Gleichberechtigung bei Care-Arbeit

Keira Knightley: "Kein Freifahrtschein für Väter!"

Ende November 2021 sprach Keira Knightley darüber, dass das Elternsein eine Herausforderung sein kann. Zu diesem Zeitpunkt erkrankte ihre Familie an Covid-19. Jetzt spricht sie auch über Care-Arbeit und warum Väter mehr in die Verantwortung genommen werden sollten ...

Die Töchter von Keira Knightley und Ehemann James Righton kamen 2015 und 2019 zur Welt.
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Die Töchter von Keira Knightley und Ehemann James Righton kamen 2015 und 2019 zur Welt.

Weniger "Mom Guilt" – mehr Verantwortung für Väter

November 2022: Gegenüber dem Onlinemagazin Hello Giggles macht Keira Knightley sich dafür stark, dass Care-Arbeit endlich nicht mehr mit zweierlei Maß gemessen werden soll. Beide Elternteile sind verantwortlich für ihr Kind – wieso Väter also immer noch so viel mehr Lob erfahren, wenn sie sich um ihr Kind kümmern, kann die Schauspielerin nicht nachvollziehen. Anerkennung ist zwar toll, problematisch wird es aber, wenn das Wickeln, Spielplatz-Besuche und Co. in der gesellschaftlichen Wahrnehmung ganz selbstverständlich bei Müttern liegen. Tun Väter dasselbe, ernten sie dafür jedoch Applaus.

"Wir müssen wirklich beginnen, Männer zu fragen, was ihre Rolle in der Care-Arbeit für die Kinder und innerhalb der Familie ist und wie viel von dieser Rolle sie schon wirklich ausfüllen. Und wir müssen anfangen, diese Verantwortung von ihnen zu erwarten", so Keira Knightley gegenüber Hello Giggles. 

Männer sollten also keinen "Freifahrtschein" bekommen, wenn es um die Verantwortung geht. Mit einem Umdenken kann Müttern vielleicht auch etwas von dem schlechten Gewissen abgenommen werden, wenn sie selbst mal nicht bei ihren Kindern sein können – zum Beispiel um zu arbeiten.

Wie hat Covid euer Leben verändert?

Offensichtlich tut es das nach wie vor. Es fühlt sich an, als wäre wieder Lockdown, nur diesmal haben WIR uns angesteckt und müssen andere schützen, statt uns aus Selbstschutz zu isolieren. Natürlich gibt es einen großen Unterschied zwischen einem Lockdown und einer Quarantäne. Wenn man Covid hat, weiß man wenigstens, dass der Zeitpunkt bald kommen wird, an dem man wieder raus darf und ein mehr oder weniger normales Leben führen kann. Das ist eine Erleichterung, wohingegen es während der ersten Corona-Wellen einfach nur schrecklich war, nicht zu wissen, wann und wie es weitergeht.

Was war der letzte Glücksmoment mit euren Kindern?

Gemeinsam diese Covid-Erfahrung zu machen ist schon etwas Besonderes. Mich scheint es am härtesten getroffen zu haben. James geht es ganz gut. Er meint, ihn hat es nicht so schwer erwischt, weil er regelmäßig in kaltem Wasser schwimmt – im Gegensatz zu mir. Die Mädchen haben sich auf jeden Fall schneller als ich wieder erholt. Es ist ja bekannt, dass Kinder eine bessere biologische Widerstandskraft haben, das haben sie generell im Leben, auch mental. Insgesamt hat Covid uns jedenfalls wieder viel gemeinsame Zeit geschenkt und das genießen wir sehr.

Wir machen jetzt auch die Erfahrung, wie es ist, in einer Pandemie zu leben, wenn plötzlich ganz neue Regeln gelten. Das kannten wir doch vorher nur aus Filmen. Ich hatte gehofft, wir wären inzwischen damit durch, aber das sind wir augenscheinlich noch nicht.

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Keira Knightley mit ihren beiden Töchtern Edie und Delilah.

Was wünschst du dir für deine Kinder, wenn sie groß sind, Keira?

Gesundheit! Das ist eine Sache, die ich aus diesen Lockdowns und der Covid-Infektion mitgenommen habe: Alles andere ist egal, solange die Kinder gesund sind!

Das erste Mal in meinem Leben ist das eigene Wohlbefinden weniger wichtig als das von jemand anderem. Ich würde wirklich alles geben, um meine Kinder zu beschützen.

Sein Kind zu verlieren oder ein schwer krankes Kind zu haben ist einfach das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Wenn man wirklich liebt, versteht man, was Verlust bedeuten würde.

Gefühle und Einstellungen ändern sich grundlegend, wenn man Kinder bekommt. Mit ihnen würde man einen Teil von sich selbst verlieren, als wären sie wirklich ein Körperteil von uns. Ich bin mir sicher, das Muttersein wird in Zukunft auch weiterhin meine Arbeit beeinflussen. Einmal im Hinblick auf Aufträge, die ich in Bezug auf Familienzeit abwäge, aber auch im Hinblick auf die Art von Rollen, die ich spielen will.

Was rätst du anderen, die noch keine Kinder haben?

Man muss sich wirklich erst daran gewöhnen. Das sollte man als Prozess sehen. Vor allem am Anfang muss man sich Zeit nehmen, sich einzufinden. In den ersten Tagen, Wochen und Monaten nach einer Geburt spielt Heilung eine große Rolle – vor allem in Bezug auf den eigenen Körper. Man fühlt sich stolz, erleichtert, geheilt und dennoch lauert hinter jeder Ecke eine neue Herausforderung. Es ist sehr fordernd, und ich bin froh, dass ich das so gut hinbekommen habe.

Unser Leben hat sich durch die Kinder grundlegend verändert. Ich kann von Glück sagen, James und ein gutes Netzwerk an meiner Seite zu haben. Es ist eine absolute Veränderung – manchmal so stark, dass es erschreckend und wertvoll zugleich ist. Ich würde nicht sagen, dass es ein NEUES Leben ist, sondern vielmehr eine neue Erfahrung des Lebens. Ich glaube, dass jeder, der Kinder hat, das Leben aus einer anderen Perspektive kennenlernt.

Was haben deine Kinder definitiv von dir?

Das Verlangen danach zu entdecken. Und das ist Fluch und Segen zugleich. Da mich meine Eltern nie kontrolliert haben, habe ich mich wahnsinnig frei gefühlt. Ich wurde dazu erzogen, Unabhängigkeit wertzuschätzen und meinen eigenen Weg zu gehen. Ich erinnere mich noch daran, als ich backstage meine Hausaufgaben machte, während mein Vater eine Theaterprobe hatte. Ich fühlte mich großartig. Ich war ganz verzaubert von der Bühne und der Wichtigkeit von Kunst. Es wird zu deiner kleinen Welt und natürlich macht es mir große Freude, das weiterzugeben.

Auf der anderen Seite haben wir als Kinder nie diese digitale Anbindung durch das Internet etc. erlebt, wie unsere Kinder das heute tun. In diesem Bereich lernen wir alle gemeinsam und gleichzeitig – und müssen auch auf der Hut sein.

Was wünschst du dir für das neue Jahr 2022?

Frei und gesund zu sein und wieder arbeiten zu können. Als der erste Lockdown kam, war das für mich wie eine Befreiung von ganz viel Druck. Zum ersten Mal waren wir wirklich eine richtige Familie, statt ständig überall umherzureisen.

Ich habe sogar mal überlegt, gar nicht mehr zu arbeiten, aber dann wurde mir klar, dass das wohl nur eine Sicht durch die rosarote Brille war – ein Wunschdenken, wie das Leben sein sollte ...

Durch Covid empfinde ich Arbeit zurzeit nicht als etwas Erstrebenswertes. Aber das liegt nur daran, dass ich erschöpft und ans Haus gefesselt bin. Wir müssen alle arbeiten, kreativ, produktiv und glücklich sein – das ist etwas sehr Wertvolles, was meine Eltern mir beigebracht haben und was mich wirklich zu der Person macht, die ich sein will.

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