Alter Papa

Richard Gere: "Vatersein ist eine Reise"

Richard Gere ist keiner von der schnellen Sorte, sondern lässt sich gerne Zeit. Erst in seinen Dreißigern spielte er zum ersten Mal eine Hauptrolle. Mit 50 Jahren wurde er zum ersten Mal Vater, mit 70 zum dritten (und bisher letzten) Mal. Hier spricht er über das, was Familie für ihn bedeutet.

Der schauspielerische Durchbruch gelang Richard Gere (geboren am 31. August 1949 in Philadelphia) tatsächlich durch die oben erwähnte Hauptrolle in "Ein Mann für gewisse Stunden" ("American Gigolo", 1980). 1983 spielte er in "Atemlos" ("Breathless"), 1990 dann mit Julia Roberts in "Pretty Woman". In den Neunzigern zog er sich aus den großen Blockbustern zurück.

Was die Familie angeht, so bekam er mit seiner zweiten Frau Carey Lowell seinen ersten Sohn Homer im Jahre 2000. Zuvor war Gere mit Cindy Crawford verheiratet. Doch auch die Ehe mit Lowell hielt nicht. Seit 2018 ist Gere nun mit der 34 Jahre jüngeren spanischen Publizistin Alejandra Silva verheiratet. Auch sie brachte bereits einen Sohn mit in die Ehe. Gemeinsam haben die beiden zwei Söhne: Alexander wurde im Februar 2019 geboren, im April 2020 folgte der kleine Bruder – Gere war zu dem Zeitpunkt stolze 70 Jahre alt.

Manch einer möge vermuten, der überzeugte Buddhist Gere wolle seiner Frau aus selbstlosen Motiven eine große Familie ermöglichen, doch tatsächlich treibt ihn seine Liebe fürs Vatersein genauso an.

Lest hier, was Richard Gere selbst über seine Rolle als Vater zu sagen hat:

Natürlich ist es etwas ganz Besonderes, Vater zu sein. Es ist ein Gefühl, eine Empfindung, Pflicht und Ehre zugleich, derer man nie müde wird. Sicher vergessen die meisten nach einiger Zeit, wie anstrengend durchwachte Nächte, Schlafentzug und die daraus resultierende Müdigkeit sein können. Doch die Belohnung, die Freude und der Stolz, die das Vatersein mit sich bringt, verändern sich nicht und hören nie auf. Dabei ist es egal, ob du die Reise als Vater mit 20 oder mit 70 antrittst.

Prägende Einflüsse – die eigenen Eltern

Ich finde es wichtig, auch zu schauen, woher man kommt und wer einen hinsichtlich des Elternseins geprägt hat. Wir tun es unseren Eltern in so vielem gleich. Meine Mutter ist vor ein paar Jahren gestorben, doch mein Vater lebt und zeigt mir noch immer, wie es geht. Mein Vater ist ein sehr mitfühlender und kontaktfreudiger Mensch. Wer ihn trifft, ist meistens überrascht, dass er mein Vater ist, da sie einen viel älteren Mann erwarten. Er ist trotz seines Alters voll von jugendlicher Neugier – das war er schon immer. Er ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, wo er Kühe melkte. Als junger Mann ging er zur Marine, um im Zweiten Weltkrieg zu kämpfen. Er ist ein typischer Amerikaner – sehr bodenständig, und seine Persönlichkeit ist ein wichtiger Einfluss für mich. Er inspiriert und prägt mich noch heute.

Die Rolle der Familie

Die Familie war mir schon immer wichtig. Meine drei Schwestern, mein Bruder und ich sind uns noch immer sehr nah. Wir sprechen ständig miteinander und unterstützen uns gegenseitig. Wenn ich Horrorgeschichten über andere Familien höre, in denen die Geschwister keinen Kontakt mehr zueinander haben oder die Kinder enterbt werden, wird mir klar, wie glücklich ich mich mit all dem emotionalen Rückhalt meiner Familie schätzen kann.

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Noch immer jung (im Herzen)

Dass ich nun noch zweimal die Reise als Vater antreten durfte, nachdem Homer schon erwachsen ist, fühlt sich wunderbar an. Ich habe immer versucht, Homer zu ermutigen, seiner Intuition zu vertrauen und abenteuerlustig zu bleiben. Ich weiß noch, wie schwierig meine eigene Pubertät war, und ich möchte ihn unterstützen, das Leben zu genießen und nicht so viele Zweifel zu hegen wie ich damals. Außerdem habe ich versucht, ihm ein Gefühl davon zu vermitteln, wie weit er gehen kann, um Dinge über sich selbst und die Welt herauszufinden und seine Grenzen zu kennen.

Spiritueller Rat des Dalai Lama

Der Dalai Lama sagte mal, wenn man will, dass die eigenen Kinder bestimmte Werte zu schätzen lernen, solle man ihnen beibringen, auch das Leben eines Insekts zu respektieren. Viele Menschen mögen Insekten nicht. Wir haben oft Angst, dass sie uns stechen oder beißen. Doch auch ein Insekt ist ein Lebewesen. Es kennt Gefühle wie Schmerz und Freude, es hat Geschwister und Eltern – wie wir. Und der Rat des Dalai Lamas funktioniert! Mein Ältester passt immer sehr genau auf, dass er nicht auf ein Insekt tritt. Er ist ein guter Junge, und ich bin sehr stolz auf ihn.

Vor vielen Jahren beschloss ich, niemals weiter als eine Stunde von meinem Sohn entfernt zu sein. Das ist auch der Grund, weshalb ich in den letzten vier Jahren nur in Filmen mitgespielt habe, die in und um New York gefilmt wurden. Doch auch mein Sohn wird älter und hat mittlerweile großes Interesse daran, auch mal eine größere Distanz zwischen uns zu bringen. Mit dieser Abfuhr kann ich leben.

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