21. März 2018

Was, wenn bei uns auch Krieg ist?

Wie soll man Kindern schlimme Nachrichten erklären?

Was, wenn bei uns auch Krieg ist...
© privat

Antonia bekommt immer öfter auch schlimme Nachrichten mit – aus dem Freundeskreis, im Kindergarten, aus der Tagesschau. Wie geht Mama Nadine damit um?

„Egal was kommt, es wird gut, sowieso, Immer geht ’ne neue Tür auf, irgendwo! Auch wenn’s grad nicht so läuft, wie gewohnt. Egal, es wird gut, sowieso.“ Klar kennt Antonia Mark Forsters Optimisten-Hymne. Immerhin schaut sie „The Voice Kids“ im Fernsehen, immerhin will sie Sängerin werden – und Mark Forster sitzt da am Hebel, er ist in der Jury des Gesangswettbewerbs für Kinder und Jugendliche. Im Grunde ist sie fest davon überzeugt, dass sie in wenigen Jahren auch bei „The Voice Kids“ auftreten wird – doch manchmal hat sie Zweifel. „Was, wenn ich das nicht schaffe?“, fragt meine Tochter mich dann. „Wieso nicht?“, entgegne ich. „Du singst doch viel und gut und schön. Geh einfach weiter zum Kinderchor – das ist die beste Vorbereitung.“

„Aber was, wenn…?“

Doch eigentlich merke ich, dass wir ihr das Leben nicht mehr als Plüsch verkaufen können. Irgendwann wird unsere jetzt 6-jährige Tochter nicht mehr ans Christkind glauben, nicht mehr an den Osterhasen oder daran, dass Mama die Schönste und Papa der Stärkste ist. Antonia bekommt immer mehr auch die Schattenseiten des Lebens mit. Sie hört, dass sich ein befreundetes Ehepaar trennt, inklusive Rosenkrieg um die gemeinsame Tochter. Und fragt: „Was ist, wenn ihr euch auch trennt?“ Wir sagen, wir haben uns doch lieb und ganz und gar nicht vor, das zu tun. „Aber was, wenn doch?“

Krieg ist ein Thema

Dann, neulich, rumpelten im Nebenraum eines Cafés ein paar Stühle. Antonia zuckte zusammen. „Ist jetzt Krieg?“ Das ist auch so ein Thema. Sie kennt es aus den Nachrichten. Weiß, dass der Papa des Jungen aus dem Kindergarten neun Monate auf der Flucht war, bevor er nach Deutschland gekommen ist, um endlich seine Familie nachzuholen. „Was ist, wenn bei uns auch Krieg ist?“

Manchmal will sie über die „schlimmen Geschichten“ immer mehr wissen und gruselt sich auf eine Weise, als würde sie Märchen hören. Die Geschichte von Natascha Kampusch, dem ehemals entführten Mädchen aus Österreich, interessiert sie sehr. Ich habe sie ihr erzählt, damit sie selber nie, nie, nie zu Fremden ins Auto steigt. Antonia will das, was ich darüber weiß, immer wieder hören. Auch Deniz Yücels Freilassung hat sie mitbekommen – und verlangt jetzt, dass ich ihr jedes einzelne Bild des ehemals inhaftierten Journalisten in Freiheit zeige. Dass in Deutschland keine Journalisten eingesperrt werden, findet sie gut.

Das Leben? Leider kein Ponyhof

Ich würde Antonia so gern vor den schlimmen, angsteinflößenden Nachrichten bewahren. Sie im Glauben daran aufwachsen lassen, dass Familien immer zusammenbleiben, dass es keine Kriege und keine Willkürherrschaften gibt. Aber das wäre natürlich nicht lebenswirklich, leider.
Was ich tun kann: Meiner Tochter zu vermitteln, dass wir dazu beitragen können, dass die Welt wieder besser wird. Die Freunde während der Trennung aufzufangen; mit dafür zu sorgen, dass sich die syrische Familie aufgenommen fühlt in Deutschland. Und singen üben. Denn Antonia wird Sängerin, sowieso 🙂

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