Die Sterneköchin im Promi-Interview

Sarah Henke: "Mama zu werden, war bei mir nie wirklich präsent"

Noch wenige Wochen, dann erwartet Sterneköchin Sarah Henke ihr erstes Kind. Mit uns hat sie über Schwangerschaftsgelüste, Babyernährung aber auch ihre eigene Kindheit als Findelkind in Korea gesprochen.

Sarah Henke – zur Person:

Sarah Henke ist eine deutsche Köchin, ihr Restaurant Yoso in Andernach wurde 2018 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. 1982 wurde sie in Korea geboren und ausgesetzt. Sie wuchs bei ihren Adoptiveltern in Niedersachsen auf. Seit 2018 ist Sarah Henke mit dem Koch Christian Eckhardt verheiratet, sein Restaurant Purs hat zwei Michelin-Sterne. Ende August 2021 erwarten sie Nachwuchs, einen Sohn.

Juli 2021:

Sarah, wie verläuft deine Schwangerschaft bisher? Wie fühlst du dich?

Bisher entwickelt sich das Baby, wie es soll. Ich freue mich jedes Mal wieder, wenn ich die Entwicklung bei einem Arzttermin erfahre, wie viel es gewachsen ist und an Gewicht zugelegt hat. Momentan habe ich etwas mit Schwangerschaftsdiabetes zu kämpfen, aber da spielt mir in die Karten, dass ich als Köchin nicht viele Bücher zur Ernährungsumstellung lesen muss. Insgesamt sind wir sehr glücklich und wenn ich meinen Babybauch im Spiegel betrachte, werden ganz viele Glückshormone freigesetzt. 

Wisst ihr, ob euer Baby ein Junge oder ein Mädchen wird? Oder lasst ihr euch überraschen?

Nein, das Geschlecht wollten wir gerne wissen. Anfangs hat das Baby aber oftmals so gelegen, dass man es gar nicht genau erkennen konnte. Inzwischen wissen wir, es wird ein Junge. Es steht auch schon fest, dass er einen Doppelnamen bekommt. Den koreanischen Vornamen haben wir schon ausgesucht, was besonders schön ist, da viele koreanische Namen eine Bedeutung haben. Bei dem deutschen Namen entscheiden wir uns spontan, wenn wir unseren Kleinen das erste Mal in den Armen halten dürfen.

Hast du besondere Schwangerschaftsgelüste? Es ist bestimmt praktisch, dass Christian dir jedes Gericht zaubern kann ...

Normalerweise bin ich eher der "würzige" Typ, der im Restaurant am ehesten auf das Dessert verzichtet und beispielsweise ein Spaghetti-Eis meist nur zur Hälfte schafft. Seit der Schwangerschaft esse ich gerne ein ganzes Eis und habe allgemein eher mal Lust auf was Süßes. Christian zaubert mir zwar nicht jedes Gericht, aber es ist schon ein großer Vorteil, wenn der Mann einen so lecker bekocht. Früher haben wir tatsächlich eher selten zu Hause gekocht, aber seit der langen Schließzeit durch Corona genießen wir das immer mehr. Bei Christian gibt es dann bodenständige Hausmannskost und mediterrane Küche, wenn ich am Herd stehe, geht es in die asiatische Aromenwelt.

Apropos asiatische Aromenwelt: Sushi ist aktuell bei dir ja tabu ... worauf freust du dich nach der Schwangerschaft besonders?

Bevor ich schwanger wurde, habe ich gedacht, dass es mir sehr schwerfallen würde, auf Essen wie Sushi oder auch das Glas Wein zu verzichten. Schließlich dreht sich unser ganzes Berufs- und Privatleben ums Essen. Aber sobald wir von der Schwangerschaft erfahren haben, war es, als ob sich ein Schalter umgelegt hat. Der Verzicht fällt mir überhaupt nicht schwer. Statt auf ein spezielles Gericht, freue ich mich also eher auf das Gefühl, wieder alles essen zu können, was ich will. Aber bis dahin gibt es für den rohen Fisch im Sushi ja leckere Alternativen – Tempura Garnelen etwa schmecken sehr lecker.

Euer Baby wird quasi Deutschlands erstes "Drei-Michelin-Sterne-Baby". Habt ihr schon einen Ernährungsplan und teilt mit uns ein paar Tipps für die perfekte selbstgekochte Babynahrung?

Einen Ernährungsplan a la "Drei Michelin-Sterne" für den Kleinen haben wir zwar nicht, aber fest steht, dass wir unserem Kind den Genuss von tollen Lebensmitteln und den Erlebnissen, die damit verbunden sind, vermitteln möchten. Die Babynahrung wollen wir definitiv selbst herstellen – mit ausgesuchtem Gemüse und Obst. Schonendes Garen bei der Zubereitung ist wichtig und abwechslungsreich sollte es sein. Unser Kleiner soll vieles probieren, in der Hoffnung, dass er auch später vieles und ausgewogen essen wird.

Ihr beide führt ja jeweils euer eigenes Sternerestaurant: Wie schafft ihr es, euren Job und die Geburtsvorbereitungen unter einen Hut zu bekommen?

Da hatten die geschlossenen Restaurants in der Coronazeit bei all ihren Nachteilen zumindest einen Vorteil: Christian und ich konnten uns gemeinsam auf den Nachwuchs vorbereiten und allen voran ich hatte in der Schwangerschaft viel Ruhe und keinen Stress. Was uns sehr helfen wird ist, dass wir in beiden Restaurants Teams haben, auf die wir uns zu 100 Prozent verlassen können und die uns auch mal etwas entlasten können.

Sarah Henke und ihr Mann Christian Eckhardt sind seit 2021 Markenbotschafter des Automobilherstellers Kia. Für ihre kleine Familie haben die beiden den Kia Sorento als Familienauto auserkoren. Sarah: "Unser Kia Sorento Hybrid, ist für den Alltag mit Baby super geeignet. Die Rückbank bietet genug Platz für ein bequemes Anbringen einer Babyschale und im Kofferraum ist auch genug Platz für einen Kinderwagen. Und dass die Kofferraumtür auch von allein aufgeht, wird bestimmt praktisch, wenn man das Baby in der einen und ein Paket Windeln in der anderen Hand hält."

Wie plant ihr die Elternzeit? Und danach?

Ich werde nach der Geburt ein Jahr Elternzeit nehmen und dann müssen wir schauen, inwieweit wir eine Betreuung finden. Ich werde aber vieles auch von zu Hause erledigen können, da Küchenchefin zu sein nicht nur bedeutet, selbst zu kochen. Man organisiert viel und steckt eine Menge Zeit und Kreativität in die Kreation neuer Gerichte. Christian kann sich seine Arbeitszeit auch sehr gut einteilen und hat daher erstmal keine Elternzeit geplant.

Du bist ein Findelkind, wurdest nach deiner Geburt in Korea auf der Straße gefunden und mit etwas weniger als zwei Jahren adoptiert. Wie setzt du dich mit deiner Vergangenheit auseinander?

Das Thema Mama zu werden, war bei mir nie wirklich präsent. Mein Mann und ich haben uns immer gesagt, wenn es passiert, dann soll es so sein, wenn nicht, dann nicht. Vielleicht steckte da auch ein bisschen Angst hinter, ob ich eine gute Mama sein werde und ob ich die Liebe an mein Kind weitergeben kann, die ich von meiner leiblichen Mutter nicht erfahren habe. Jetzt, wo ich Mutter werde, gehen mir schon einige Fragen durch den Kopf: Zum Beispiel, ob ich mein Kind loslassen kann oder ob ich dann gleich das Gefühl habe, dass ich ihn "weggebe", wie damals, als ich gefunden wurde. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn ich daran denke, mein Baby jemand anderem in den Arm zu geben. 

Wie gehst du mit diesem Gefühl um?

Es gibt mir Kraft, dass ich nicht allein bin und dass ich auf eine sehr glückliche Kindheit zurückblicken kann. Meine Eltern haben mir immer gezeigt, dass ich etwas Besonderes bin, und dass man alles erreichen kann, wenn man daran glaubt und dafür kämpft. Ich glaube, dass es für mich auch perfekt ist, erst mit 39 Jahren Mama zu werden. Ich habe in meinem Leben viel erreicht, bin glücklich verheiratet und fühle mich jetzt bereit dazu, die Verantwortung für einen kleinen Menschen zu übernehmen.

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Du bist in Deutschland aufgewachsen, welche Verbindung hast du zu Korea und deinen Wurzeln?

2018 hatte ich durch ein Buchprojekt die Möglichkeit, mein Heimatland zu besuchen, die Kultur und Küche Koreas richtig kennenzulernen. Nach über 36 Jahren das erste Mal in mein Geburtsland zu reisen, war emotional, aufregend und einmalig für mich. Es hat mich gestärkt, weil ein Teil von mir immer diese Sehnsucht hatte, zu erleben, wo ich herkomme. Und auch wenn ich in Korea keine Spurensuche zu meinen Wurzeln gemacht habe, habe ich in dieser Zeit viel über mich gelernt. Korea ist zu einem Teil von mir geworden und ich freue mich, meinen Gästen durch meine Küche ein Stück Korea zu zeigen.

Was wünscht ihr euch für euer Baby?

Wir wünschen uns für unser Kind, dass es mutig wird, mit offenen Augen durch die Welt geht, seine Erfahrungen macht und vieles ausprobiert – auch in kulinarischer Hinsicht. Wir möchten ihm beibringen, immer das Positive zu sehen und die unterschiedlichsten Momente des Lebens zu genießen. Und wir wünschen uns, dass wir als Eltern immer für ihn da sein werden und ihn so bei seinen Träumen und Zielen unterstützen können. So, wie unsere Eltern es bei uns gemacht haben. 

Was möchtet ihr auf jeden Fall mit eurem Kind machen, bevor es 18 wird?

Wir möchten ihm unbedingt mein Heimatland Korea zeigen. Wir wollen mit ihm auf den Märkten stöbern und neue Lebensmittel entdecken, aber auch die Traditionen erleben, die in Korea bis heute noch gelebt werden.

Interview: Anna Ludewig

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