Promi-Papa als Synchronsprecher eines Ponys

James Marsden: "Durch meine Kinder habe ich gelernt, dass man als Eltern nie alles richtig machen kann"

"My little Pony – Eine neue Generation" läuft neu auf Netflix. Für das bunte Animationsabenteuer leiht Schauspieler James Marsden dem Pony-Sheriff Hitch seine Stimme. Mit Leben & erziehen sprach der dreifache Vater über die schöne Botschaft des Films, über die Smartphone- und Instagram-Regeln in seiner Familie und über die Wichtigkeit, Kindern Fehlern zu erlauben – und sich selbst auch.

Ein verliebtes Pony?

Leben & erziehen: Herr Marsden, herzlichen Glückwunsch, dass Sie der ersten männlichen Hauptfigur im "My little Pony"-Universum Ihre Stimme leihen dürfen! Unsere erste Frage kommt von einem unserer jungen Test-Zuschauer: Tom ist sieben Jahre alt, und er will unbedingt wissen, ob Hitch in Pip, die Prinzessin im "Ponyversum", verliebt ist. Denn, um es mit seinen Worten zu sagen: "Er verhält sich voll so, als wäre er total in sie verknallt!"

James Marsden: [lacht] Nun, ich glaube, alle sind in Prinzessin Pip verliebt. Aber im Ernst: Wir lernen zu Beginn des Films, dass die Erdponys glauben, Einhörner und Pegasi seien gefährlich. Und dann erkennt Hitch nach und nach, dass diese anderen Ponys gar nicht gefährlich sind, sondern eigentlich ganz bezaubernd. Er ist eine der Figuren, die sich im Laufe des Films am meisten verändert, weil er sein Herz öffnet. Und alles basiert auf Güte, Liebe und Freundlichkeit. Ich glaube, es ist schwer für ihn, sich nicht in Prinzessin Pip zu verlieben. Ja, Tom ist da an etwas dran. Ich denke, Hitch ist wahrscheinlich ziemlich verknallt in sie.

James Marsden: "Freundschaft macht uns stärker"

L&e: Das werden wir ihm ausrichten! Unsere jungen Testzuschauer waren sich nach dem Film außerdem in einer Sache einig: Ohne Freundschaft kann es keine Magie geben! Ist das die Botschaft, die junge Zuschauer und Zuschauerinnen mitnehmen sollten?

James Marsden: Das ist genau das, was man mitnehmen kann. Es kann manchmal ein so einfaches Thema sein. So etwas wie Freundschaft kann uns vereinen und uns stärker machen. Und manchmal hat diese Welt Angst vor den Unterschieden der anderen oder fühlt sich von ihnen bedroht. In diesem Film geht es darum, seine Individualität zu akzeptieren und zu zeigen, wie viel stärker man als Einheit sein kann. Und es geht um die Bunde der Freundschaft, der Gemeinschaft und der Liebe. Und das ist die große Erkenntnis, dass es nicht unbedingt ein magischer Kristall sein muss oder etwas, wonach man sucht. Es ist alles in einem selbst. Der Moment, in dem Sonny das plötzlich erkennt, dass es das Band der Freundschaft ist – der fühlt sich so gut an, weil man weiß, dass diese Freundschaft in uns allen steckt.

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L&e: Das ist wahr! Werden Ihre Kinder den Film sehen? Oder sind sie zu alt für das "My Little Pony"-Universum?

James Marsden: Ich denke, man ist nie zu alt für dieses Universum. Wir brauchen diese bunte, fröhliche, positive Botschaft, egal wie alt man ist. Tatsächlich habe ich den Film gestern Abend mit meiner 16-jährigen Tochter gesehen.

L&e: Haben Sie bei Ihrer Tochter noch Einfluss darauf, was sie sich anschaut? Nicht nur in Bezug auf Filme und Serien, sondern ganz grundsätzlich online? Die Bildschirmzeiten von Kindern und Jugendlichen haben in der Pandemie ja enorm zugenommen.

James Marsden: Es ist wirklich schwierig. Und ich fühle mit all den Eltern da draußen, die in den letzten anderthalb Jahren ihre Kinder von zu Hause aus unterrichten mussten. Das ist eine echte Herausforderung. Dazu kommen eine Gesellschaft und eine Kultur, in der jeder mit seinem Handy und den sozialen Medien beschäftigt ist. Das ist ein schmaler Grat. Man will seine Kinder beschützen, aber man will auch nicht, dass die Kinder die letzten sind, die irgendwo dabei sind. Das einzige Kind in der Schule, das nicht auf Instagram ist oder so.

"Die Kinder werden heute schnell erwachsen"

L&e: Wie haben Sie es mit Instagram und Co. gehandhabt?

James Marsden: Wir haben so lange gewartet, wie wir konnten, bis wir unseren Kindern ein Handy und Social-Media-Konten erlaubt haben. Die Kinder heute werden schnell erwachsen, weil sie so sehr mit dem Rest der Welt verbunden sind. Und das bringt Gutes mit sich! Aber man verliert auch ein wenig von der Unschuld und dem Zauber der Kindheit, den wir alle hatten, als wir aufwuchsen. Ich hatte jedenfalls keine elektronischen Geräte, die im Internet waren.

James Marsden: Kinder brauchen eine lange Leine

L&e: Gibt es eine Sache, die Sie aus heutiger Sicht gerne gewusst hätten, bevor Sie zum ersten Mal Vater wurden?

James Marsden: Das ist eine gute Frage. Was ich als Elternteil von drei Kindern gelernt habe, ist, dass man nie alles richtig machen kann. Alle Eltern haben das Beste für ihre Kinder im Sinn. Aber es gibt keine Gebrauchsanweisung, wie man das macht. Jedes Kind ist anders. Jedes Szenario ist anders. Ich blicke nicht zurück und denke, dass ich irgendwelche massiven Fehler gemacht habe. Aber ich habe das Gefühl, dass wir, als mein Sohn klein war – unser erstes Kind – vielleicht ein bisschen zu besorgt waren. Zum Beispiel, dass er etwas vom Boden aufhebt und es einfach isst. Ich meine, wir waren vielleicht ein bisschen zu sehr Helikopter-Eltern, weil wir einfach herausfinden wollten, wie man das macht. Das Wunderbare an Kindern ist, dass sie einem genauso viel beibringen, wie man ihnen beibringt. Man lernt sozusagen nebenbei. Ich denke, wenn ich zurückgehen und etwas anders machen könnte, würde ich ihm vielleicht eine etwas längere Leine geben, metaphorisch gesehen.

"Ich bin stolz darauf, wie wir unsere Kinder erzogen haben!"

L&e: Eltern müssen eben auch viel lernen, genau wie Kinder.

James Marsden: Und man muss Kindern erlauben, Fehler zu machen. Es ist wichtig, ihnen zu erlauben, hinzufallen und wieder aufzustehen. Das sind wichtige Lebenskompetenzen und Lernerfahrungen, die sie machen können. Das ist lebenswichtig. Man kann nicht immer ein Sicherheitsnetz unter ihnen haben. Es ist so schwer zu sehen, wie dein Kind weint oder sich eine Wunde am Knie holt, wenn es fällt oder krank wird. Wenn mein Kind krank ist, dann denke ich nur: Gib mir diese Krankheit! Ich würde sie nehmen, wenn ich könnte! Alle Eltern kennen dieses Gefühl. Aber wenn ich zurückblicke, bin ich ziemlich stolz darauf, wie wir unsere Kinder erzogen haben. Sie haben sich zu wirklich guten Menschen entwickelt. Und das macht mich sehr stolz. Aber ich denke, ich würde wahrscheinlich zu meinem ersten Kind zurückgehen und mir vielleicht nicht allzu große Sorgen machen. Ich habe mir Sorgen gemacht.

L&e: Das ist ein sehr guter Ratschlag. Vielen Dank dafür – und für das Interview.

Unser Film-Tipp

"My little Pony – eine neue Generation" läuft seit dem 24. September 2021 bei Netflix.

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Unsere Autorin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei leben-und-erziehen.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an. Erst kürzlich hat sie mit dem schon jetzt erfolgreichen Buch "101 Dinge, die in keinem Elternratgeber stehen" einen Mutmacher für alle Eltern geschrieben.

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