Schule zu Hause in Zeiten von Corona


Wenn Eltern plötzlich Lehrer sein müssen

Kitas und Schulen sind zu – und Eltern stehen plötzlich vor der Herausforderung, Homeoffice, Haushalt und Schularbeiten ihrer Kinder unter einen Hut zu bringen. Wie soll das klappen? Und inwiefern erfüllen Lehrer noch ihre eigentlichen Aufgaben?

"Mama, ich weiß nicht wie das geht! Was ist noch mal eine Erörterung?" Immerhin, das Kind sitzt an einer Aufgabe. Das war gestern nicht so. Und auch heute gab es schon die ein oder andere Diskussion. Die Anweisungen und Aufgaben des Lehrers sind schwammig und das Kind uneinsichtig. Mit pubertären zwölf Jahren wird Unterricht zu Hause schnell mit Ferien gleichgesetzt und das Wort Selbstdisziplin ist ein Fremdwort. Und wir haben nicht die benötigte Zeit, um uns intensiv zu kümmern. Denn Homeoffice bedeutet nun mal nicht frei zu haben. Im Gegenteil. Und jetzt sollen wir Homeoffice und Unterricht zu Hause gleichzeitig machen? Wie? Und wann?

So geht es gerade vielen Eltern in Deutschland. Die Schulen und Kitas sind dicht, die Kinder sind zu Hause und "wollen" unterrichtet werden. Doch das bringt sowohl Eltern als auch Schüler teilweise an ihre Grenzen – inhaltlich, zeitlich, emotional. Denn Eltern sind nun mal keine Lehrer – und wollen und können es vielleicht auch gar nicht sein.

Wir haben mit Eltern über die ersten anderthalb Wochen Schule zwischen Haushalt und Homeoffice gesprochen.

"Klar, es gibt jetzt bestimmt auch Lehrer, die alles tun, um die Schüler gut zu betreuen und die digitalen Möglichkeiten ausschöpfen. Aber bei uns ist das nicht der Fall." Jan W. ist nicht gut auf die aktuelle Situation zu sprechen. Er hat ein Kind in der Grundschule und eines in der 6. Klasse eines Gymnasiums. In der Grundschule passiert quasi nichts. Die Lehrerin verweigert digitalen Unterricht. Und auch am Gymnasium sieht es nicht besser aus. „"Sie schicken einfach nur eine Flut an Übungsaufgaben. Aber es liegt bei uns Eltern natürlich gar keine Erfahrung vor, was ein Kind allein überhaupt schaffen kann."

Lehrer sollten unterrichten, nicht Aufgaben schicken

Wie viele Aufgaben ihre Tochter bekommt, weiß die Hamburgerin Svjetlana P. nicht wirklich. "Es gibt keinen Kontakt zwischen Lehrern und Eltern, was im Moment auch okay ist. Auf der anderen Seite sind wir abhängig von Infos, die wir von unserer pubertierenden Tochter bekommen (oder auch nicht)." Die 13-jährige Gymnasiastin bekommt mittlerweile in allen Fächern Aufgaben – sogar in Sport – und muss diese zu bestimmten Terminen abgeben. Hört sich erst mal gut an. Doch es wird schnell deutlich, dass der Unterricht fehlt. Denn viele Aufgaben können die Schüler noch gar nicht selbst lösen. Für die Familie bedeutet das, dass die Eltern jetzt nach der Arbeitszeit Lehrer spielen müssen. Der Wunsch der Mutter ist daher: "Online-Unterricht für die Kinder. Dass die Lehrer jeden Morgen die Kinder wirklich per Video unterrichten. Danach gibt es dann Hausaufgaben."
 

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An einem Gymnasium, nur wenige Stadtteile weiter, wurde digitales Lernen schon vor Corona gelebt und klausurrelevante Aufgaben online zur Verfügung gestellt. Kinder, Eltern und Lehrer waren also vorbereitet. Doch auch hier beschränkt sich die Kommunikation aktuell auf Nachrichten und Aufgaben. Unterricht per Video findet nicht statt. Damit die Eltern aber nicht die Aufgabe des Lehrers übernehmen müssen, werden keine neuen Themen bearbeitet. Mutter Anna B. findet das gut. "Alle Aufgaben sind reine Wiederholungen des Wissens, folglich muss ich nicht Lehrer 'spielen'. Ich bin weiterhin eine Mama, die Hausaufgaben kontrolliert und Hilfestellung gibt." Damit überhaupt alle Schüler zu Hause arbeiten können, hat das Gymnasium ihrer Tochter einen Laptop-Verleih für alle organisiert, die einen brauchen.

Keine Schule, keine Motivation

Auch in der Grundschule des siebenjährigen Finn wurde sich um das erforderliche Material gekümmert. "Die Schulleitung hatte Ende letzter Woche Zeiten für jede Klasse organisiert, in der wir Arbeitsmaterial aus der Schule abholen konnten," so Mutter Judit N. Doch die Familie sieht sich aktuell vor einer ganz anderen Herausforderung. "Finn war anfangs voller Freude dabei, findet es toll, lange Ferien zu haben und zu Hause Schule spielen zu können. Er hat auch am Wochenende gearbeitet. Jetzt hat er aber keine Lust mehr und will nur noch spielen. Es wird jetzt schwerer, ihn zu motivieren."

Ob hier ein Stundenplan, den die Familie für sich erstellt, oder eine Videokonferenz mit Lehrern und Mitschülern hilft, muss ausprobiert werden. Wie so vieles in der aktuellen Situation, die für alle neu ist – Schüler, Eltern und Lehrer.

Autorin: Stephanie Kruse

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