederbayerischen Dialekt reden, dass die Kinder, die überwiegend hochdeutsch und in Franken aufwachsen, einen Simultanübersetzer bräuchten.

Höflich passt immer

Beispiel gefällig? Mit einem „Grias de“ grüßte etwa der Uropa Valentin. Und weil unser Sohn gut erzogen ist, aber tatsächlich nicht richtig verstanden hat, antwortete er mit „Gut“. Das wiederum irritierte den Uropa nicht, weil, siehe oben: Er hört kaum mehr. Vermutlich war es eine Begrüßung, mit der beide zufrieden waren.
Und so sagte der Uropa auch: „Dass man Kinder hat und sieht, wie sie heranwachsen, ist das Allerwichtigste im Leben.“ Früher indes, da ist er sich sicher, hätten Bauern wie er und sein Vater vor allem Kinder gehabt, um später Entlastung auf dem Hof zu bekommen.

Erinnerungen an den Krieg

Vor seinen 60 Gästen redete Uropa dann allerdings nicht von den Kindern, Enkeln oder Urenkeln – sondern vom Zweiten Weltkrieg. Dass da jemand Deutschland regiert hat, der verkehrt war, sagte er. Und dass er hoffe, dass so jemand niemals wieder mächtig werde in Deutschland. Brandaktuell sprach er also – und dabei merkte man, dass er die Nazi-Zeit wie so viele seiner Generation wohl nicht richtig verarbeiten konnte.
Manche Gäste hatten für ihn auch schöne Reden vorbereitet. Allerdings – verstanden hat er, wie er mir später zuflüsterte, nichts davon: das Hörgerät…

Gedichte und Glückwünsche zum Aufsagen

Den 50., 60. oder 70. Geburtstag von Oma oder Opa feiern: Da sind Enkelkinder gerne mit dabei. Wie schön, wenn sie ein Gedicht aufsagen, mit einer kleinen Rede gratulieren oder eine Urkunde überreichen – HIER klicken für unsere Ideen + Urkunden zum Ausdrucken!

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