Die Kinderlos-Kolumne

Auto für Kinder: Sackgasse Elterntaxi

Ohne Helikopter. Ohne rosarote Brille. Ohne Mama-Gen. Kids und ihre Eltern einfach aus anderer Perspektive betrachtet. Von einer, die es nicht besser weiß. Eine kleine Kolumne mit Herz, Humor, ein bisschen Kritik und ganz viel Respekt.

"Ab hier schaffe ich es allein!" steht auf dem von Kinderhänden gemalten Schild vor der Grundschule. Jedes Mal, wenn ich daran vorbeikomme, muss ich schmunzeln. Ist das wirklich Wunsch der Kinder? Oder eher eine Mahnung an die Eltern? Tatsächlich ist das Verkehrsaufkommen vor der Schule zu Schulbeginn und -schluss unerträglich. SUV-Dichte und CO2-Ausstoß gefährlich hoch, Hupkonzerte nervtötend, Verkehrsregeln außer Kraft gesetzt. 

Viel zu viele Eltern, auch in meinem Freundeskreis, sind selbstredend der Meinung, für ihr Grundschulkind das Taxi spielen zu müssen. Damit das Kleine auch sicher, warm, entspannt und vor allem pünktlich zum Unterricht kommt. Dabei ist das Blechlawinen-Chaos riesig und niemand wirklich relaxt, weder Mama noch Kind. 

Leben & erziehen Abo + Geschenk

Dein Begleiter von der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zum Alltag mit Kindern. Jetzt mit 25% Rabatt testen!

Früher gab's das nicht

Das dauert ewig bis ganz vorne zum Tor und völlig überflüssige Auffahrunfälle sind an der Tagesordnung. Da wird ein Kilometer zur Geduldsprobe. Was hätten wir uns früher geschämt, wenn Mama uns zur Schule gefahren hätte? Da wäre der analoge Shit-Strom vorprogrammiert gewesen. Warum ist das bloß heute so normal? Ich beobachte gestresste Mütter, die ihren Kindern den Ranzen bis in den Klassenraum tragen, weil er für die Kleinen doch viel zu schwer ist. 

Die Angst loszulassen

Sind unsere Kids zu verwöhnt? Oder sind es bloß die verängstigten Eltern, die die totale Kontrolle wollen? Eins ist mal sicher: Per Helikopter lernen die Kleinen kein verantwortungsvolles Verhalten im Straßenverkehr. Wie auch? Ich kenne Zwölfjährige, die sich nicht trauen, alleine mit dem Fahrrad zu fahren und unsicher beim Überqueren einer Ampel sind. Weil sie es nie gelernt haben, weil sie davor stets bewahrt wurden im Auto mit Achtfach-Airbag und Sitzheizung. Und weil Mama ihnen stets eingeimpft hat, wie gefährlich das Leben da draußen ist. Und ein Mädchen hörte ich einmal sagen: "Ich würde so gerne mit meiner Freundin zu Fuß gehen, aber mein Papa erlaubt es nicht." Wie schade!

Kindern ihren Weg machen lassen

Liebe Eltern, es ist schön, dass die Fürsorge für eure Kinder grenzenlos ist. Aber bitte lasst sie los und bei überschaubarer Distanz alleine zur Schule gehen! Elterntaxis sind so kontraproduktiv, für alle! Selbstbewusste Kinder, die sich gut zurechtfinden, müssen selbst ins Leben gehen. Ich bin davon überzeugt, dass sie es viel besser finden, wenn ihr sie einfach lasst. Sie werden stolz sein, sich selbst auf den Weg zu machen, ihre Angst verlieren, Verantwortung übernehmen, und frisch belüftet gemeinsam mit ihren Freunden in die Klasse kommen. Und sie werden nichts vermissen, sondern daran wachsen. Jetzt mal ganz ehrlich: Das tut auch den Großen gut und eurem ökologischen Fußabdruck sowieso!

Profilbild

Unsere Autorin

Antonia Müller

Schon als Schülerin hat Antonia Müller Bücher verschlungen, Theater gespielt, Geschichten geschrieben und Hörspiele vertont. Auf Germanistikstudium und Textschmiede folgten Redaktionsjobs für Internet, TV und Verlage.

Zwölf Jahre Kreation von erfolgreichen Ideen und Texten in der Werbung runden ihr Profil als Story Teller ab. Für Junior Medien schreibt sie heute Wissenswertes über Familie, Kind und Kegel. Was noch fehlt, ist ihre erste Romanveröffentlichung.

Teile diesen Artikel: