Promi-Mama in der Zerreißprobe

Rosamund Pike: "Ich jonglierte zwischen dem roten Teppich, Brüsten und Babys"

Wie vielleicht auch einige von uns, weiß die englische Schauspielerin Rosamund Pike mit ihrem turbulenten Leben die ruhigere Zeit, die sie aufgrund der Covid-19-Pandemie mit ihrer Familie verbringen konnte, durchaus zu schätzen.

28. Mai 2020: Der uns auferlegte Lockdown aufgrund der weltweiten Coronakrise hat uns in vielerlei Hinsicht eingeschränkt und unser Leben verändert. Doch gleichzeitig hat er uns auch die Möglichkeit geboten, sich neu zu vernetzen, zu reflektieren und sich vielleicht ein Stück weit neu zu definieren und vor allem: viel wertvolle Zeit mit unseren Kindern zu verbringen.

Für die leidenschaftliche Schauspielerin Rosamund Pike (41), die sich immer hingebungsvoll in ihre Filmprojekte stürzt, kam der Dornröschenschlaf der Filmindustrie wie eine unerwartete Erlösung. Endlich konnte sie mal mehr Zeit mit ihrer Familie, ihrem Langzeit-Lebenspartner Robie Uniacke und den beiden gemeinsamen Kindern Solo (8) und Atom (5) verbringen. Sie vermittelt den Eindruck, dass diese drei "Jungs" ihr alles geben, was sie braucht.

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Mit uns teilt sie ihre sehr persönlichen Einstellungen:

Ich glaube, das Muttersein nimmt bei mir eine ähnliche Form an wie meine Arbeit: Ich bin ein Mensch, der immer der Arbeit hinterherjagt. Ich stelle mir Fragen, auf die ich keine Antwort habe und suche so lange, bis ich sie finde. So arbeite ich, so funktioniere ich. Und das wünsche ich mir auch für meine Kinder: dass sie immer einen neugierigen Funken in sich tragen, der ihnen hilft, ihre Ziele zu verfolgen und auch das Leben zu hinterfragen. Das ist meiner Meinung nach enorm wichtig.

Kinder bringen wohl unsere entscheidensten Lebensmomente mit sich – mehr als alles andere, was dir jemals passiert. Natürlich gibt es auch Momente im Leben, bevor man Kinder hat, an die man später zurückdenkt und die einen in eine bestimmte Richtung führen. Aber in deine Kinder investierst du so viel, dass du schnell merkst, dass sich alle wesentlichen Ereignisse um sie drehen.

Tatsächlich erinnere ich mich an den Moment, als ich erfuhr, dass ich für einen Oscar nominiert wurde ("Gone Girl – Das perfekte Opfer", 2015, als Beste Schauspielerin): Genau in dem Moment lag ich mit meinen Kindern im Bett, sie krabbelten auf mir herum, ein Spielzeugauto wurde auf meinem Arm entlanggefahren und verhedderte sich dann in meinen Haaren ... Verrückt, sich seinen Kindheitstraum auf diese Art zu erfüllen, aber andererseits war es toll, einen so besonderen Moment mit ihnen zu teilen, in einer völlig normalen Situation.

Eines lernt man als Mutter sehr schnell: sich anzupassen und umzustellen. Das macht Muttersein aus. Von der Oscar-Zeremonie erinnere ich Folgendes: Es war ein Wirbelsturm aus Glanz und Glitter, Brustpumpen, Decken und Umhängen. Keine Ahnung, ob ich auch nur im Ansatz mitbekam, was um mich herum geschah. Diese erstaunliche Jonglierkunst zwischen roten Teppichen, Brüsten und Babys. Das war das allergrößte High, auf dem ich mich je befand. Ich war so high, dass meine Füße nicht mal mehr den Boden berührten.

In Wahrheit war ich noch so high von der Geburt dieses fantastischen neuen Babys und davon, diese einmalige, liebenswerte Persönlichkeit kennenzulernen. Das bedeutete für mich, dass ich gar nicht glücklicher und energetisierter hätte sein können.

Wäre ich zu der Zeit nicht so wahnsinnig auf das Muttersein konzentriert gewesen, hätte ich mich vermutlich viel zu sehr auf meine Arbeit gestürzt. Mein Sohn half mir genau im richtigen Moment, wieder zu mir selbst zurückzufinden. Er ermöglichte mir, mich aus dem Schall und Rauch zurückzuziehen und mich mit etwas sehr Bodenständigem und Menschlichen zu beschäftigen.

Inzwischen, einige Jahre später, weiß ich, dass das Familienleben alles andere als einfach ist. Aber es ist immer ein Abenteuer. Zu viert sind wir ständig in Bewegung – rund um die Welt. Wir durften beeindruckende Orte sehen, die uns sicher auch oft die Augen geöffnet haben. Gleichzeitig habe ich immer gewusst, dass irgendwann eine sesshaftere Zeit anbrechen würde, die besser zum Familienleben passt. Kinder brauchen Stabilität und für sie muss klar sein, dass sie an oberster Stelle stehen. Meine beiden Söhne gehen jetzt zur Schule. Das ändert natürlich alles. Es ist ein ständiger Balanceakt.

Am Elternsein liebe ich besonders, dass sich wahnsinnige Energieausbrüche mit extremer Erschöpfung mischen können. Genau wie in meinem Beruf wird einfach erwartet, dass man immer weiter macht – aber inzwischen habe ich gelernt, dass es auch okay ist, mal k.o. zu sein.

Während der letzten fünf Jahre ist mir immer wieder bewusst geworden, dass ich einen neuen Weg finden muss, das Schauspieler-Dasein mit dem Muttersein zu kombinieren. Das kann nur klappen, wenn man genug Zeit in das Projekt investiert. Und welcher Tag, den du mit deinen Kindern verbringst, sollte es nicht wert sein?! Sie bereiten mir so viel Freude.

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