23. November 2018

Runder Tisch "Influencer"

Als Familienbloggerin im Kanzleramt

Runder Tisch "Influencer"
© privat

Unsere Bloggerin Nadine wurde von der Beauftragten der Bundesregierung für Digitalisierung, Staatsministerin Dorothee Bär, zu einem Runden Tisch zum Thema Influencer ins Bundeskanzleramt eingeladen. Wie es war, erfahrt Ihr im heutigen Beitrag.

„Influencer bist du? Das heißt, du wurdest gerade gegen Grippe geimpft?“, fragte Staatsministerin Dorothee Bär zu Beginn der Veranstaltung und fuhr gleich fort: „Diesen Witz haben Sie alle bestimmt schon dreißig Mal gehört. Ich auch.“ Alle im Konferenzraum im ersten Stock des Bundeskanzleramts nicken. Uns Blogger und Influencer mit der Grippe zu verwechseln – das gefällt besonders denen, die genervt sind von den Werbebotschaften, die viele von uns ins Netz aussenden.

Am Dienstag hatte sich eine Gruppe von Bloggern und Influencern auf Einladung der Staatsministerin an den „Runden Tisch Influencer“ gesetzt – im Bundeskanzleramt, in das wir erst nach Einlasskontrollen durch die Bundespolizei gehen konnten. Ein wahrlich aufregender Ort für ein Influencertreffen ist das. Und es ging um nichts weniger als das existenzbedrohende Problem, Werbung korrekt als solche zu kennzeichnen – denn sonst drohen mit hohen Kosten verbundene Abmahnungen. Leider sollten wir auch Werbung, die mit gesundem Menschenverstand betrachtet, keine ist, als solche kennzeichnen: etwa die Markierung von Freunden, die ebenfalls als Blogger arbeiten, oder auch Buchtipps, die wir aus freien Stücken und ohne Gegenleistung geben.

Was ist Werbung, was nicht?

Mit uns Influencern diskutierten neben Dorothee Bär auch weitere Vertreter der Bundesregierung wie Staatssekretär Gerd Billen aus dem Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, Stefan Schnorr, Leiter der Abteilung Digital- und Innovationspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, sowie Cornelia Holsten, die Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt. Holsten machte uns darauf aufmerksam, dass viele unserer Werbekennzeichnungen rein medienrechtlich betrachtet weggelassen werden könnten, denn: Freunde sind keine Werbung. Und auch ein Buchtipp aus eigener Motivation ist keine Werbung. Wettbewerbsrechtlich sieht die Sache anders aus: So lange sogenannten Abmahnanwälten gesetzlich kein Riegel vorgeschoben wird, drohen bei fehlender Kennzeichnung Abmahnungen – wir Influencer seien besser beraten, wenn wir auch in kuriosen Fällen (Nennung von Freunden, Orten und Tipps ohne Gegenleistung) markieren. Selbst Dorothee Bär kennt die Absurdität dieser Angelegenheit: Als sie kürzlich etwa ihre Kollegen Ursula von der Leyen und Heiko Maas auf Instagram verlinkt hatte, wurde sie ebenfalls darauf hingewiesen, dass das ja Werbung sei.

Es kommt nicht auf die Reichweite an

Für mich ist es vor allem merkwürdig, dass diese strengen Regeln gelten, wenn ich blogge oder auf Instagram poste. Veröffentliche ich stattdessen als Journalistin einen Buchtipp in einer Zeitschrift, wird mir nicht unterstellt, dass ich werbe. Da muss ich nicht kennzeichnen.
Befriedigend ist es nicht für uns Influencer, dass wir „vorsichtshalber“ fast alles als Werbung anzeigen sollen. Das gilt übrigens auch für alle anderen im Internet Aktiven: Es zählt, worüber jemand schreibt und nicht, welche Reichweite er hat.
Damit dieser unglückliche Zustand kein dauerhafter bleibt, müssen Gesetze geändert werden. Denn auch Dorothee Bär findet: „Die Gesetze sind nicht an die Jahre 2018, 2019 und 2020 angepasst.“ Das System lerne aber. Die anwesenden Politiker jedenfalls waren höchst interessiert an unseren konkreten Beispielen, sie wollen weiter Fälle sammeln – und hoffentlich bald in ihre Entscheidungsgremien tragen.

Selfie mit der Ministerin

Für uns Blogger und Influencer ist es in jedem Fall ein tolles Signal, auch im Bundeskanzleramt gesehen zu werden. Auch wenn es ein eher untypisches Influencertreffen war – das Selfie mit der Staatsministerin am Ende der Veranstaltung war obligatorisch. Danke, Dorothee Bär, für die Einladung! Und hoffentlich hat sich beim Händeschütteln zum Abschied niemand mit der Influenza infiziert 😉 .

Kommentar schreiben

Mit Absenden deines Kommentars erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner hier angegebenen Daten einverstanden (Datenschutzerklärung). Diese werden nur zur Verwaltung der Kommentare verwendet und keinem anderen Zweck zugefügt. Du kannst jederzeit per E-Mail an datenschutz@bayard-media.de der Speicherung deiner Daten widersprechen.

* Notwendige Angaben

Menü
nach oben
X
Cover
Leben & erziehen – das Elternmagazin. ❯ Jetzt reinblättern