18. Dezember 2018

Stell dir vor, du bist schwanger und merkst es nicht

Baby mit verkürzter Lieferzeit

Stell dir vor, du bist schwanger und merkst es nicht
© Syda Productions/Shutterstock.com

Unsere Kollegin hat zwölf Wochen lang nicht gemerkt, dass sie schwanger ist. Wir haben uns gefragt: Wie kann das sein? Hier schreibt Elisabeth Bauer über eine eingebildete Magen-Darm-Grippe und die Tücken von Schwangerschaftstests.

Heute ist mein letzter Arbeitstag vor dem Mutterschutz – dabei weiß ich noch gar nicht so lange, dass ich schwanger bin. Denn meine Kleine hat sich drei Monate versteckt, um mir dann beim ersten Ultraschall frech zuzuwinken.

Sie fragen sich vielleicht: Wie kann es sein, dass eine Frau erst nach zwölf Wochen merkt, dass sie schwanger ist? Tja also, das habe ich mich auch gefragt. Schließlich gibt es doch eindeutige Anzeichen, oder? Zum Beispiel das Offensichtlichste: das Ausbleiben der Periode. Das war in meinem Fall schon die erste Fehlinterpretation. Meine Tage hatte ich ziemlich sicher nicht, aber dafür Blutungen – ob es Einnistungsblutungen waren oder ob sie eine andere Ursache hatten, ist im Nachhinein schwer zu sagen. Und dass sie etwas schwächer als meine normale Periode ausfielen, wunderte mich nicht. Denn „normal“ ist bei mir ein breites Spektrum. Meine Periode kam außerdem immer ziemlich unregelmäßig, also dachte ich mir auch diesmal nichts dabei.

Schlechter Magen – oder doch schwanger?

Aber was ist mit anderen Schwangerschaftssymptomen: Übelkeit, Ziehen im Unterleib, Erschöpfung? Ich hatte das alles – und für jedes Symptom eine Erklärung parat. Übel war mir genau zu der Zeit, als sich eine Kollegin mit einer Magen-Darm-Grippe herumplagte. Also dachte ich, ich hätte mich angesteckt. Das Ziehen im Unterleib verbuchte ich aufs selbe Konto. Was mir mehr Sorgen bereitete, war die bleierne Erschöpfung, die mir drei Wochen lang in den Knochen steckte. Ich tippte auf einen verschleppten Infekt und ließ zur Sicherheit mein Blut untersuchen. Außer einer Blutarmut kam nicht viel dabei heraus. Dass mir Kaffee eine Zeit lang nicht mehr schmeckte, fand ich komisch – und schob es auf den schlechten Magen.

Als ich ein paar Wochen später träumte, dass ich schwanger bin und meine Periode tatsächlich überfällig war, machte ich den Test. Bestimmt 50 Mal schaute ich immer wieder auf diese zwei Streifen – und vereinbarte gleich einen Termin beim Frauenarzt, um sicher zu sein, dass sich das Kleine gut eingenistet hatte. Ich hoffte, dass man zumindest schon einen Punkt auf dem Ultraschall-Bildschirm erkennen würde. Stattdessen sah ich ein Baby, das jetzt auch noch seine Hand hob. Es wirkte tatsächlich so, als würde mir mein Kind zuwinken. Wie sich rausstellte, war ich schon am Anfang der 13. Schwangerschaftswoche. Ich war völlig perplex – und überglücklich.

Das schlechte Gewissen ließ nicht lange auf sich warten

Auch mein Mann war vor Freude und Überraschung überwältigt, als ich ihm das Bild unseres Kindes unter die Nase hielt. Doch es dauerte nicht lange, bis sich mein schlechtes Gewissen regte. Mir fiel einiges ein, das ich nicht gemacht hätte, wenn ich gewusst hätte, dass ich schwanger bin. Wein trinken zum Beispiel. Viel getrunken hatte ich zum Glück nicht, aber es waren doch ein paar Gläser, die ich mir hätte sparen können. Genauso wie Räucherlachs, Camembert und die halbgaren Eier zum Frühstück. (Tipps zur Ernährung in der Schwangerschaft gibt es hier)

Meine Hebamme beruhigte mich später. „Du musst das so sehen: Die kritischen Wochen, in denen du dir garantiert Sorgen gemacht hättest, haben du und deine Kleine völlig stressfrei überstanden“, sagte sie. Da hat sie natürlich recht. Mit dem Wissen, dass ich schwanger bin, hätte ich wahrscheinlich bei jeder Blutung das Schlimmste befürchtet. So war ich zwar nichtsahnend, aber unbeschwert. Und als hätte unsere Tochter gemerkt, dass wir sie endlich entdeckt haben, wuchs mein Bauch ziemlich genau ab dem Tag, an dem mir der Frauenarzt zu meiner Schwangerschaft gratulierte. Inzwischen ist mein Bauch kugelrund und das Wichtigste: Der Maus geht es gut, sie wird immer kräftiger und macht täglich Aerobic (so fühlt es sich jedenfalls an).

Lieber fünf Tests als nur einer?

Trotzdem: Doof bin ich mir schon vorgekommen, dass ich meine Kleine die ersten zwölf Wochen gar nicht bemerkt habe. Umso interessanter fand ich die Geschichten von anderen Frauen. Denn unbemerkte Schwangerschaften sind anscheinend häufiger, als man denkt. So erzählte mir zum Beispiel eine Bekannte, dass ihre Schwester dachte, sie hätte eine Zyste im Unterleib. Die hatte sie zum Glück nicht, dafür war sie schon im vierten Monat. Auf Foren schreiben manche, dass sie ihren Bauchbewohner erst im fünften oder gar sechsten Monat entdeckten.

Umgekehrt gibt es Frauen, die sich sicher sind, schwanger zu sein, aber bei denen der Test negativ ausfällt. Richtig angewendet sind diese Tests inzwischen allerdings so sicher, dass ein falsches Ergebnis so gut wie nie vorkommt – so sehr man sich auch das Gegenteil wünscht. Was dagegen oft passiert: Dass Frauen das positive Ergebnis immer wieder bestätigt haben wollen. Kaum zeigt der Test, den sie machen, zum ersten Mal zwei Streifen, wird der Mann losgeschickt, um gleich noch einen zu kaufen. Sicher ist sicher! Eine Freundin hat fünf Schwangerschaftstests gebraucht, bis sie das Ergebnis glauben konnte. Ich habe es zwar bei dem einen belassen, wollte aber auch erst den Frauenarzt-Termin abwarten, bis ich mir erlaubte, mich so richtig zu freuen.

Um die Vorfreude zu genießen, dafür hatten und haben mein Mann und ich zum Glück noch genügend Zeit. Auch wenn unser Baby gefühlt viel schneller da sein wird als andere. Wir sehen es positiv: Immerhin müssen wir nicht so lange warten, bis wir unser Mädchen in den Händen halten dürfen.

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