Promi-Interview

Warum lieben Kinder Weihnachten, Christian Rach?

Sternekoch Christian Rach (54) über ein offenes Haus, stressfreie Mahlzeiten und knisternde Atmosphäre.

KiNDER: Weihnachten ist für Kinder etwas ganz Besonderes. War das auch für Sie so?
Christian Rach: Für mich waren die Wochen ab dem 1. Advent die Spitzenzeit des Jahres, da konnten nicht einmal die großen Ferien mithalten. Wir sind in der Nacht auf den 1. Weihnachtstag immer in die Mitternachtsmette gegangen und haben uns gefreut, lange aufbleiben zu dürfen. Es war toll, durch die Dunkelheit zu stapfen und leuchtende Christbäume zu sehen. Diese wundervolle Zeit versuche ich heute auch in meine Familie hineinzutransportieren.

Was macht die Weihnachtszeit für Sie und Ihre Kinder aus?
Wir bauen zu Beginn der Adventszeit ein Lebkuchenhaus, das die Kinder mit Süßigkeiten bekleben. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. An Heiligabend  gehen wir zur Kinder-Weihnachtsmette. Wenn wir nach Hause kommen, wird alles abgedunkelt und der Weihnachtsbaum angezündet. Wir lesen die Weihnachts­geschichte vor, singen und zelebrieren den ersten Teil der Bescherung. Nachdem wir gegessen haben, kommen Freunde und Verwandte dazu, und es folgt der zweite Teil der Bescherung. Überall knistert es, der Kamin und die Kerzen brennen, und es herrscht eine wunderbare, stress­freie Atmosphäre.

Was gibt es bei Ihnen zu essen? Helfen die Kinder mit?
Unsere Tradition ist, dass es beim Essen keine Tradition gibt. Jedes Jahr essen wir etwas anderes. Letztes Jahr gab es gebratene Riesengarnelen mit Salat, Kalbshaxen und als Dessert ein Basilikum-Mousse mit ein­gelegten Orangen. Normalerweise helfen die Kinder beim Kochen, aber an Weihnachten ist das mein Job. Da das Fest stress­frei sein soll, bereite ich das Essen schon am Vortag vor.
Mein Tipp für Familien: Machen Sie nichts, was Sie nicht können und betreiben Sie keinen zu großen Aufwand. Man sollte lieber den Tag und den Abend gemeinsam genießen, als sich zu überfordern. Häufig liegen die Festtags-Gerichte „schwer im Magen“. Muss man auch an Weihnachten auf die Gesundheit achten? Man sollte bei der Ernährung immer auf Gesundheit achten, aber man muss auch mal Sieben gerade sein lassen. Familien, die das ganze Jahr über bewusst essen, werden sich auch an Weihnachten nicht unangemessen den Bauch vollschlagen. Ein Weihnachtsessen muss nicht fetthaltiger sein als sonst. Eine Gans ist nur dann außen knusprig und innen zart, wenn das ganze Fett ausgelaufen ist. Das passt zu einer gesunden Ernährung.

Kochen Sie zu Hause auch noch gerne?
Auf jeden Fall. Das Wichtigste ist, dass die Familie Zeit miteinander verbringt, sei es beim Frühstück, beim Mittag- oder Abendessen. Das sind die Momente, die ein Zusammengehörigkeitsgefühl vermitteln, weil man gemeinsam lacht, sich unterhält, traurig ist, streitet und sich liebt.

Was halten Sie von Weihnachtsritualen?
Rituale sind das ganze Jahr über wichtig. Ein Leben ohne sie ist wie ein Körper ohne Skelett. Wenn wir an unsere Kindheit zurückdenken, sind es gerade Momente wie Weihnachten oder der Familienurlaub, die uns auch später noch glänzende Augen verleihen. Rituale sind in jedem Alter wichtig, um zueinanderzufinden. Gerade an Weihnachten sollte das Haus offen sein, da man das Fest am besten in Gesellschaft verbringt. Ich sage immer, es ist ein Fest der Liebe, Freude und Freunde.

Warum ist Weihnachten für Kinder so wichtig?
Natürlich spielen die Geschenke eine Rolle. Aber in erster Linie geht es um die intensive Zeit des Zusammenseins. Auch wenn es sonst manchmal Spannungen gibt, sind die Familien an Weihnachten in der Regel zusammen. Gemeinsames Singen vermittelt eine Innigkeit, die Kinder sonst vielleicht manchmal vermissen.

Häufig sind die Harmonie-Erwartungen sehr hoch ...
Das ist das größte Problem. Diese Anlässe sind hoch emotionalisiert, die Ansprüche überhöht. Man kann dieser Erwartungshaltung nicht gerecht werden. Auch Stress mit Essen oder Geschenken führt leider oft dazu, dass das „Genervtsein“ überwiegt und nicht die Freude.

Was können Eltern ihren Kindern an Weihnachten mit auf den Weg geben?
Es kommt auf die Geste an und nicht aufs wahllose Geschenke aufreißen. Das Fest der Liebe sollte man nicht nur einmal im Jahr, sondern am besten jede Woche feiern.

Für „Rach, der Restauranttester“ und „Rachs Restaurantschule“ haben Sie den Deutschen Fernsehpreis verliehen bekommen. Verändert Sie der Erfolg?
Ich hoffe nicht. Man muss gewachsene Kontakte wahren und berührbar bleiben, dann steigt einem auch der Erfolg nicht zu Kopf.

Was wollen Sie Ihren Restaurant-Gästen für die Feiertage mitgeben?
Ruhe, Entspannung und Gelassenheit. Man sollte Dinge mal so nehmen, wie sie sind, ohne zu jammern oder etwas verbessern zu wollen. Wenn wir in unseren Restaurants dazu beitragen können, Stress und Aufregung etwas zu minimieren, dann ist schon viel gewonnen.

Zur Person:

Der Sternekoch und Familienvater kommt ursprünglich aus dem Saarland, studierte zunächst Mathematik und Philosophie und kochte dann im französischen Grenoble und in Wien. Inzwischen hat Christian Rach zwei Restaurants in Hamburg: das Tafelhaus und das Grillhaus Rach & Ritchy. Seit 2005 hilft er in der Doku-Soap "Rach, der Restauranttester" (RTL) Speiselokalen aus der Misere.
Infos: www.christianrach.de

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