Und app damit aufs Smartphone!

Ist ein Smartpen sinnvoll für Kinder?

Das Beste aus zwei Welten: Mit einem Smartpen werden handschriftliche Notizen per App auf das Smartphone oder den Computer übertragen. Funktioniert das? Und macht so ein Digitalstift für Kinder Sinn?

Unsere Schulen sollen digitaler werden. Und zwar schnell – das haben die Diskussionen der vergangenen Monate gezeigt. Davon stark betroffen sein wird das Schreiben. Schon jetzt weichen Stift und Papier, Tafel und Kreide immer häufiger Geräten wie Laptops und Tablets oder digitalen Whiteboards. Die Anforderung dabei: Jede Form der Niederschrift soll möglichst digitalisiert werden, damit sie allen beteiligten Schülern und Lehrkräften umgehend zur Verfügung steht. Doch wer nur noch tippt und wischt, verpasst die Vorteile des handschriftlichen Notierens. So sind Experten überzeugt, dass das Erlernen und Praktizieren einer Handschrift für die kognitive Entwicklung von Kindern wichtig sind. Die Hirn-und-Hand-Verknüpfung, die dabei nachhaltig aufgebaut und gestärkt wird, bildet einen wichtigen Grundstein für weitere anknüpfende Entwicklungsschritte. Vor allem aber bleiben handschriftlich notierte Inhalte besser im Gedächtnis – und das ist nicht nur für Schüler wichtig. 

Deshalb werden derzeit vor allem unter professionellen Nutzern sogenannte Smartpens immer beliebter. Mit diesen digitalen Stiften können Nutzer tatsächlich fast wie mit einem Kugelschreiber oder Fineliner schreiben. Gleichzeitig erfassen und speichern die Digitalstifte aber das Geschriebene oder Gezeichnete digital. Mithilfe einer zugehörigen App werden die digitalisierten Inhalte dann auf ein Smartphone oder einen Computer übertragen. Einige Stifte benötigen dabei spezielles Papier, das die Nutzung, Umwandlung und Übertragung via App ermöglicht. Andere wiederum erkennen die Schrift auch auf Noramalpapier. In allen Fällen wird der niedergeschriebene Text direkt weitergeleitet und gespeichert. Auf diese Weise können Nutzer ihr Notiertes in Echtzeit digital archivieren.

Ein Smartpen ist teurer als ein guter Füller, aber nicht unerschwinglich

Dabei reicht die Produktpalette von verhältnismäßig günstigen Smartpens mit Preisen unterhalb von 100 Euro bis hin zu Exemplaren, die deutlich mehr als das Doppelte kosten. Teurer ist dabei aber nicht gleich besser: So erhielt beispielsweise in einem Vergleichstest des Portals Computer Bild der Testsieger "Moleskine Pen + Ellipse" das Prädikat "sehr gut", der bei manchen Händlern schon für weniger als 100 Euro erhältlich ist. Dieses Gerät funktioniert nur mit einem speziellen Notizbuch, das vom Hersteller mitgeliefert wird bzw. dort nachzubestellen ist. Auf dem Papier ist kaum sichtbar ein winziger Code abgedruckt, der dem Stift verrät, auf welcher Seite in welchem Buch er sich gerade befindet. Der Vorteil: Das Notizbuch ist im Prinzip als Ganzes digitalisiert, und die App erkennt unverzüglich, wenn man auf einer bestimmten Seite noch einmal weiterschreibt. Dafür ist der Digitalstift auf einem normalen Papier nichts weiter als ein teurer Kugelschreiber.

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Smartpens fordern – und fördern – leserliches Schreiben

Doch wie wirkt sich die Nutzung von Digitalstiften nun auf die Handschrift aus? Die integrierten Schrifterkennungsprogramme, die Handschriftliches in Digitales umwandeln sollen, reagieren sehr unterschiedlich auf verschiedene Schriftbilder. Was jedoch deutlich wird: Fahrige und schwer leserliche Handschriften erkennen die wenigsten Programme gut. Zwar wird ein gewisser kreativer Freiraum durchaus gewährt und toleriert, aber eine ungenaue Schreibweise führt unweigerlich zu ungenauen Ergebnissen. So ergab ein Anwendungstest der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass alle verwendeten Produkte, trotz modernster Technik und Programmierung, unleserliche Handschriften nicht erkannten und entsprechend auch nicht akkurat umwandeln konnten. Eine schöne und leserliche Handschrift ist also Grundvoraussetzung für die effektive Nutzung von Smart Pens. Schlechte Schreiber könnten deshalb leicht wieder zur Tastatur wechseln. Andererseits animiert ein digitaler Stift vielleicht gerade sie zu einer Verbesserung der persönlichen Handschrift, um das – in der Regel optisch und technisch sehr ansprechende – Produkt nutzen zu können. Smartpens schaffen also tatsächlich eine Verbindung vom analogen Schreiben zur Speicherung und Archivierung auf digitalen Endgeräten. Da sie – zumindest derzeit noch – eine leserliche Schrift erfordern, bedeutet digitales Schreiben jedoch nicht zwangsläufig das Ende der Handschrift, sondern zeigt letztlich weitere Wege auf, die alte Fertigkeit des Schreibens in die Moderne zu übertragen.

Autor: Martin Piecha

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