11. März 2019

Kosmetik, Klamotten, Kalorien

Wie ich als Mama zusehends verwahrlose

Kosmetik, Klamotten, Kalorien
© Softulka/Shutterstock.com

Wenn Nadine Luck früher, kinderlos, das Haus verlassen hat, sah sie wie aus dem Ei gepellt aus. Jetzt? Hat sie Kinder und keine Zeit mehr für Kosmetik, Klamotten und Kalorienzählen.

Ich baue ab. Wenn ich mich so vergleiche mit meinem früheren, kinderlosen Ich, muss ich zugeben: Damals war ich businesstauglicher. Jetzt heißt die Devise meistens: kids first – und mom second, falls sie denn überhaupt zum Zuge kommt. Allerdings möchte ich nicht weiter verwahrlosen und hoffe jetzt, da die Kinder einen Zacken älter und selbstständiger geworden sind, wieder Anschluss an den gepflegteren Teil der Bevölkerung zu finden.

Vorher verrate ich euch, was meine Baustellen sind:

    1. Ich gehe nur noch alle drei, vier Monate zum Friseur. Früher, da war es selbstverständlich für mich, dass ich mir alle sechs Wochen die Aufhübschung durch den Fachmann gegönnt habe. Ich bin immer ohne Termin zum Friseur gegangen, morgens, mittags oder abends – wann ich halt mal eben Zeit hatte. Jetzt hab ich nie „mal eben“ Zeit, nicht mal dafür, kurz beim Friseur anzurufen: Ab mittags sind die Kinder immer daheim, und vorher muss ich dringend arbeiten. Puh!
    2. Nicht nur der Friseurbesuch ist schwierig – ich schaffe es morgens nicht einmal mehr, mit frisch gewaschenen Haaren das Haus zu verlassen. Wenn ich früher ins Büro ging, sah ich immer wie aus dem Ei gepellt aus: Frisch geduscht, schön geföhnt, gut geschminkt und schick angezogen. Jetzt bin ich froh, wenn sowohl die Kinder als auch ich komplett bekleidet sind, wenn es in Schule und Kindergarten geht. Wenn meine Haare unschön aussehen, spendiere ich ihnen eine Ladung Trockenshampoo. Geduscht wird leider erst, wenn die Kinder versorgt sind. Vorher würde das nur klappen, wenn ich mitten in der Nacht aufstehen würde – und nein, das will ich nicht.
    3. Die Nägel zu lackieren, das sollte auch in Anwesenheit der Kinder gehen, dachte ich immer. Doch: Pustekuchen! Sobald ich den Lack aufgetragen habe, ruft ein Kind aus der Toilette: „Mamaaa, fertig“. Oder es hat sich gerade beim Umziehen so verheddert, dass es umfallen würde, wenn ich nicht sofort zur Stelle bin. Es ist IMMER etwas, ich schaffe es nie, den Lack aufzutragen, geschweige denn: trocknen zu lassen.
    4. Wie hab ich mich früher beim Winterschlussverkauf über die Schnäppchen gefreut, die ich erbeutet habe, etwa im Schuhgeschäft. Tolle Stiefel, tolle Ballerinas – was hab ich nicht alles abgestaubt. Wenn wir jetzt in Geschäfte gehen, finde ich immer einiges für die Kinder. Wenn es dann darum geht, in der Damenabteilung zu schauen, randalieren die Kinder aus Langeweile so dermaßen, dass wir schleunigst den Laden verlassen müssen…
    5. Die Schwangerschaftskilos sind nach wie vor nicht gänzlich weg. Ich bin zwar auf einem guten Weg, habe endlich wieder begonnen, Sport zu machen – aber wenn die Kinder ihr Leberkäsbrötchen oder die Pizza nicht schaffen, dann, ja dann…
    6. Ich gehe mit Flecken auf den Klamotten aus dem Haus. Wenn der Sohn mich mit Joghurt besprenkelt hat oder ich mich beim Kochen bekleckere, wir aber gleich losmüssen, weil die Kinder ChorKlavierFußballZumba haben – dann hilft alles nichts. Nur gut, dass die anderen Mütter wissen, warum ich so aussehe.
    7. Und dann schaffe ich es doch mal, Lippenstift und Lidschatten aufzutragen. Aber das bleibt nicht unbemerkt, die Tochter fordert: „Ich will auch!“ Oft kann ich sie dann nicht davon abhalten. Dann schminkt sie sich einen Clownsmund und Augen, als wäre sie verprügelt worden. Sie besteht darauf, genau so auf den Spielplatz zu gehen, und ich ernte finstere Blicke von anderen Eltern, die zu sagen scheinen: „Wie kannst du dein Kind nur so herumlaufen lassen?“

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