Schulsysteme in Corona-Zeiten

Jetzt werden unsere Kinder also "beschult"

Unser Autor darf seine Kinder bald endlich wieder in die Schule schicken. Nur bezweifelt er, ob das wirklich so viel bringen wird.

Zwei meiner drei Kinder werden ab dem 25. Mai, nachdem die Frühjahrsferien erst nahtlos in die Coronaferien übergegangen sind und nun mit den Maiferien verschmelzen, wieder zur Schule gehen. Und damit ist tatsächlich "gehen" gemeint. Roller und Fahrräder sind verboten, da seit dem letzten Schulbesuch die Stellflächen dafür scheinbar nicht mehr ausreichen. Und das, obwohl wohl nur ein Fünftel der Schüler anwesend sein darf. In unserem Falle ist es der Freitag – dann für satte sechs Stunden.  

Was soll denn bitteschön eine "Beschulung" sein?

Der Betreff der Schul-Mail lautet "Beschulung nach den Maiferien". Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das Wort "beschult" vor Corona schon einmal gehört habe. Vorher wurden meine Kinder in der Schule unterrichtet, trainiert, motiviert, gefördert. Nun werden sie also beschult. Bestuhlt heißt, ich stelle Stühle auf. Beschult ergo: ich mache Schulen auf? 

Aber ohne unterrichtet, trainiert, motiviert oder gefördert zu werden? In der Tat ergibt der Verlauf der Mail, dass die "Beschulung" in erster Linie dazu dient, die Aufgaben, die die Kinder in den letzten Monaten zu Hause mit den Eltern erarbeitet haben, noch einmal zu besprechen. Was auch dazu dient, dass die Lehrerin nicht mehr jedes Kind einzeln und das einmal pro Woche anrufen muss. Komprimiert, effizient. Ach wie schön – zumindest für die Lehrerin. Meine mittlere Tochter darf dann wieder ein Mal in der Woche in der Schule sein und wird in einer von zwei Gruppen betreut.

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Vielleicht sollten besser die Eltern beschult werden?

Ganz spontan habe ich da eine Idee: Sollten nicht besser wir Eltern beschult werden? Wir würden dann direkt das Feedback für unsere Arbeit bekommen und könnten in Zukunft noch besser unterrichten, trainieren, motivieren oder fördern. 

Wir hätten tatsächlich auch kein Problem damit, in den Pausen auf Tick- oder Ballspiele zu verzichten. Und wir könnten in den Pausen mit einem schönen Kaffee aus dem Lehrerzimmer innerhalb unseres 1,5-Meter-Radius gemütlich mit den anderen Eltern-Lehrer-Nachwuchskräften über die neuesten pädagogischen Raffinessen und Erfolge fachsimpeln und die Noten unserer Kinder am besten gleich selbst festlegen.

Auch die Hust- und Nießetikette, die "freiwillige" Maskenpflicht würden wir garantiert einhalten. Aber nur im Tausch für eine maskenfreie Raucherecke auf dem Schulhof – damit hätten wir beschulten Eltern dann endlich mal wieder einen richtig netten Vormittag.

Unser Autor

Jan Wickmann ist eigentlich Kaufmann und der Verleger von Leben&Erziehen. Er liebt Zeitschriften. Und als Vater von drei Kindern ist er in Familienangelegenheiten so versiert, dass er manchmal auch selbst in die Tasten haut.

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